Ausbruch der Vogelgrippe – Was Sie jetzt wissen sollten

Dr. Utz Anhalt
Erneut Ausbruch der Vogelgrippe
Die Vogelgrippe grassiert in Deutschland. 2014 war die Vogelgrippe in Niedersachsen ausgebrochen; seit Ende Januar 2017 grassiert sie mit dem H5N5 Typ sogar in zwei Varianten. Panik ist ebenso wenig angesagt wie Ignoranz, sondern Aufklärung. Hier einige wichtige Fakten.

Eine Virusinfektion
Vogelgrippe, als Fachbegriff Aviären-Influenza, ist durch ein Grippevirus verursacht. Hauptsächlich betroffen sind Hühner, Puten, Enten und Gänse.

Unter Hühnern, Enten, Gänsen und Puten in Großbetrieben breitet sich der Erreger epidemisch aus (cynoclub /fotolia.com)

Andere Vögel können sich ebenfalls infizieren, bei ihnen verläuft die Krankheit aber weniger schwer.

Gefährliche und weniger gefährliche Varianten
Wie bei allen Grippeviren gibt es bei der Vogelgrippe diverse Subtypen und Varianten. Außerdem verändern sich die einzelnen Typen schnell. Manche, wie die Viren H 5 und H 7 sind in hohem Ausmaß pathogen. Die anderen circa 15 Subtypen sind hingegen weniger gefährlich.

Wo liegt der Ursprung der Vogelgrippe?
Vogelgrippe grassiert seit 2004 in Asien. Es handelt sich um den Subtyp H5N1. Er stammt vermutlich aus Thailand, breitete sich dann nach China aus und wurde von Zugvögeln verbreitet.

Welcher Virus tobt in Deutschland?
2014 bildete sich in Südkorea eine sehr aggressive Form des Subtyps H5N8. Dieser wütete im November 2014 erstmalig unter Puten in Mecklenburg.

Wie kam die Vogelgrippe nach Deutschland?
Zwei Transportwege kamen für das Virus in Frage: Zugvögel oder Nutzgeflügel. Verbreiteten Angestellte von Geflügelbetrieben das Virus oder infizierten Wildvögel die Hühner und Puten in den Mastanlagen?

Offizielle These: Es waren Zugvögel
Forscher vom Friedrich-Loffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit sagen: Aller Wahrscheinlichkeit nach brachten Zugvögel aus Asien den Virus nach Europa.

Ist die Geflügelwirtschaft schuld?
Der Naturschutzbund (NABU) stellt diese offizielle These in Frage. Er schreibt: „Zahlreiche Indizien sprechen vor allem für eine Verbreitung des Virus durch die Geflügelwirtschaft selbst.“

Schleppten Geflügeltransporte das Virus ein?
Der NABU hält es für möglich, dass das Virus über Geflügeltransporte von China zuerst nach Ungarn, dann nach Österreich, Polen und Deutschland kam.

Überprüfung erforderlich
„Die Tatsache, dass diese Ausbruchsherde meist in unmittelbarer Nähe großer Schlachthöfe oder an den vermuteten Routen und Rastplätzen von Lebendgeflügel-Transporten liegen, ruft dringend nach einer eingehenden Überprüfung aller Transporte zwischen den betroffenen Betrieben und Schlachthöfen in den genannten Ländern.“

Wie gefährlich ist die aktuele Vogelgrippe für Menschen wirklich?
Ein eindeutiges Ja. Die Gefahr sich anzustecken, ist beim Menschen zwar gering, weil wir große Mengen des Virus aufnehmen müssten, aber Menschen starben an der Krankheit.

RP-Online schreibt: „Laut Weltgesundheitsorganisation sind seit 2003 etwa 850 Menschen an dem hochpathogenen (stark krankmachenden) Erreger erkrankt. Rund 450 von ihnen erlagen den Symptomen. Beobachtet wird vor allem der Subtyp H7N9. Er ist zwar wenig krankmachend, hält sich aber lange unerkannt im Geflügel und kann für den Menschen lebensgefährlich sein. 2013 kam es zu etwa 800 Krankheitsfällen und 300 Toten wegen H7N9. Über den aktuellen Erreger H5N8 ist bislang nichts bekannt.“

In China starben im Januar 79 Menschen am H7N9 Virus, so viele wie nie zuvor in einem Monat.

Wie verbreitet sich die Vogelgrippe?
Als Vogelseuche verbreitet sich die Grippe von kranken Tieren auf gesunde – vor allem über den Kot. Auch Aasfresser nehmen den Virus auf, indem sie an dem Virus gestorbene Vögel fressen.

Wer ist gefährdet?
Menschen sind vor allem gefährdet, wenn sie dauerhaft in Kontakt mit Vogelkot, Vogelblut und anderen Körperflüssigkeiten kommen. Risikogruppen sind also Angestellte in Geflügelmastbetrieben und Tierpfleger in Vogelparks wie Zoologischen Gärten.

Weitere Wege der Ansteckung
Die Ansteckung läuft auch über Transportkisten, Fahrzeuge und Geräte, die mit kranken Tieren in Berührung kamen. Wesentlich für eine epidemische Verbreitung der Seuche ist mit dem Virus verseuchter Staub. In Massenbetrieben und Zoos kann sich so ein ganzer Bestand infizieren.

Wo wird aus Einzelfällen eine Epidemie?
Einzelne Wildvögel, die verenden, lösen keine Seuchenwelle aus. Mastbetriebe, Geflügelfarmen, Vogelmärkte bieten einen Nährboden für eine explosive Vermehrung des Virus.

Liegen diese zudem in städtischen Ballungszentren, kann sich das Vogelgrippevirus schnell mit menschlichen Grippeviren kombinieren – mit potenziell tödlichem Ergebnis.

Worauf sollen Geflügelhalter achten
Wenn innerhalb eines Tages mehr als zwei Todesfälle unter dem Geflügel auftreten oder sich bei mindestens zwei Tieren in 24 das Gewicht rapide verändert, ist unmittelbar ein Tierarzt einzuschalten.

Versuchen Sie keine Laiendiagnose. Nur Tierarzt und Tierpathologe können den Virus feststellen.

Worauf müssen Konsumenten achten?
Alle Typen der Vogelgrippeviren sind empfindlich gegenüber hohen Temperaturen. Keine Sorgen wegen Vogelgrippe bei Grillhähnchen: Ein gut durchgebratenes Hähnchen stellt keine Gefahr dar – selbst wenn das Tier infiziert war. Durchgegart bedeutet: Die Kerntemperatur muss mindestens zwei Minuten 70 Grad Celsius betragen.

Müssen jetzt Zoos schließen?
Mehrere Zoologische Gärten, so Hagenbecks Tierpark in Hamburg, jüngst die Zoos in Wuppertal und Schwerin hatten Fälle von Vogelgrippe auf dem Gelände. Emus starben ebenso wie Pelikane-

Der Zoo in Wuppertal schloss für kurze Zeit, Schwerin hatte einige Tage geschlossen.

Im Berliner Zoo blieb das neu eröffnete Vogelhaus geschlossen, und in vielen Zoologischen Gärten sehen die Besucher derzeit keine Wasservögel auf den Freianlagen. Die Enten und Gänse im Kölner Zoo zum Beispiel sind zur Sicherheit in de Häusern.

Müssen hunderttausende Vögel sterben?
Ein eindeutiges Ja. Seit November 2016 wurden 391.000 Hühner, Puten und Enten getötet, weil in den Beständen Vogelgrippe nachgewiesen war. Auch wenn nur einzelne Tiere in einem Bestand an der Seuche erkrankt sind, werden dennoch vorsorglich auch Tiere ohne positiven Befund getötet.

Das ist notwendig. Die Vogelgrippe ist heute gefährlicher denn je, die Erreger mutieren schnell und breiten sich rasant aus.

Wie sind die gesetzlichen Bestimmungen?
Das Agrarblatt schreibt: „Grundlage für die Bekämpfung der Geflügelpest in Deutschland ist die Geflügelpest-Verordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Mai 2013 (BGBl. I S. 1212), die durch Artikel 29 der Verordnung vom 17. April 2014 (BGBl. I S. 388) geändert worden ist.“

Hier können Sie nachlesen, welche Schutzmaßnahmen vorgeschrieben sind, wie die Sperr- und Beobachtungszonen aussehen und wie die Vogelgrippe amtlich erkannt wird.(Dr.Utz Anhalt)

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