Auch UV-A-Strahlung verursacht Hautkrebs

Fabian Peters

UV-Strahlung: Verdoppelung der Hautkrebsrate in Europa erwartet

08.05.2012

Neuere Studien haben gezeigt, dass UV-A-Strahlung ein deutlich höheres Hautkrebsrisiko mit sich bringt, als bislang angenommen. So leistet nicht nur die UV-B- sondern auch die UV-A-Strahlung des Sonnenlichts einen wesentlichen Beitrag zu den laut Bundesverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) seit zwei Jahrzehnten weltweit deutlich gestiegenen Hautkrebserkrankungen.

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Mit einer europaweite Kampagne unter dem Dach der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) wollen die Experten auf die Risiken des Hautkrebs aufmerksam machen und über mögliche Maßnahmen der Früherkennung, Vorbeugung und Behandlung informieren. Seit gestern läuft die Euro-Melanoma-Woche 2012 an der zahlreiche Dermatologen und klinische Einrichtungen beteiligt sind.

Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung sollen verstärkt werden
Bei der Auftaktveranstaltung der Euro-Melanoma-Woche 2012 hatte der BVDD-Präsident Dr. Michael Reusch in besonderem Maße die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchung bei der Bekämpfung des Hautkrebs betont. Die Teilnehmerzahl bei den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen für Menschen ab einem Alter von 35 Jahren müsse sich deutlich erhöhen. Statt der bisherigen 30 Prozent, die sich zu einer Vorsorgeuntersuchung entschließen, sollen in fünf Jahren 70 Prozent der über 35-Järigen an einem Hautkrebs-Screening teilnehmen, erläuterte Reusch.. Mit Informationskampagnen und Aktionen wie der Euro-Melanoma-Woche soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden „allein schon um die Kosten für Hautkrebsoperationen und teure medikamentöse Behandlungen zu senken,“ so der Präsident des BVDD. Welche Erfolge eine Verbesserung der Früherkennung ermöglicht, zeigt sich laut Aussage der Experten an Schleswig-Holstein, wo die Früherkennung und Aufklärung zu einer Halbierung der Sterblichkeit von Hautkrebspatienten geführt habe.

Exzessives Sonnenbaden Hauptursache des Hautkrebs
Der Präsident des BVDD fordert außerdem, dass die Aufklärung über Hautkrebsursachen und ein angemessenes Verhalten der Hautkrebsprävention ein Bestandteil der gesundheitlichen Erziehung im Kindergarten und der Schule wird. Auslöser des Hautkrebs ist in der Regel schädliches Sonnenlicht beziehungsweise die Ultraviolettstrahlung, welche mit den Sonnenstrahlen die Erde erreicht. Die UV-Strahlen beeinträchtigen das Reparatursystem des Erbguts und unter Umständen beginnen die betroffenen Hautzellen unkontrolliert zu wachsen. Es bilde sich Tumore, die als sogenannter schwarzen Hautkrebs (Malignes Melanom) oder aber auch als weißer Hautkrebs (z. B. Basalzellkarzinom) in Erscheinung treten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ) benennt die exzessive Exposition gegenüber Sonnenlicht als Hauptrisikofaktor des Hautkrebs. Dabei birgt nicht nur die Sonne im Hochsommer Gefahren, sondern auch die Frühlingssonne, wie sie bei dem Rekordwetter im April (in München wurden 32,2 Grad Celsius gemessen) zu beobachten war, bedingt ein nicht zu unterschätzendes Hautkrebsrisiko. Ausgiebiges Sonnenbaden ist daher auch im Frühjahr kritisch zu bewerten.

UV-A-Strahlung erhöht das Hautkrebsrisiko deutlich stärker als angenommen
Während bisher die UV-B-Strahlung im Sonnenlicht als maßgeblicher Auslöser des Hautkrebs galt, haben neuere Studie gezeigt, dass auch die UV-A-Strahlung ein deutlich höheres Hautkrebsrisiko mit sich bringt, als bislang angenommen, berichteten die Experten bei der Auftaktveranstaltung der Euro-Melanoma-Woche 2012. Die langwelligere UV-A-Strahlung dringe tiefer in die Haut ein und verursache hier auch bei kontinuierlicher Bestrahlung mit geringer Strahlungsintensität Schädigungen der Erbsubstanz. Diese erbgutschädigende Wirkung der UV-A-Strahlen wurde zuvor lediglich bei sehr hoher Dosierung beobachtet. Professor Antony Young vom King’s College London und Kollegen hatten Anfang der Jahres Studienergebnisse präsentiert, denen zufolge das Risiko der UV-A-Strahlung bisher deutlich unterschätzt wurde. Das Ausmaß der beobachteten Schäden hatte auch in der Fachwelt für Überraschung gesorgt, obwohl frühere Untersuchungen bereits auf das Hautkrebsrisiko durch UV-A-Strahlen hindeuteten. Da der ultraviolette Bestandteil des Sonnenlichts zu 94 Prozent aus UV-A-Strahlen gebildet wird und lediglich sechs Prozent UV-B-Strahlung aufweist, könnte demnach tatsächlich die UV-A-Strahlung einen beachtlichen Anteil der Hautkrebserkrankungen bedingen.

Unterschiedliche Wirkung der UV-A- und UV-B-Strahlen
Professor Antony Young beschäftigt sich als Experte für Photobiologie seit Jahren mit der Interaktion zwischen dem Licht und Organismen. Die Folgen der UV-Strahlung für die menschliche Haut waren dabei einer seiner Forschungsschwerpunkte. Hier ist grundsätzlich zwischen den Auswirkungen der UV-A- und der UV-B-Strahlen zu unterscheiden. So sind als Effekte der langwelligen UV-A-Strahlung zum Beispiel eine beschleunigte Hautalterung und Faltenbildung ein Verlust der Elastizität sowie Veränderungen der Pigmentierung zu beobachten. Das kurzwellige UV-B-Licht kann nicht so tief in die Haut eindringen, wie die UV-A-Strahlen, verursacht jedoch direkt an der Oberfläche den deutlich sichtbaren Sonnenbrand. Beide Strahlungsarten werden heute für die Entstehung von Melanomen verantwortlich gemacht, da sie „die Überwachungsfunktion des hauteigenen Immunsystems gegenüber veränderten Zellen“ beeinträchtigen „und so den Boden für die Ausbildung von Hautkrebs“ bereiten, erklärte der Experte des Pharmazeutischen Instituts der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Professor Rolf Daniels.

Forscher erwarten Verdopplung der Hautkrebsrate
Die UV-A-Strahlung hat nach aktuellem Forschungsstand einen maßgeblichen Anteil an den deutlich gestiegenen Hautkrebsfällen der vergangenen Jahre. Welche gesundheitlichen Risiken hier in Zukunft noch auf die Bevölkerung zukommen, lässt sich anhand der Berichte des BVDD-Präsidenten von einer wissenschaftlichen Konferenz in Kopenhagen zum Zusammenhang von „Gesundheit, Umwelt und Klima“ nur erahnen. Im April hatten sich in der dänischen Hauptstadt zahlreiche Experten getroffen, um über den Zusammenhang von „Gesundheit, Umwelt und Klima“ zu diskutieren. Dr. Harry Slaper vom niederländischen Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt präsentierte hier Zahlen, die von einer Verdoppelung der Hautkrebsrate in Europa ausgehen. Nur durch eine deutliche Verbesserung der Prävention ließe sich diese Entwicklung nach Einschätzung der Experten möglicherweise noch stoppen.

Sonnencreme zur Hautkrebs-Prävention?
Die in der Bevölkerung geläufigste Form der Hautkrebs-Prävention ist die Verwendung von Sonnenschutzcremes beim Sonnenbaden. Allerdings boten bisherige Sonnencremes häufig keinen beziehungsweise nur einen unzureichenden Schutz vor den UV-A-Strahlen. Daher Arbeiten die Hersteller derzeit mit Hochdruck an einer Verbesserung ihrer Produkte. Die Firma BASF hatte im Jahr 2010 einen Breitbandfilter auf den Markt gebracht, der sowohl vor UV-A- als auch vor UV-B-Licht schützen soll. Laut Darstellung des Unternehmens enthalten heute bereits knapp 50 Prozent aller Sonnenschutzprodukte die neuen UV-A-Filter. Doch wird die Schutzwirkung von Sonnencremes bis heute in der Fachwelt durchaus kontrovers diskutiert. Zwar ist eindeutig klar, dass Sonnencreme einem Sonnenbrand vorbeugt, in Bezug auf die Reduzierung des Hautkrebsrisikos sind sich die Experten bis heute jedoch nicht einig. Denn einzelne Studien hatten Hinweise darauf ergeben, dass Sonnencremes möglicherweise das Risiko des schwarzen Hautkrebses sogar erhöhen. Andere Untersuchungen kamen indes zu einem gegenteiligen Ergebnis, wobei den älteren Studien verfahrenstechnische Fehler unterstellt wurden. Tatsächlich fanden hier lediglich Sonnenschutzcremes mit relativ geringem Lichtschutzfaktor und ohne UV-A-Filter Berücksichtigung, so dass eine Kritik auf Basis der älteren Studien kaum gerechtfertigt erscheint. Umfassende Ergebnisse zur Wirkung der Sonnenschutzcreme mit UV-A-Filter werden nach Einschätzung der Experten jedoch erst in Jahren beziehungsweise Jahrzehnten vorliegen. (fp)