Bayrische Schüler stehen unter Stress

Fabian Peters

Gestresste bayrische Schüler: Beinahe jeder Zweite ist laut einer Forsa-Umfrage hiervon betroffen.

Eine Forsa-Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass jeder zweite bayrische Schüler, unter Druck steht, jeder siebte Schüler sogar unter sehr hohem Druck. Damit sind die Schüler in Bayern deutlicher stärker gestresst, als in allen anderen Bundesländern. Der Leistungsdruck und die Angst vor schlechten Noten spielen dabei nach Aussage eines Sprechers der Techniker Krankenkasse (TK) eine wesentliche Rolle. Doch auch der teilweise überfüllte Terminkalender der Jugendlichen, sollten von den Eltern dringend überprüft werden, kommentierte der TK-Sprecher die Umfrageergebnisse.

30 Prozent der Schüler haben Konzentrationsstörungen
Das Forsa-Institut hatte im Rahmen der Umfrage 1.000 Eltern aus ganz Deutschland nach einer Einschätzung zum Stress ihrer Kinder befragt. Dabei haben die 177 befragten bayerischen Eltern im bundesweiten Vergleich am häufigsten angegeben, dass ihrer Kinder unter Druck bzw. unter hohem Druck stehen. Zwar sind die bayrischen Zahlen nicht repräsentativ, da zu wenige Väter und Mütter befragt wurden, doch das Umfrageergebnis verdeutlicht dennoch, die hohen psychischen Belastungen, unter denen die Heranwachsenden heutzutage stehen. In Folge des hohen Druckes sind bei den bayrischen Schülern Konzentrationsstörungen besonders verbreitet. Den Angaben der Eltern nach leiden 29 Prozent der Schulkinder Bayerns an erheblichen Konzentrationsproblemen, was einen bundesweiten Spitzenwert darstellt und fünf Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt, erklärte der Sprecher der TK. Auch leiden die bayerischen Schüler häufiger unter Kopfschmerzen, als Kinder aus den übrigen Bundesländern.

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Anzeichen für erhöhten Stress der Schulkinder in Bayern
Die TK erklärte angesichts der Umfrageergebnisse, dass auch andere Hinweise auf einen deutlich erhöhten Stress der bayrischen Schüler bestehen. Eine kasseninterne Auswertung der abgerechneten Arzneimittel habe ergeben, dass in Bayern die Verschreibung von Medikamente zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt lag. Dabei sind nach Aussage der TK nicht nur der schulische Leistungsdruck und die Angst vor schlechten Noten wesentliche Ursachen des psychischen Drucks, sondern auch der oft übervolle Terminkalender der Heranwachsenden. Nachdem die Kinder von der Schule kommen, müssen möglichst schnell die Hausaufgaben erledigt werden, da Nachmittags oft schon die nächsten Termine, wie Nachhilfe, Musikschule, Ballett oder Fußball anstehen. Angesichts der Umfrageergebnisse rät die TK den Eltern, den zumeist übervollen Terminkalender ihrer Kinder gründlich zu überprüfen. So können zum Beispiel auch bei sportlichen Freizeitterminen, die negativen Effekte des zu eng gestrickten Zeitplans überwiegen – obwohl körperliche Bewegung eigentlich als Stress reduzierend gilt. Auch die Politik erklärte angesichts der Umfrageergebnisse, den Schulalltag im Auge zu behalten. So werde beispielsweise die Mittelstufe demnächst einer gründlichen Überprüfung unterzogen, betonte der bayrische Kultusminister, Ludwig Spaenle (CSU).

Stress: Ursache und Folge schlechter Noten
Im Vorfeld der Vergabe der Halbjahreszeugnisse am kommenden Freitag ist der Druck bei den bayrischen Schülern momentan besonders hoch, wobei nach Aussage der TK auch die hohen Leistungserwartungen der Eltern oft mitverantwortlich für den Stress der Schüler sind. Eltern sollten daher besonders darauf achten, dass die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse keine Belastungssituation darstellt, sondern im Idealfall als Chance verstanden wird. Selbst bei schlechten Noten bleibe bis zum zum Schuljahresende noch ausreichend Zeit, um eine Verbesserung in den Problemfächer zu erreichen. Außerdem können schlechte schulische Leistungen nach Aussage der TK-Experten auch das Ergebnis und nicht Ursache von Stress sein. Hier würden verstärkte Leistungsanforderungen an die Kinder sogar kontraproduktiv wirken.

Methoden zur Stressbewältigung
In erster Linie sollten sich die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern darum bemühen, Methoden zu entwickeln, um dem psychisch belastendem Stress erfolgreich zu begegnen. Dabei bieten sich nach Aussage der Experten verschiedenen Methoden des Stressmanagements an, welche von Übungen zum richtigen Zeitmanagement, über Entspannungsübungen bis hin zu sportlichen Aktivitäten reichen können. Allerdings sind viele der für Erwachsene geeigneten Entspannungsmethoden, wie zum Beispiel autogenes Training, Yoga oder Tai Chi, bei Kindern eher unbeliebt. Umso mehr sind die Heranwachsenden auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. In besonders kritischen Fällen, bei schwerwiegenden persönlichen Konsequenzen oder zunehmenden körperlichen Symptomen wie Bauchschmerzen und Kopfschmerzen empfiehlt sich nach Aussage der Experten dringend die Hinzuziehung eines Psychotherapeuten, um mit den Betroffenen individuell angepasste Stressbewältigungs-Methoden zu entwickeln. (fp)