Auswertung: Bereits eine Stunde Sport pro Woche senkt das Risiko der Depressionen

Alfred Domke
Schon eine Stunde Sport pro Woche beugt Depressionen vor
Schon vor Jahren hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt, dass Sport auf ähnliche Weise wirkt wie Antidepressiva. Ein internationales Forscherteam stellte nun fest, dass regelmäßige Bewegung nicht nur die Symptome einer Depression verbessern, sondern der psychischen Erkrankung auch vorbeugen kann. Schon eine Stunde Sport pro Woche kann demnach Einiges bewirken.

Immer mehr Menschen leiden an psychischen Erkrankungen
Einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist die Anzahl der Menschen mit Depressionen weltweit deutlich gestiegen ist. Auch in Deutschland und der EU leiden immer mehr Menschen an der psychischen Krankheit. Laut der Deutschen Depressionshilfe erkranken hierzulande jedes Jahr über fünf Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen, unipolaren Depression. Diese Erkrankungen gehören damit „zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen“, schreiben die Experten auf ihrer Webseite. Ein internationales Forscherteam berichtet nun, wie man einer Erkrankung vorbeugen kann: durch regelmäßige Bewegung.

Es ist schon länger bekannt, dass regelmäßige Bewegung gegen die Symptome einer Depression helfen kann. Forscher fanden nun aber heraus, dass Sport auch das Risiko reduziert, an einer Depression zu erkranken. (Bild: baranq/fotolia.com)

Sport hilft gegen Depressionen
Dass Sport gegen Depressionen hilft ist schon länger bekannt.

An deutschen Kliniken wie etwa der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde bereits vor Jahren ein Trainingsprogramm gegen Depressionen eingeführt.

Forscher stellten nun in einer Untersuchung fest, dass Sport Depressionen aber auch vorbeugen kann.

Umfangreichste Studie seiner Art
Wie das internationale Wissenschaftlerteam unter der Leitung des australischen Black Dog Institute im Fachmagazin „American Journal of Psychiatry“ berichtet, reicht bereits eine Stunde Bewegung pro Woche aus, um das Erkrankungsrisiko deutlich zu senken.

Die Vorteile durch den Sport seien unabhängig von Geschlecht und Alter.

Für die bislang größte und umfangreichste Studie seiner Art wurden die Daten von 33.908 norwegischen Erwachsenen analysiert. Dabei wurden die sportlichen Aktivitäten sowie die Symptome einer Depression über einen Zeitraum von elf Jahren beobachtet.

Schon geringe Mengen an Bewegung reichen aus
Laut einer Mitteilung der University of New South Wales (UNSW) in Sydney stellte sich heraus, dass sich zwölf Prozent der Depressionen verhindern hätten lassen, wenn die Teilnehmer nur eine Stunde pro Woche körperlich aktiv gewesen wären.

„Wir wissen seit einiger Zeit, dass körperliches Training bei der Behandlung von Symptomen der Depression eine Rolle spielt, aber dies ist das erste Mal, dass wir in der Lage gewesen sind, das präventive Potenzial der körperlichen Aktivität in Bezug auf die Verringerung eines künftigen Grades an Depression zu quantifizieren“, sagte Forschungsleiter Professor Samuel Harvey vom Black Dog Institute und der UNSW.

„Diese Erkenntnisse sind spannend, weil sie zeigen, dass auch relativ geringe Mengen an Bewegung – ab einer Stunde pro Woche – einen bedeutenden Schutz gegen Depressionen liefern können.“

„Wir versuchen derzeit noch genau zu erforschen, warum Sport diese schützende Wirkung hat. Wir gehen jedoch davon aus, dass die kombinierte Wirkung von verschiedenen körperlichen und sozialen Vorteilen entscheidend ist“, so Harvey laut einer Mitteilung des Black Dog Institutes.

Daten der HUNT-Studie ausgewertet
Die Forscher werteten für die Studie Daten der Health Study of Nord-Trøndelag County (HUNT-Studie) aus – eine der größten und umfassendsten bevölkerungsbezogenen Gesundheitsuntersuchungen, die jemals durchgeführt wurde, und zwar zwischen Januar 1984 und Juni 1997.

Die Probanden sollten damals angeben, wie häufig und in welcher Intensität sie Sport betrieben. Im weiteren Verlauf der Studie wurden sie zudem aufgefordert, Fragen zum Auftreten von Angstgefühlen und Depressionen zu beantworten.

Berücksichtigt wurden zudem Variablen, die den Zusammenhang zwischen Sport und verbreiteten psychischen Erkrankungen beeinflussen können.

Dazu gehörten sozioökonomische und demografische Faktoren, Drogenkonsum, Body-Mass-Index (BMI), das erstmalige Auftreten psychischer Erkrankungen und die erhaltene soziale Unterstützung.

Depressions-Risiko um über 40 Prozent niedriger
Die Forscher stellten fest, dass Studienteilnehmer, die angaben, keinen Sport zu betreiben, über eine um 44 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit verfügten, an Depressionen zu erkranken als jene, die ein bis zwei Stunden Sport pro Woche betrieben.

Es zeigte sich allerdings auch, dass sich diese schützende Wirkung nicht bei Angstgefühlen einstellte.

Den Angaben zufolge konnte kein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß und der Intensität von Sport und der Wahrscheinlichkeit zu erkranken hergestellt werden.

„Die deutlichsten Vorteile von Sport für die psychische Gesundheit konnten in der ersten Stunde Sport pro Woche nachgewiesen werden“, so Professor Harvey.

Laut den Wissenschaftlern seien die Ergebnisse von großer Bedeutung, da die Menschen weltweit immer mehr Zeit im Sitzen verbringen und die Zahl der Depressionen zunimmt. Schon eine kleine Veränderung des Lebensstils könnte Vorteile bringen. (ad)