Ausgelöste Toleranzreaktion: Lassen sich Allergien künftig verhindern?

Wissenschaftler der MedUni Wien haben eine Methode getestet, mit der Allergien künftig möglicherweise verhindert werden können. (Bild: djoronimo/fotolia.com)
Fabian Peters
Neue Methode zur Allergie-Prophylaxe entdeckt
Millionen Menschen weltweit leiden unter Allergien. Ihr Körper zeigt eine überschießende Immunreaktion auf den Kontakt mit bestimmten Stoffen, was je nach Art der Allergie mit unterschiedlichen Beschwerden einhergehen kann. In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler der MedUni Wien nun Möglichkeiten aufgezeigt, wie Allergien noch vor ihrem Auftreten verhindert werden könnten.

„Die Ergebnisse im Tiermodell sind viel versprechend und geben Anlass zur Hoffnung, dass es künftig möglich sein könnte, Allergien noch vor dem Auftreten zu verhindern – sei es durch eine Impfung mit körpereigenen Zellen oder mittels anderer Impfstrategien“, so die Mitteilung der MedUni Wien. In der aktuellen Studie sei es den Forschern gelungen, eine Toleranzreaktion auszulösen, indem Allergene an köpereigene weiße Blutkörperchen gebunden wurden. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „ EbioMedicine“ veröffentlicht.

Wissenschaftler der MedUni Wien haben eine Methode getestet, mit der Allergien künftig möglicherweise verhindert werden können. (Bild: djoronimo/fotolia.com)
Wissenschaftler der MedUni Wien haben eine Methode getestet, mit der Allergien künftig möglicherweise verhindert werden können. (Bild: djoronimo/fotolia.com)

Verfahren aus der Transplantationsmedizin
Im Rahmen ihrer Studie testeten die Forscher um Thomas Wekerle und Ulrike Baranyi von der Universitätsklinik für Chirurgie sowie Rudolf Valenta vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien die Möglichkeiten der Allergie-Prävention mit einer ursprünglich in der Transplantationsmedizin eingesetzten Methode. Diese dient dort der immunologischen Toleranzreaktion für das Spenderorgan. Bei Mäusen setzten die Wissenschaftler das Verfahren ein und besetzten deren weiße Blutkörperchen mit den jeweiligen Allergenen (bestimmte Proteine, auf die das Immunsystem bei einer Allergie verstärkt reagiert). Der Effekt war überzeugend. Die Tiere „blieben auch nachhaltig gegenüber der Allergie resistent“, berichtet die MedUni Wien.

Im Rahmen des Verfahrens werden zunächst die Zellen (weiße Blutkörperchen) entnommen, mit dem Allergen „versetzt“ und anschließend gemeinsam mit einem Biologikum, das aus der Rheumatologie bekannt ist (Wirkstoff Abatacept) und einem Mittel aus der Immunsuppression und Onkologie (Sirolimus) wieder in den Organismus injiziert, so die Mitteilung der Universität. Praktisch wie ein „trojanisches Pferd“ auf der Zelle schlummere das derart eingeschleuste Allergen. Bei erneutem Kontakt mit den Allergenen wie beispielsweise Gräserpollen sei der Körper dann immun gegen den „Angriff“ von außen.

Lebenslanger Schutz vor Allergien möglich?
Die nachhaltige Wirkung der Methode bei den Mäusen weckt laut Thomas Wekerle die „Hoffnung auf unsere Vision eines lebenslangen Schutzes vor Allergien mit nur einer einzigen Impfung.“ Zwar sei es für einen Einsatz in der Klinik noch viel zu früh und es bedürfe weiterer, jahrelanger Studien. Doch die Forscher sehen in ihren Ergebnissen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Verhinderung von Allergien. Generell könnten vor allem zunächst Risikogruppen geimpft werden – zum Beispiel Kinder, deren Eltern an Allergien leiden, erläutert die MedUni Wien. Das Ziel wäre dabei, die Allergie überhaupt nie zum Ausbruch kommen zu lassen, damit schwere Folgen wie etwa Asthma ausbleiben. Praktischerweise liege bereits sozusagen eine Landkarte der Allergene vor. „Man weiß ganz genau, welche Allergene bei einer Allergie wirken, daher könnte man das nützen, um die Zellen ganz gezielt zu immunisieren und tolerant zu machen“, betont der Allergieforscher Rudolf Valenta.

Den Experten der MedUni Wien zufolge leidet in Österreich etwa jeder Fünfte an einer Allergie, Tendenz steigend. Häufig zeige sich zunächst Heuschnupfen, der aber sehr oft zu Asthma führe und bis hin zu lebensbedrohlichen Symptomen führen könne, so Valenta. Umso wichtiger sei die Früherkennung und eine entsprechende Behandlung. (fp)

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