Auf Lauflernhilfen bei Babys verzichten

Fabian Peters

Kinder brauchen zum Laufenlernen keine Hilfen

08.08.2012

Die meisten Eltern können es kaum erwarten, dass ihr Kind die ersten eigenen Schritte macht. Hilfsmittel zum Laufen lernen, sogenannte Lauflernhilfen, sind daher durchaus beliebt. Doch „der Glaube, die Bewegungsentwicklung durch die Lauflernhilfen zu fördern oder zu beschleunigen, ist ein Irrtum“, so die Aussage der „Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder“.

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Auch Maria Flothkötter vom „Netzwerk Gesund ins Leben“ warnte davor die ersten Schritte eines Kleinkindes mit den Lauflernhilfen zu forcieren. Eltern sollten ihrer Ansicht nach lieber auf Geräte wie einen Babywalker oder andere Hilfen zum Laufenlernen verzichten. Denn diese führen nicht nur zu Einschränkungen der natürlichen Bewegungsabläufe, sondern bergen zudem ein erhebliches Unfallrisiko.

Beeinträchtigung der motorischen Entwicklung durch Lauflernhilfen
Nach übereinstimmender Meinung der Experten des „Netzwerks Gesund ins Leben“, „der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder“ und des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte sind Lauflernhilfen generell nicht zu empfehlen. „Denn durch solche Geräte erhalten die Babys keinen Anreiz, sich selbst zu bewegen“, erläuterte die Projektleiterin des „Netzwerks Gesund ins Leben“, Maria Flothkötter. Auch die Geschäftsführerin der „BAG Mehr Sicherheit für Kinder“, Martina Abel, betonte, dass die netten gut ausgestatteten Geräte mit Spielbrett, Rassel und Figuren eher die motorische altersentsprechende Entwicklung der Kleinen beeinträchtigen. Laut Abel bieten die Lauflernhilfen den Kindern „Bewegungsmöglichkeiten, die zwar ihren Bewegungsradius erweitern, aber natürliche Bewegungsabläufe stark einschränken.“

Erhöhtes Unfallrisiko durch Lauflernhilfen
Neben den motorischen Beeinträchtigungen drohen außerdem Unfälle mit schweren Kopfverletzungen durch den Gebrauch der Lauflernhilfen, so die Warnung der Experten. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schätzt, dass etwa 6.000 Kinder pro Jahr einen Unfall erleiden, der auf die Verwendung der Lauflernhilfen zurückgeht. Am häufigsten seien dabei Kopfverletzungen, die von Schürfwunden bis hin zu Schädelbrüchen reichen können. Oftmals „stürzen die Kleinen mitsamt Lauflernhilfe über Türschwellen oder sogar Treppen hinunter“, berichtet die „BAG Mehr Sicherheit für Kinder“ auf ihrer Internetseite. Bei Geschwindigkeiten von bis zu zehn Kilometer pro Stunde, die auch kleine Kinder mit den Lauflernhilfen erreichen können, ein kaum zu unterschätzendes Risiko. Denn so schnell wie der Unfall passiert, können Eltern oft gar nicht reagieren. Aus gutem Grund sind die Lauflernhilfen daher zum Beispiel bereits seit dem Jahr 2004 in Kanada verboten.

Kinder brauchen ihre individuelle motorische Entwicklungszeit zum Laufenlernen
Generell ist die Ungeduld der Eltern beim Warten auf die ersten Schritte des Kindes durchaus zu verstehen, doch sie sollten diese nicht mit einer Lauflernhilfe erzwingen. Jedes gesunde Kind lernt laufen, braucht dafür jedoch seine individuelle motorische Entwicklungszeit, so die Aussage der Experten. Auch ergeben sich durch das Laufen häufig ganz neue Probleme, denn vieles, das nicht in Kinderhände gehört, wird auf einmal erreichbar. Eltern sollten daher keineswegs die Gefahr unterschätzen, die davon ausgeht, dass Kinder in Lauflernhilfen auch an höher liegende Gegenstände von Tischen oder aus dem Regal gelangen können. Zum Beispiel sind dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte zahlreiche Fälle bekannt, in denen Kinder mit Lauflernhilfe Tassen oder Schüsseln mit heißer Flüssigkeit vom Tisch herunter gerissen und sich schwer verbrüht haben. (fp)

Bild: Pierroa / pixelio.de