Bäume und Menschen leiden gemeinsam

Fabian Peters

Baumsterben führt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der Bevölkerung

22.01.2013

Baumsterben hat massive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Im Auftrag der US-Forstbehörde haben Wissenschaftler mögliche Zusammenhänge zwischen dem Sterben von Millionen Eschen und den Todesfällen in knapp 1.300 Landkreisen in 15 US-Bundesstaaten untersucht. Die Studie zeigt eine signifikante Korrelation zwischen dem Zustand der Bäume und den Todesfällen infolge von Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, erläuterte der Hauptautor Geoffrey Donovan vom Forest Service der Pacific Northwest Research Station. Veröffentlicht wurde die Studie.

Aus früheren Studien sei bekannt, „dass die Exposition gegenüber der natürlichen Umwelt die menschliche Gesundheit verbessern kann“, doch waren die bisherigen Erkenntnisse aufgrund struktureller Schwächen der Untersuchungen stets umstritten, begründen die US-Wissenschaftler ihren Forschungsansatz. Die Betrachtung der biologischen Invasion durch den Asiatischen Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) und des hiermit verbundenen Baumsterbens habe eine einzigartige Möglichkeit geboten, Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu überprüfen, so Donovan und Kollegen weiter.

100 Millionen Bäume durch eingeschleppten Käfer gestorben
Der eingeschleppte Eschenprachtkäfer „wurde erstmals der Nähe von Detroit, Michigan, im Jahr 2002 entdeckt“, berichten die Forscher. Der Käfer greift alle 22 in Nordamerika verbreiteten Eschenarten an und tötet fast alle Bäumen, die er befällt, schreiben Donovan und Kollegen. Auch in anderen angrenzenden US-Bundesstaaten und im Südosten Kanadas seien die Baumschädlinge mittlerweile verbreitet. Insgesamt hat die Invasion der Käfer bisher nach Schätzung der Experten in den betroffenen nordamerikanischen Regionen zum Absterben von rund 100 Millionen Bäume geführt. Die Wissenschaftler haben in ihrer aktuellen Studie nun dieses Baumsterben mit den medizinischen Bevölkerungsdaten der letzten 18 Jahre aus 1.296 Landkreisen in 15 Bundesstaaten verglichen. Um Verzerrungen durch andere Faktoren möglichst zu vermeiden, berücksichtigten die Forscher im Rahmen ihrer Studie auch die demographischen Daten aus den Jahren 1990 bis 2007. Der Einfluss von Variablen wie Einkommen, Rasse oder Bildungsstand auf die Gesundheit konnte somit weitestgehend ausgeklammert werden.

21.000 zusätzliche Todesfälle durch Baumsterben
In beiden zur Berechnung verwendeten Regressionsmodellen ergab sich laut Angaben der US-Forscher ein eindeutiger statistischer Zusammenhang zwischen dem Baumsterben durch die Eschenprachtkäfer und den Todesfällen infolge von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. In den betroffenen Regionen seien zwischen den Jahren 2002 und 2007 „15.000 zusätzliche Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 6.000 zusätzliche Todesfälle aufgrund von erlittenen Atemwegserkrankungen“ zu verzeichnen gewesen. Die Präsenz des Asiatischen Eschenprachtkäfers in den Bundesstaaten sei mit einem Anstieg um knapp sieben Todesfälle je 100.000 Einwohner pro Jahr bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden und mit einem Anstieg der jährlichen Todesfälle bei den Atemwegserkrankungen um rund 17 je 100.000 Einwohner, schreiben Donovan und Kollegen.

Kausaler Zusammenhang zwischen der Natur und menschlicher Gesundheit
„Natürlich gibt es eine Tendenz, bei Betrachtung der Ergebnisse festzustellen, dass die höhere Sterblichkeit wegen einiger Störfaktoren, wie Einkommen oder Bildung, variabel ist und nicht der Verlust der Bäume“ die Ursache bildet, erläuterte Donovan. Doch sei das Muster „in Bezirken mit sehr unterschiedlichen demografischen Ausgangsbedingungen“ nachzuweisen gewesen. Der statistische Zusammenhang zwischen dem Baumsterben und den vermehrten Todesfällen habe sich auch unter Berücksichtigung der demografischen Faktoren als signifikant bestätigt. Die aktuelle Untersuchung liefere klare Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang, doch seien weitere Studien erforderlich, um diesen eindeutig zu belegen. Die „Ergebnisse geben keinen direkten Einblick, auf welche Weise Bäume die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen reduzieren“, doch bestehen nach Ansicht der Forscher mehrere plausible Erklärungsmöglichkeiten. So könnte hier die Verbesserung der Luftqualität, der Stressabbau, die Steigerung der körperlichen Aktivität oder auch der Einfluss der Bäume auf das Mikroklima beziehungsweise die Temperatur eine Rolle spielen, berichten Donovan und Kollegen. Fest stehe, dass die Präsenz der Bäume einen positiven Effekt auf die Gesundheit der Bevölkerung hat, und dass ein Sterben der Bäume auch die menschliche Gesundheit nachhaltig beeinträchtigt. (fp)

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