Bauchschmerzen und Übelkeit durch Divertikel

Heilpraxisnet

Diverkulitis kann starke Beschwerden im linken Unterbauch verursachen

22.01.2015

Treten starke Schmerzen im rechten Unterbauch in Kombination mit Abgeschlagenheit, Übelkeit und Fieber auf, fällt der Verdacht meist auf eine Blinddarmreizung oder -entzündung. Weniger deutlich ist das Krankheitsbild jedoch, wenn die Bauchschmerzen links vorkommen. In diesem Fall könnte eine so genannte „Divertikulitis“ vorliegen, wobei es sich um eine Entzündung von Aussackungen der Darmwand handelt.

Übergewicht und eine ballaststoffarme Ernährung erhöhen das Risiko für Divertikel
Als so genannte „Divertikel“ werden medizinisch allgemein Ausstülpungen in der Wand eines Hohlorgans bezeichnet, wie sie zum Beispiel im Darm (Darmdivertikel), aber auch in anderen Organen wie zum Beispiel der Harnblase oder in der Speiseröhre vorkommen. Für die Entstehung der Ausstülpungen nehmen Experten zum einen eine erbliche Veranlagung an, hinzu kommen weitere Risikofaktoren wie Übergewicht und eine ballaststoffarme Ernährung. Im Darm kommen die Ausstülpungen vor allem im Dickdarm vor, liegen viele der Divertikel gehäuft vor, sprechen Mediziner von einer Divertikulose. Diese tritt vor allem bei älteren Menschen relativ häufig auf, in den meisten Fällen jedoch ohne Beschwerden, sodass normalerweise auch keine Behandlung erforderlich ist.

Starke Schmerzen meist erst bei Entzündung
In anderen Fällen führen die Divertikel aber auch zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl oder Verdauungsproblemen wie Verstopfung, Blähungen oder Durchfall, die jedoch oft nicht allzu stark ausgeprägt sind. Kommt es hingegen zu einer Entzündung (Divertikulitis) treten deutlich heftigere Beschwerden wie starke Schmerzen im linken Unterbauch, unangenehme Verstopfungen und Fieber auf. „Wir gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Menschen mit Divertikeln Beschwerden dadurch bekommen, also eine Entzündung oder eine Blutung mit mehr oder weniger schwierigem Verlauf“, erklärt Prof. Christoph-Thomas Germer von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Berlin gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Darmspiegelung nur in seltenen Fällen
Das Risiko für eine Entzündung entsteht, sobald sich in den Divertikeln Stuhl und Bakterien sammeln. Besteht ein Verdacht auf Divertikulitis, sollten Betroffene dementsprechend möglichst schnell einen Arzt aufsuchen, der zur Diagnosestellung eine gründliche Untersuchung des Bauches vornimmt – auch um einen eventuellen Reizdarm ausschließen zu können: „Dann nehmen wir in der Regel Blut ab, lassen Entzündungswerte bestimmen und machen eine Untersuchung per Ultraschall“, so Wolfgang Burmeister vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen in Hamburg gegenüber der „dpa“. Eine Darmspiegelung werde hingegen nur in seltenen Fällen durchgeführt, stattdessen kommen häufig bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.

Keine vorschnelle Gabe von Antibiotika
Die Therapie einer Divertikulitis richtet sich danach, welche Symptome der Betroffene hat und welche Strukturen im Bauch betroffen sind. „Wenn ein Patient nur leichte Beschwerden hat, und er hat regelmäßigen Stuhlgang und kein Fieber, dann muss man nicht sofort Antibiotika geben und kann den Patienten nach Hause schicken über Nacht“, erklärt Burmeister weiter. Hier sollte der Patient allerdings dringend auf Schonung achten und dementsprechend nicht zur Arbeit gehen, zudem sollte möglichst viel getrunken und auf schonende Kost geachtet werden, um den Darm nicht zusätzlich zu reizen. In komplizierteren Fällen sowie bei Risikopatienten ist jedoch meist doch die Gabe von Antibiotika nötig: „Menschen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Allergieneigung und einem schwachen Immunsystem haben ein höheres Risiko, dass sich Divertikel entzünden und dass es zu Komplikationen kommt“, so Prof. Ludger Leifeld von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Berlin gegenüber der dpa.

Bei Komplikationen meist sofortige Operation notwendig
Bei einer ausgeprägten Divertikulitis oder bei Komplikationen erfolgt in der Regel ein chirurgischer Eingriff, bei dem der geschädigte Darmabschnitt entfernt wird – was bei einem Darmdurchbruchbeispielsweise so schnell wie möglich erfolgen muss. Verläuft die Entzündung jedoch ohne Komplikationen, sollte nach Ansicht vieler Experten Antibiotika nicht vorschnell zum Einsatz kommen, denn aktuelle Studien belegen, dass dies in vielen Fällen keinen Vorteil bringt. Zudem sei es laut Germer früher üblich gewesen, den betroffenen Darmabschnitt nach dem zweiten Entzündungsschub präventiv zu entfernen, um einen möglichen Darmdurchbruch zu vermeiden. Heute sei jedoch bekannt, dass der erste Schub hier das größte Risiko berge, „und eine vorsorgliche Operation kann das Auftreten von Komplikationen nicht günstig beeinflussen“, so der Experte.

Selbsthilfe durch Ernährungsumstellung auf ballaststoffreiche Kost
Verursacht eine Divertikulose keine Beschwerden, können Patienten zudem selbst einiges tun, um eine Entzündung zu vermeiden. Hier empfehlen Experten vor allem, die Ernährung auf eine ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse (z.B. Blattsalat, Rettich, Tomaten, Rosenkohl, Aubergine), Vollkornprodukten und Obst (Pflaume, Ananas, Passionsfrucht etc.) umzustellen. Auch Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen oder rote Bohnen eignen sich besonders gut, zudem liefert Kleie viele Ballaststoffe und sorgt darüber hinaus für eine Verzögerung des Blutzuckeranstiegs nach der Stärkeaufnahme, wodurch zusätzlich das Risiko für Diabetes Typ II gesenkt wird. (ag)

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