Bakterien Einsatz gegen tödliche Dengue-Viren

Alfred Domke

Tropenkrankheit: Kuriose Waffe gegen Denguefieber

05.04.2014

Weltweit sind Milliarden Menschen in über 100 Ländern durch Dengue-Viren bedroht. Gegen das potentiell tödliche Denguefieber gibt es bislang keinen Impfschutz. Daher greifen nun Forscher zu einer kuriosen Waffe. Sie wollen die Tropenkrankheit mit Hilfe von Bakterien bekämpfen.

Bislang gibt es keinen Impfschutz gegen Denguefieber
Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind weltweit etwa 2,5 Milliarden Menschen durch Dengue-Viren bedroht. Laut Schätzungen würden sich jedes Jahr rund 390 Millionen Menschen mit dem Erreger infizieren. Einen Impfschutz gegen die potentiell tödliche Tropenkrankheit gibt es bislang nicht. Ebenso wenig wie eine ursächliche Therapie. Forscher wollen Denguefieber nun mit Hilfe von Bakterien bekämpfen. Dazu sollen Mückenpopulationen gezielt mit Wolbachia-Mikroben infiziert werden. Tests dazu würden bereits auf verschiedenen Kontinenten laufen.

Grüne Technologie etwas anders
Die meisten Menschen stellen sich eine grüne Technologie sicher anders vor. Nur die wenigsten würden dabei an die gezielte Infektion ganzer Insektenpopulationen mit Bakterien denken. Doch genau dies wird derzeit in Asien, Australien und Amerika versucht. In Zukunft sollen vielerorts nur noch Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) aktiv sein können, die das Bakterium Wolbachia im Leib tragen. Diese Mücken übertragen üblicherweise etliche Krankheiten, von Gelbfieber über Chikungunya- bis Denguefieber. Wolbachia-Bakterien können aus weitgehend noch ungeklärten Gründen, in den Insekten die Ausbreitung vieler Erreger drastisch senken. Außerdem verfügen die Mikroben, die nur wirbellose Tiere besiedeln, über einen Fortpflanzungstrick, mit dem sie ganze Wirtspopulationen übernehmen können. Daher bestehe die Hoffnung, dass diese Kombination die Ausbreitung von Dengue-Viren auf natürliche Weise, ganz ohne Chemikalien, eindämmen könnte.

40 Prozent der Erdbewohner leben in Risikogebieten
Zahlreiche Wissenschaftler haben dem Denguefieber schon seit Jahren den Kampf angesagt. Die Krankheit, bei der grippeähnliche Symptome wie Fieber, Gelenk- und Gliederschmerzen auftreten und die mitunter tödlich enden kann, verbreitet sich rasant um die Welt. Laut Studien leben etwa 40 Prozent der Erdbewohner in einem Risikogebiet. Das Virus macht auch vor den USA oder Europa nicht halt. So wurden etwa 2010 vereinzelt Übertragungen in Kroatien und Südfrankreich gemeldet und im Herbst 2012 folgte ein großer Ausbruch auf der portugiesischen Insel Madeira. Auch das Gastgeberland der kommenden Fußballweltmeisterschaft, Brasilien, zählt zu den Risikogebieten. Zu dem Turnier werden ab Anfang Juni eine halbe Million internationale Fans erwartet, davon Zehntausende aus Deutschland.

Insektizide bringen keinen Erfolg und schädigen die Umwelt
Eine Maßnahme, die in zahlreichen Ländern angewandt wird, ist das Versprühen von Insektiziden gegen die Mücken. Doch der ersehnte Erfolg bleibt noch immer aus. Zudem schädigt diese Methode die Umwelt. Deshalb richten mittlerweile viele Experten auf der Suche nach neuen Ansätzen Hoffnungen auf die Bakterienart Wolbachia pipientis, die in Zellen ihrer Wirte leben. Die bereits in den 1920r Jahren entdeckten Mikroorganismen, besiedeln weltweit verschiedenste wirbellose Tiere, etwa Fadenwürmer und Spinnen, vor allem aber Insekten. Experten schätzen, dass bis zu zwei Drittel aller Insektenarten die Bakterien im Leib tragen, auch wenn nicht alle Populationen dieser verschiedenen Arten befallen sind.

Pläne in Brasilien kritisiert
Bereits vor einigen Jahren sorgten in Brasilien Pläne zur Eindämmung des Denguefiebers für Aufsehen. Dort sollten gentechnisch veränderte Mücken die Population der Mücke Aedes aegypti eindämmen. So sollte, indem sich unveränderte weibliche Mücken mit den gentechnisch veränderten Exemplaren paarten, der gemeinsame Nachwuchs bereits im Larvenstadium sterben. Da niemand weiß, welche Konsequenzen dem Ökosystem drohen, falls die Mücke Aedes aegypti ausgerottet wird, sorgten sich Kritiker schon früh vor allem um die ökologischen Folgen. Die Mücke ist beispielsweise die Nahrungsquelle vieler Vögel und anderer Tiere. Möglicherweise könnte sogar eine Ausbreitung des Denguefiebers begünstigt werden, falls die Mücken eine Resistenz entwickeln, so dass die Nachkommen der gentechnisch veränderten Tiere doch überleben. (ad)

Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de