Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesundheit

Alfred Domke

Digitalisierung im Beruf – Risiko oder Chance für die Gesundheit?

Deutschland ist im Dauerstress: Jeder zweite Bundesbürger ist laut Umfragen gestresst. Wesentlich verantwortlich dafür ist die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und die ständige Erreichbarkeit im Beruf. Das hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit.


Überlastet und ausgebrannt

Die Digitalisierung bietet im Hinblick auf die Flexibilität von Unternehmen und deren Beschäftigten eine große Möglichkeit. Moderne Technologien erlauben ein räumlich verteiltes Arbeiten und können psychische Fehlbelastungen bei Beschäftigten reduzieren. Ergebnisse aus einer Befragung des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) zeigen allerdings auch, dass sich jeder Fünfte durch die Digitalisierung überlastet beziehungsweise ausgebrannt fühlt.

Zwar bietet die Digitalisierung im Hinblick auf die Flexibilität von Unternehmen und deren Beschäftigten große Möglichkeiten, sie geht aber auch mit einer gesundheitlichen Belastung einher, wie Untersuchungen zeigen. (Bild: foxyburrow/fotolia.com)

Belastung für das Familienleben und die Gesundheit

Bereits in einer älteren Studie mit dem Titel „Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten“, für die über 8.000 deutsche Arbeitnehmer befragt worden waren, zeigte sich, dass die zunehmende Digitalisierung eine Belastung für das Familienleben und die Gesundheit mit sich bringt.

Auch andere Untersuchungen haben gezeigt, dass die ständige Erreichbarkeit zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen kann, berichtet die BKK Melitta Plus in einer Mitteilung.

Besonders emotionale Erschöpfung, schlechtere Schlafqualität, psychische Gesundheitsprobleme sowie Rücken– und Nackenschmerzen gelten als Folgen ständiger Erreichbarkeit.

Ein Ergebnis aus dem BKK Gesundheitsreport 2017 „Digitale Arbeit – Digitale Gesundheit“ zeigt, dass im Jahr 2016 psychisch Erkrankte im Schnitt 38,8 Tage der Arbeit fern blieben.

Experten gehen auf Grund der stetig wachsenden Digitalisierung von einer weiteren Zunahme der psychischen Erkrankungen in den nächsten Jahren aus.

Zudem ist die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei psychischen Erkrankungen wesentlich höher, als bei anderen Erkrankungen (Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems: 19,9 Arbeitsunfähigkeitstage im Jahr 2016).

Digitalisierung als Chance in der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung und den demografischen Wandel vor immer größere Herausforderungen gestellt.

Damit Unternehmen und Beschäftigte die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, gewinnt die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen einen beachtlichen Stellenwert.

Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht, die beschriebenen negativen Folgen von Digitalisierung und ständiger Erreichbarkeit wirksam einzudämmen, ohne gleichzeitig die positiven Potentiale einzuschränken.

Dafür sind individuelle Präventionskonzepte für unterschiedliche Unternehmensarten und -größen notwendig. (ad)