Ausbreitung tropischer Infektionskrankheiten

Fabian Peters

Stechmücken als Überträger tropischer Infektionskrankheiten

19.11.2012

Tropenkrankheiten breiten sich vermehrt auch in Deutschland aus. Im Zuge des Klimawandels haben tropische Stechmücken auch hierzulande Fuß gefasst und mit ihnen könnten Infektionskrankheiten wie Malaria, die parasitären Infektionskrankheit Leishmaniose, das West-Nil-Fieber und das Dengue-Fieber nach Deutschland gelangen. Mit einem „bundesweiten Stechmückenmonitoring soll nun einen Überblick über die Verbreitung der blutsaugenden Insekten, die Veränderung der heimischen Stechmückenfauna und eine Risikoabschätzung zur Verbreitung von Infektionskrankheiten“ ermöglicht werden, berichtet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) in einer aktuellen Pressemitteilung.

Die vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) gemeinsam mit der SGN erstellte Webseite des Großprojektes ist seit heute online und bietet einen ersten Überblick zu den Folgen die „Klimawandel, Globalisierung, Bevölkerungswachstum und Biodiversitätsverlust“ auf die Ausbreitung von fremden Stechmückenarten in Deutschland haben. Mit den Tropenmücken kommen auch tropische Infektionskrankheit nach Deutschland, die bislang hierzulande keine Rolle spielten. „Stechmücken werden von verschiedenen Krankheitserregern, zum Beispiel Viren oder Parasiten, als Transportmittel oder als Wirt – als so genannter Vektor – genutzt, um von einem Organismus zum anderen zu gelangen“, erläuterte Professor Dr. Sven Klimpel vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. So könnten in Zukunft auch hierzulande neue Epidemien und Infektionskrankheiten auftreten, warnen die Experten.

Überblick zu den Stechmückenarten und den übertragenen Krankheitserregern
Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojektes sind neben dem BiK-F und der SGN auch das Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg (BNI) sowie die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS) beteiligt. Die Wissenschaftler wollen nach eigenen Angaben „innerhalb der nächsten Jahre einen detaillierten Überblick über die Verteilung der rund 50 Stechmückenarten in Deutschland gewinnen und herausfinden, welche Krankheitserreger sie beherbergen und übertragen können.“ Herzstück des Projektes sei eine Online-Datenbank, in der das Datenmaterial aller gesammelten Mücken und Viren beziehungsweise Krankheitserreger, die in den Blutsaugern nachgewiesen wurden, verarbeitet wird. Damit werde jedes gefangene „Insekt quasi zu einem Punkt auf einer Deutschlandkarte und wir erhalten eine Verbreitungskarte, die uns zeigt, welche Mückenarten wo und in welchen Anzahlen vorkommen“, berichtet die SGN.

Heimische Stechmücken als Überträger der Malaria?
Das bisherige Wissen über Vorkommen, Verbreitung und Vektorkompetenz von Stechmücken in Deutschland sei lückenhaft und beruhe im Wesentlichen auf veralteten Daten, erläuterten die Wissenschaftler ihren aktuellen Forschungsansatz. Den Experten zufolge sind „abgesicherte und aktuelle Datensätze essentiell, um einen potentiellen Ausbruch einer Infektionskrankheit rechtzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen ergreifen zu können.“ Das Risiko durch die blutsaugenden Plagegeister sei nicht zu unterschätzen. So wurden beispielsweise hierzulande vorkommende Sandmückenarten als potenzielle Vektoren für die Ausbreitung der Leishmaniose identifiziert. Auch könne die heimische Stechmücke Anopheles plumbeus nachweislich importierte Stämme des gefährlichen Malariaerregers Plasmodium falciparum übertragen, was mit einem besonders hohen Erkrankungsrisiko verbunden wäre. Denn diese Mückenart habe sich von einem reinen “Baumhöhlenbrüter“ zum “Regentonnenbrüter“ entwickelt und fühle sich nun auch in Gärten und damit menschlicher Nähe wohl, so die Mitteilung der SGN.

Ausbreitung invasiver Mückenarten und tropischer Infektionskrankheiten
Zwar sind laut Aussage von Prof. Sven Klimpel „bisher hierzulande keine Fälle zur Übertragung der genannten Krankheiten bekannt und es besteht kein Grund zur Panik.“ Doch es sei „zu vermuten, dass sich in Zukunft – durch die Klimaerwärmung – sowohl invasive Mückenarten, als auch die damit verbundenen Krankheitserreger weiter ausbreiten und sich in den nächsten Jahrzehnten in Europa und Deutschland etablieren werden.“ Wie hoch das Risiko derzeit bereits ist, wird sich im Zuge des aktuellen Großprojektes zeigen. (fp)