Bahr: Krankenkassen sollen Praxisgebühr erstatten

Sebastian

Krankenkasse schafft Praxisgebühr ab

Nachdem die Hanseatische Krankenkasse HEK ankündigte die Praxisgebühr abzuschaffen, fordert der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr weitere Kassen dazu auf, dem Positivbeispiel zu folgen.

09.07.2012

Der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat die Hanseatische Krankenkasse HEK dafür gelobt, die Überschüsse dafür zu nutzen, um Versicherte finanziell zu entlasten. In der vergangenen Woche hatte die HEK angekündigt, den Kassenmitgliedern die Praxisgebühr für den Zahnarzt rückwirkend bis zum Jahresanfang zu erstatten, wenn sie zeitgleich an einem zahnärztlichen Bonusprogramm teilnehmen. Bahr forderte weitere gesetzliche Krankenkassen dazu auf, ebenso zu gleich zu tun. Kritik kam allerdings von Seiten der Opposition. Bahr solle selbst handeln und die Praxisgebühr abschaffen, so das Credo.

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Keine Praxisgebühr für den Zahnarztbesuch
Als erste Kasse wird die regional verankerte Hanseatische Krankenkasse HEK die Praxisgebühr für den Zahnarztbesuch erstatten. Mit diesem Schritt verzichtet die Kasse nach eigenen Angaben auf rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Um in den Genuss der Erstattung zu kommen, müssen Patienten zunächst die Praxisgebühr in Höhe von 10 Euro beim Zahnarzt begleichen (wir berichteten). Gegen Vorlage eines Bonusheftes und der Praxisgebühr-Quittung wird im Anschluss das Geld auf das Konto des Patienten überwiesen.

Der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sprach sich positiv über die Entscheidung des HEK Kassenrates aus und forderte gleichzeitig weitere Kassen dazu auf, ebenfalls diesen Schritt zu gehen. „Als erste Kasse beteiligt die HEK die Versicherten an den Finanzüberschüssen“, so Bahr in einem Interview. Der Gesundheitsminister geht davon aus, dass weitere gesetzliche Krankenversicherungen dem Beispiel folgen werden. Zudem habe die HEK ein Programm konzipiert, indem weitere Anreize zur Zahngesundheit geschaffen wurden.

Kontrollbesuche beim Zahnarzt sowieso ohne Praxisgebühr
Michael Rauschen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Ärzteverbandes „Hartmannbund“ stellte in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ klar, dass es sich hierbei „sicher nicht um eine automatische Blaupause für den gesamten Arztsektor“ handelt. „So bildet zum Beispiel die Inanspruchnahme von zahnärztlichen Leistungen in unterschiedlicher Hinsicht eine andere Wirklichkeit als bei anderen ärztlichen Leistungen“, sagte Rauschen weiter. So müssen Kassenpatienten für zwei Kontrolluntersuchungen pro Jahr bei ihrem Zahnarzt sowieso keine Praxisgebühr zahlen. Erst wenn darüber hinaus gehende Therapien notwendig sind, wird die Praxisgebühr fällig.

Die Praxisgebühr wurde eingeführt, um unnötige Arztbesuche zu mindern. Doch seit Einführung hat die Zahl der Arztbesuche nicht abgenommen, sondern ist sogar weiter gestiegen. Stattdessen ist die zusätzliche Gebühr zu einer konstanten Einnahmequelle für die Krankenkassen geworden. Seit längerem fordern zahlreiche Politiker daher die Abschaffung der Gebühr.

Gesundheitsminister soll Praxisgebühr selbst abschaffen
Statt eine einzelne Krankenkasse zu loben, „sollte der Gesundheitsminister Bahr die Praxisgebühren für alle gesetzlich Versicherten selbst abschaffen“, kritisierte der Gesundheitspolitiker der Fraktion „Die Linke“ Harald Weinberg die „Lobeshymnen“ des Ministers. Gerade einmal 400.000 Versicherte sind von der de facto Abschaffung betroffen, betonte Weinberg. „Das sind nur rund 0,5 Prozent der Versicherten und das auch nur beim Zahnarzt.“ Statt eine Krankenkasse zu loben, sollte Bahr selbst handeln. „Seit März liegt ein Antrag der LINKEN zur Abschaffung der Praxisgebühr vor. Solange laviert Bahr schon herum.“ Doch nach Aussagen des Linkspolitikers würden sich FDP und Union vehement weigern, den Antrag der Linken zu behandeln, um diesen im Anschluss parlamentarisch abstimmen zu lassen. Daher sei das Verhalten des Ministers „doppelzüngiger Populismus“. Entweder der Minister ergreift selbst die Initiative oder er verteidigt die Praxisgebühr. Beides geht nicht, kritisierte der Politiker. (sb)