Baldrian, Lavendel und Co während der Schwangerschaft wirklich sicher?

Alfred Domke

Untersuchung: Pflanzliche Wirkstoffe gegen psychische Beschwerden für Schwangere sicher?

Lavendel gilt als Stimmungsaufheller, mit dem man sogar Depressionen lindern kann. Auch viele Frauen, die während ihrer Schwangerschaft an psychischen Problemen leiden, greifen darauf zurück. Doch sind pflanzliche Wirkstoffe in solchen Fällen für Schwangere wirklich sicher? Das wollen Forscher nun im Rahmen einer Studie untersuchen.

Viele Schwangere leiden an Depressionen

Viele schwangere Frauen leiden zeitweise unter Depressionen, Angstzuständen oder starkem Stress. Manche von ihnen nehmen dagegen Arzneimittel mit antidepressiven, angstlösenden oder beruhigenden Eigenschaften. Da diese Arzneistoffe jedoch negative Auswirkungen haben können, verwenden viele Schwangere anstelle dieser lieber pflanzliche Präparate. Forscher des Universitätsklinikums Freiburg wollen nun gemeinsam mit Züricher und Basler Kollegen untersuchen, ob pflanzliche Wirkstoffe gegen psychische Beschwerden während der Schwangerschaft anstelle von synthetischen Arzneistoffen unbedenklich sind.

Viele Frauen leiden während der Schwangerschaft an psychischen Beschwerden und nehmen dagegen pflanzliche Präparate. Forscher wollen nun untersuchen, ob diese Wirkstoffe für Mutter und Kind sicher sind. (Bild: nerudol/fotolia.com)

Pflanzliche Wirkstoffe gegen psychische Beschwerden

In wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass beispielsweise Lavendelöl gegen Angststörungen wirkt.

Und Baldrian hilft nicht nur gegen Schlafstörungen, sondern ist auch ein bewährter Helfer bei Stress.

Doch sind solche sogenannten Phytopharmaka auch für Mutter und Kind ungefährlich? Das will nun ein Forschungskonsortium des Universitätsklinikums Freiburg, des Universitätsspitals Zürich und der Universität Basel untersuchen.

Sicherheit von pflanzlichen Arzneistoffen

In Studien an Immun- und Plazentazellen soll unter anderem erforscht werden, ob die am meisten gebrauchte pflanzliche Arzneimittel sowie deren Stoffwechselprodukte zell- oder erbgutschädigend sind.

„Wenn wir in der Studie die Sicherheit von pflanzlichen Arzneistoffen beschrieben haben, können Schwangere besser den für sie passenden Wirkstoff nehmen“, erklärte PD Dr. Carsten Gründemann, Forschungsgruppenleiter am Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg, in einer Mitteilung.

Die Ergebnisse vergleichen die Forscherinnen und Forscher mit klassischen psychisch aktiven Arzneistoffen.

Risikobewertung von Phytopharmaka

Das Projekt hat mehrere Ziele: Erstmal werden Frauen zu ihrer Nutzung von Phytopharmaka befragt. Dann untersuchen die Forscher, wie die komplexen Wirkstoffe häufig benutzter Pflanzen im Magen-Darm-Trakt aufgenommen und durch Darmflora und Leber verstoffwechselt werden.

Dann werden mögliche zell- und erbgutschädigende Wirkungen, Störungen des Hormonhaushalts und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln geprüft.

Schlussendlich untersuchen die Forscher unter anderem die Wirkung auf Immun- und Plazentazellen sowie ob die Stoffe die Plazentaschranke überwinden können.

„Die Berücksichtigung des Darm- und Leberstoffwechsels ist ein völlig neuer Ansatz in der Risikobewertung von Phytopharmaka. Der Ansatz und die im Projekt entwickelte Methodik könnte für zukünftige Pharmakologie- und Sicherheitsstudien im Bereich der Phytomedizin von Bedeutung sein“, sagte Dr. Gründemann.

Auf tierexperimentelle Untersuchungen wurde verzichtet

Alle Untersuchungen werden in Zellkulturen mit Hilfe modernster experimenteller Modelle durchgeführt. Unter anderem kommt eine am Universitätsspital Zürich entwickelte Plazenta-perfusion zum Einsatz.

Auf den Einsatz von tierexperimentellen Untersuchungen wurde bewusst verzichtet.

Die Vielzahl experimenteller Modelle wird durch die Kooperation zwischen dem Universitätsspital Zürich (Klinik für Geburtshilfe, Forschungsgruppe Perinatale Pharmakologie und Biochemie), der Universität Basel (Abteilung für Pharmazeutische Biologie) und dem Universitätsklinikum Freiburg (Institut für Infektionsprävention und Krankenhausepidemiologie, Abteilung für Integrative Medizinische Forschung) möglich. (ad)