Baby ereilte Herzinfarkt: Ärzte retteten Kind mit Bypass-Op

Sebastian
Herzinfarkt: Ärzte retten Baby durch Bypass-Operation
Spezialisten am Deutschen Herzzentrum in München ist eine medizinische Glanzleistung gelungen. In einer komplizierten und weltweit bislang noch seltenen Bypass-Operation konnten die Mediziner das Leben des kleinen Maxim retten. Der Junge hatte im Alter von drei Monaten einen schweren Herzinfarkt erlitten und hätte ohne den Eingriff nur noch etwa ein halbes Jahr zu leben gehabt. Nun konnte das Kind gemeinsam mit seiner Familie seinen ersten Geburtstag feiern.

Erster Infarkt schon kurz nach der Geburt
Im Alter von drei Monaten erleidet der erst drei Monate alte Maxim einen schweren Herzinfarkt – den zweiten in seinem bisher kurzen Leben. Doch durch eine spezielle Bypass-Operation konnten Ärzte des Deutschen Herzzentrums in München das Leben des Jungen retten. Der Eingriff gilt als extrem schwierig und wurde bis dahin nur selten durchgeführt.

Äußerst schwierige Operation bei Baby mit Infarkt geglückt. Bild: hywards - fotolia
Äußerst schwierige Operation bei Baby mit Infarkt geglückt. Bild: hywards – fotolia

„Deshalb gibt es damit auch kaum Erfahrungswerte und so gut wie keine Literatur. Aber wir mussten es einfach versuchen. Sonst hätte Maxim nicht überlebt. Umso glücklicher sind wir, dass er es jetzt geschafft hat“, sagte der Chefarzt Professor Rüdiger Lange laut dem Sender „Radio Arabella“. Demnach wäre der Junge ohne die Operation voraussichtlich nach etwa einem halben Jahr verstorben, denn seine Herzfunktion habe nur noch bei zehn Prozent gelegen, so Professor Rüdiger Lange weiter.

Linkes Herzkranzgefäß entspringt fälschlicherweise aus der Lungenarterie
Der Junge war mit einem seltenen Herzfehler in Russland geboren und kurz nach der Geburt infolge eines ersten Herzinfarkt schon einmal operiert worden. Doch sein Zustand blieb schlecht, denn wie sich herausstellte, entsprang sein linkes Herzkranzgefäß nicht aus der Hauptschlagader, sondern aus der Lungenarterie. Da hier jedoch sauerstoffarmes Blut fließt, erhielt der linke Herzmuskel nicht ausreichend Sauerstoff. Drei Monate nach dem ersten Eingriff kam es daher zu einem zweiten Herzinfarkt, welchen der Junge nur durch die schnelle Wiederbelebung seines Vaters überlebte.

„Gott sei Dank haben wir ihn an diesem Morgen noch rechtzeitig gefunden und mein Mann konnte ihn reanimieren“, berichtet die 29 Jahre alte Mutter Ekatherina P. weiter. Die Eltern suchten Hilfe bei drei renommierten Herzzentren in Deutschland. Da die erforderliche Operation jedoch extrem kompliziert ist, gestaltete es sich schwierig, jemanden zu finden, der sich die Durchführung zutraute. Schließlich kamen sie mit Professor Rüdiger Lange in Kontakt, der sich bereit erklärte, den Schritt zu wagen. Eine große Herausforderung, denn „das Herz eines Babys ist nur so groß wie eine Walnuss. Die Herzkranzarterien sind winzig. Die innere Brustwandarterie, die wir als Bypass an das linke Herzkranzgefäß aufgenäht haben, hat nur einen Durchmesser von insgesamt 0,8 Millimetern“, erklärt Lange.

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Nahtmaterialien so dünn wie ein Haar
Durch eine sechsstündige Bypass-Operation konnten die Ärzte die Blutversorgung des Herzmuskels wiederherstellen und dem elf Monate alten Kleinkind dadurch das Leben retten. Hierfür nutzten sie auf den kleinen Patienten abgestimmte Nadeln und Fäden, die mit 0,05 Millimetern der Dicke eines menschlichen Haares entspricht. Nach der OP musste der Junge zur Regeneration für zehn Tage in ein künstliches Koma gesetzt werden, so der Bericht des Radiosenders.

„Bis sich sein kleines und stark geschwächtes Herz erholen konnte, mussten wir ihn vorübergehend noch an ein Kunstherz anschließen. Das waren sehr kritische Phasen. […] Doch jetzt ist unser kleiner Patient endlich auf dem Weg der Besserung. Darüber sind wir sehr froh“, so Chefarzt Lange. (nr)