Auslaufmodell Private Krankenversicherung (PKV)

Astrid Goldmayer

Die Private Krankenversicherung ist in Deutschland ein Auslaufmodell

27.03.2012

Die private Krankenversicherung (PKV) ist in Deutschland weiterhin großer Kritik ausgesetzt. Überhöhte Beiträge, Lockangebote mit Billigtarife und horrende Provisionen für Versicherungsmakler führen zum stetigen Imageverlust. Immer mehr Privatversicherte flüchten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Auch die Politik hält immer weniger vom Modell der PKV. Jens Spahn, Gesundheitsexperte der CDU, hat sich für die Abschaffung der PKV ausgesprochen.

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Immer höhere Kosten bei der PKV
Bereits seit einiger Zeit sehen sich die privaten Krankenversicherungen immer lauter werdender Kritik ausgesetzt. Durch den demographische Wandel und den damit verbundenen ansteigenden Kosten für die medizinische Versorgung müssen die Versicherer ihre Beiträge stetig anpassen. So mussten Versicherte zum Jahreswechsel tarifliche Beitragserhöhungen von bis 60 Prozent hinnehmen. Während die Branche immer wieder abwiegelt und die Kritik als Kampagne gegen die PKV abschwächt zeigen die Zahlen allerdings ein anderes Bild. Im Jahr 2000 gaben die Versicherungsunternehmen rund 13,6 Milliarden Euro für medizinische und andere Leistungen aus. Bis 2010 hatten sich die Kosten von 22 Milliarden Euro fast verdoppelt.

Die Privatkassen haben im Schnitt immer ältere Versicherte, da Menschen unter anderem aufgrund der guten medizinischen Versorgung und eines reichhaltigen Ernährungsangebots immer älter werden. Für die Versicherer bedeutet das aber auch, dass die Unternehmen immer mehr Geld für innovative medizinische Leistungen aufwenden müssen. Der einst propagierte Vorteil der privaten Krankenkassen entpuppt sich daher als echter Kostenmotor, denn bei der PKV können die Versicherten fast jede Rechnung des Arztes oder der Klinik einreichen und sich erstatten lassen.

PKV ist ein Auslaufmodell
Um das Neukundengeschäft zu beleben, sind viele Privatversicherer dazu übergegangen, mit sogenannten Billigtarifen zu locken. Mit Monatsbeiträgen weit unter 100 Euro wird der Kunde geworben. Doch häufig haben derartige Lockangebote ein böses Erwachen für Betroffenen zur Folge. So müssen die Kunden jährliche Preissteigerungen zwischen 10 und 30 Prozent hinnehmen. Branchenkenner berechneten sogar zuletzt 40 Prozent. Betroffene, die dann in die gesetzliche Krankenkasse zurück wechseln wollen, haben häufig Pech gehabt, weil eine Neuaufnahme in die GKV nur in Ausnahmen möglich ist. Dadurch verschulden sich jedes Jahr immer mehr Menschen, weil sie die ständig erhöhten, einkommensunabhängigen Versicherungsbeiträge nicht mehr zahlen können.

Den säumigen Zahler darf in Deutschland jedoch nicht gekündigt werden, da seit der Gesundheitsreform eine Versicherungspflicht besteht. Die PKV arbeitet nun gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium an einem sogenannten „Nicht-Zahler-Tarif“, der für 100 Euro im Monat nur Notfallbehandelungen beinhalten soll. Ob das die richtige Lösung für das größtenteils hausgemachte Problem sein kann, bleibt jedoch fraglich.

Experten halten die PKV aus all diesen Gründen nicht mehr für tragbar. So sprechen sich immer mehr Menschen für eine Bürgerversicherung aus. Jens Spahn, Gesundheitsexperte der CDU, ist für eine Aufhebung der Trennung zwischen Privaten und gesetzlichen Krankenkassen. Denn langfristig führe kein Weg an einer Reform vorbei, berichtete er. (ag)