Babys atmen beim Krabbeln große Mengen an Schmutz, Hautzellen und Co. ein

Alfred Domke

Babys wirbeln beim Krabbeln große Mengen an Staub auf – und inhalieren ihn

Wenn Babys krabbeln, stoßen sie durch die Bewegungen große Mengen an Schmutz, Hautzellen, Bakterien, Pollen und Pilzsporen auf – und inhalieren diese Stoffe auch. Das hat sich in einer aktuellen Studie US-amerikanischer Wissenschaftler gezeigt. Die Forscher verweisen jedoch darauf, dass dies nicht unbedingt von Nachteil ist.


Babys atmen beim Krabbeln hohe Konzentrationen an Schmutz ein

Babys wirbeln beim Krabbeln über Böden – insbesondere über Teppichböden – hohe Konzentrationen von Schmutz, Hautzellen, Bakterien, Pollen und Pilzsporen auf. Die Kleinen atmen diese Stoffe auch ein, wie eine aktuelle Studie von Forschern der Purdue University in West Lafayette (US-Bundesstaat Indiana) gezeigt hat. So alarmierend das auch klingt: Laut dem Studienleiter ist dies nicht unbedingt eine schlechte Sache.

Babys wirbeln beim Krabbeln über Böden – insbesondere über Teppichböden – hohe Konzentrationen von Schmutz, Hautzellen, Bakterien, Pollen und Pilzsporen auf und atmen diese Stoffe auch ein. Doch das ist offenbar gar nicht so schlimm. (Bild: Oksana Kuzmina/fotolia.com)

Risiko für Asthma und allergische Erkrankungen reduzieren

Zwar inhalieren die Babys beim Krabbeln eine Staubdosis in ihre Lungen, die viermal (pro Kilogramm Körpermasse) höher ist, als die eines Erwachsenen, der aufrecht über den gleichen Boden geht, doch die Forscher sehen darin keinen großen Grund zur Besorgnis.

„Wir sind an dem biologischen Material interessiert, das ein Säugling einatmet, besonders während ihres ersten Lebensjahres, wenn sie kriechen“, erklärte Studienleiter Brandon Boor in einer Mitteilung der Universität.

Laut dem Experten haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass das Einatmen von „Mikroben und allergentragenden Partikeln in diesem Teil des Lebens eine bedeutende Rolle dabei spielen kann, das Risiko, Asthma und allergische Erkrankungen zu entwickeln, zu reduzieren“.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ veröffentlicht.

Kleine Kinder atmen öfter durch den Mund

Um zu untersuchen, wie viel Bodenmüll die Babys einatmen, baute das Forschungsteam ein Roboter-Krabbelbaby und testete es auf tatsächlichen Teppichproben, die sie aus ihren Häusern entfernt hatten.

Dann haben die Forscher die Partikel in der Atemzone gemessen und analysiert.

„Wir verwendeten modernste Aerosol-Instrumente, um die in der Luft schwebenden biologischen Partikel in Sekundenschnelle in Echtzeit zu verfolgen. Das Instrument verwendet Laser, um biologisches Material zum Fluoreszieren zu bringen“, erläuterte Boor.

„Die meisten Bakterienzellen, Pilzsporen und Pollenpartikel sind fluoreszierend, so dass sie zuverlässig von nicht biologischem Material in der Luft unterschieden werden können.“

Der Experte erläuterte auch, warum Babys so viel mehr an Staub in die Lunge inhalieren. „Bei Erwachsenen wird ein bedeutender Teil der biologischen Partikel in den oberen Atemwegen, in den Nasenlöchern und im Rachen entfernt. Aber sehr junge Kinder atmen häufiger durch den Mund“, weshalb ein bedeutender Anteil der Partikel in den unteren Atemwegen landet.

Zu saubere Umwelt kann die Gesundheit gefährden

Die Wissenschaftler weisen in ihrer Mitteilung darauf hin, dass Experten schon vor Jahrzehnten annahmen, dass eine zu saubere Umwelt die Entwicklung des Immunsystems unterdrücken kann.

Allergologen bezeichnen dies demnach auch manchmal als „den landwirtschaftlichen Effekt“. Schließlich haben Studien gezeigt, dass uns Stall-Staub vor Allergien und Asthma schützen kann.

„In westlichen Gesellschaften verbringen Säuglinge fast die gesamte Zeit in geschlossenen Räumen, wo das Staub-Aufwirbeln in Innenräumen wesentlich zu ihrer Atmung mit biologischem Material beitragen kann“, heißt es in der Mitteilung. (ad)