Befruchtung mit Erbgut von drei Eltern

Astrid Goldmayer

Britische Regierung soll Befruchtung für Kinder mit zwei biologischen Müttern und einem Vater zustimmen

29.06.2013

Die britische Regierung soll einem Verfahren zur künstlichen Befruchtung zustimmen, bei dem das Erbgut von zwei Müttern und einem Vater verwendet wird. Großbritanniens wichtigste Gesundheitsberaterin spricht sich ausdrücklich für die neue Technik aus, um Frauen mit genetischen Defekten die Möglichkeit zu geben, gesunde Kinder zu gebären. Der Schlüssel liegt in der DNA der sogenannten Mitochondrien, die zwar nur einen kleinen Teil der Gene ausmachen, jedoch Gendefekte weitergeben können.

Künstliche Befruchtung mit Erbgut von drei Eltern
Drei biologische Elternteile für ein Kind? Über dieser Frage soll sich die britische Regierung beraten. Es geht um einen Gesetzentwurf, der eine künstliche Befruchtung erlauben würde, an der zwei Mütter und ein Vater beteiligt wären. Diese Methode soll Frauen mit Gendefekten im Erbgut der Mitochondrien helfen, dennoch gesunde Kinder zu bekommen. Sally Davies, die wichtigste Gesundheitsberaterin der britischen Regierung, spricht sich für die Methode aus.

Die britische Überwachungsbehörde für künstliche Befruchtungen (Human Fertilisation and Embryology Authority, HFEA) hatte bereits zuvor festgestellt, dass es in der Öffentlichkeit eine „breite Unterstützung“ für die neue Methode gebe.

„Die Wissenschaftler haben ein bahnbrechendes neues Verfahren entwickelt, das diese Krankheit, vor der Weitervererbung stoppt und vielen Familien die Hoffnung gibt, sie nicht an ihre zukünftigen Kinder zu vererben“ sagte Davies gegenüber „BBC“. „Es ist nur richtig, dass wir dieses lebensrettende Verfahren so schnell wie möglich einführen.“ Es sei zwar eine sensible Angelegenheit, aber für sie persönlich sei die Veränderung der Mitochondrien in Ordnung.

Bei neuem Verfahren zur künstliche Befruchtung macht Erbgut der Spenderin nur fünf Promille aus
Normalerweise gelangt bei einer Befruchtung das Erbgut des Mannes in die Eizelle der Frau, die nicht nur DNA im Zellkern sondern auch in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken im Plasma der Zellen. Manche Frauen haben einen Gendefekt, der diese mitochondrialen DNA (mtDNA) betrifft. Ist das der Fall, können dadurch beim Kind schwere Fehlentwicklungen der Organe ausgelöst werden wie Degenerationen des Gehirns, Herzfehler und Blindheit. Die Betroffenen haben meist nur eine kurze Lebenserwartung. Die mtDNA ist jedoch nicht für die Ähnlichkeit zwischen Verwandten verantwortlich.

Durch das neue Verfahren kann der Zellkern einer Eizelle ausgetauscht werden, so dass ein Kind zwar die DNA der späteren Mutter erhält, die restliche Eizelle mit der mtDNA jedoch von einer gesunden Spenderin stammt. Das Kind würde dann das Erbgut von drei Menschen in sich tragen, wobei das Genmaterial der Spenderin nur etwa fünf Promille ausmacht.

Sollte die britische Regierung dem neuen Verfahren zur künstlichen Befruchtung zustimmen, wäre es das erste Land, in dem diese Methode angewendet werden darf. Angaben der „BBC“ zufolge würde das Verfahren nur für etwa zehn Paare pro Jahr in Frage kommen.

Kritiker lehnen künstliche Befruchtung mit drei Elternteilen ab
Kritiker sehen vor allem für die Kinder eine hohe psychische Belastung, wenn sie gewissermaßen zwei Mütter hätten. Hinzu kommen weitere ethische und moralische Gründe. „Diese Techniken sind unnötig und unsicher und wurden in Wirklichkeit von der Mehrheit abgelehnt“, erklärte Dr. David King vom „Human Genetics Alert“ gegenüber „BBC“. „Es ist eine Katastrophe, dass die Entscheidung, zum Überschreiten der Linie, die letztlich zu einem eugenischen Designer-Baby-Markt führen könnte, auf der Grundlage einer völlig voreingenommen und unzureichenden Beratung getroffen werden soll."

Derzeit wird das neue Verfahren im Labor getestet, wobei die dabei entstehenden Embryos nicht in eine Gebärmutter eingepflanzt werden dürfen. (ag)

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Bild: Thommy Weiss / pixelio.de