Auch natürliche Käserinde wegschneiden

Astrid Goldmayer

Natürliche Käserinde aus hygienischen Gründen dünn wegschneiden

06.09.2013

Wenn Käse eine natürlich Rinde hat, ist diese zwar in den meisten Fällen essbar, jedoch ist es ratsam, sie aus hygienischen Gründen wegzuschneiden. Dazu rät ein Experte vom „Aid Verbraucherinformationsdienst“. Käsesorten, die eine Hülle aus Kunststofffolie oder Paraffinwachs aufweisen sowie mit dem Konservierungsmittel Natamycin behandelte Käserinde sollte immer entfernt werden, da der Verzehr schädlich ist.

Natürliche Käserinde kann Bakterien und Staub enthalten
Meist ist eine natürliche Käserinde essbar. In einigen Fällen tragen Hersteller jedoch den Konservierungsstoff Natamycin (E 235) auf die Rinde auf, um den Käse vor Schimmelpilzen zu schützen. „Eine natürliche, unbehandelte Käserinde ist gesundheitlich unbedenklich, wäre aber in meinen Augen kein Genuss“, erläutert Rüdiger Lobitz vom „Aid Verbraucherinformationsdienst“ in Bonn gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Der Experte rät deshalb, die Käserinde von Schnitt- und Hartkäse immer dünn wegzuschneiden. „Die Rinde ist aromaintensiv und sehr hart.“

Auch wenn die Rinde essbar ist, würde sie Lobitz entfernen. „Der Käse liegt während der Reifung im Regal und ist der natürlichen Luftumwälzung ausgesetzt, außerdem wird er angefasst, wenn auch mit Plastikhandschuhen.“ Dabei könnte die Käserinde mit Bakterien und Staub in Berührung kommen und vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem und während der Schwangerschaft zu Problemen führen.

Gut geeignet für den Verzehr sei dagegen der Rand von Rotschmierkäse wie Romadur und von Weichkäsen wie Brie oder Camembert. Diese Käserinde bestehe aus einem sogenannten Kulturschimmelrasen. Auch eine Aschehülle, wie sie häufig bei Ziegenkäse aus Frankreich zu finden sei, bereite keine Probleme, erklärt der Experte.

Deutsche Experten kritisieren Konservierungsmittel Natamycin auf Käserinde
Bedenklich ist dagegen der Einsatz des Konservierungsmittels Natamycin laut vieler Experten. Auch Lobitz rät vom Verzehr von Käserinde ab, die mit dem in der Medizin als Breitbandmykotikum eingesetzte nMittel behandelt wurde. „Bei Hartkäse wie Emmentaler oder Bergkäse, bei Schnittkäse wie Gouda oder Edamer und bei halbfestem Schnittkäse wie Butter- oder Edelpilzkäse darf die Rinde mit Natamycin behandelt werden, um Schimmel zu verhindern“, berichtet er. Da Natamycin bis zu fünf Millimeter tief in den Käse eindringen könne, solle der Rand großzügig weggeschnitten werden.

Jüngst kritisierten deutsche Behörden die mangelnde Aufklärung über Natamycin gegenüber dem Verbraucher. Das Landesamt für Lebensmittelsicherheit Mecklenburg-Vorpommern entdeckte in fast der Hälfte von insgesamt 85 Käseproben das Mittel in der Rinde. In einer Probe wurde sogar die zulässige Höchstmenge überschritten. Der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU-Kommission (Scientific Committee on Food, SCF) bewertet Natamycin auf Käserinde und Wursthüllen jedoch als unbedenklich, sofern das Mittel nur auf das fertige Produkt aufgetragen wird. Eine Höchstmenge von einem Milligramm pro Quadratzentimeter darf dabei jedoch nicht überschritten werden. Deutsche Fachleute sehen den Einsatz von Natamycin wesentlich kritischer. (ag)

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de