Bei ersten Anzeichen von Depression Hilfe holen

Alfred Domke

Experte erklärt wie man Depression früh erkennt: Bei ersten Anzeichen von Depression Hilfe holen

31.08.2013

Vier Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen. Viele von ihnen sehen die Gefahr der Krankheit nicht. Ein Experte erklärt, wie man Depressionen erkennen kann.

Jeder fünfte Bundesbürger betroffen
Nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erkrankt jeder fünfte Bundesbürger einmal im Leben an einer Depression. Manche von ihnen überleben die Erkrankung nicht, da sie Selbstmord begehen. Weltweit sei die Depression eine der bedeutendsten Krankheiten, wird jedoch noch immer weitgehend unterschätzt. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Prof. Ulrich Hegerl von der Uni Leipzig erklärte in einem dpa-Interview, wie man das Problem erkennt und Betroffenen geholfen werden kann.

Sehr hoher Leidensdruck
Um eine Depression zu erkennen, sei es wichtig zu wissen, dass dabei mehrere Krankheitszeichen zusammen kommen. Nicht nur die Stimmung sei gedrückt, sondern eigentlich ist das ganze Lebensgefüge verändert. Betroffenen könnten sich über nichts mehr freuen und positive Dinge würden einen nicht mehr erreichen. Selbst kleine Dinge zu erledigen würde einem wegen eines permanenten Erschöpfungsgefühls Schwierigkeiten bereiten. Hegerl erklärte: „Man kann nachts nicht schlafen, liegt grübelnd im Bett. Das ist eine Situation, die ist erstens unerträglich, und zweitens glaube ich, ich komme da nie wieder raus. Das heißt: Hoffnungslosigkeit gehört auch dazu. Das ist ein Zustand mit sehr hohem Leidensdruck.“

Schnelltest zur Diagnose von Depressionen
Auch das Max-Planck-Institut hat sich mit der Erkennung von Depressionen beschäftigt und so wurde vor kurzem bekannt, dass ein Forscherteam am Max-Planck-Institut in Berlin einen Schnelltest zur Diagnose von Depressionen entwickelt hat, der Allgemeinmedizinern die Erkennung erleichtern soll. Durch den präsentierten Entscheidungsbaum soll eine Erkennung depressiver Verstimmungen anhand von wenigen, einfachen Ja-Nein-Fragen ermöglicht werden. Eindeutiger Vorteil des Entscheidungsbaumes ist die Schnelligkeit einer möglichen ersten Einordnung. Allgemeinmediziner können mit seiner Hilfe umgehend feststellen, ob die Überweisung an einen Facharzt erforderlich wird.

Angehörige sollen motivieren
Angehörige, die bemerken, dass sich der Partner zurückzieht, nicht mehr lacht, vielleicht nicht mal mehr weinen kann, sollten alarmiert sein. Bei schweren Depressionen versiegen sogar die Tränen und es sei wichtig, dass Betroffenen von ihren Angehörigen motiviert würden, sich Hilfe zu holen. Für die Erkrankten sei es nicht leicht zu erkennen, dass es sich um eine Depression handelt. Beispielsweise würde eine solche als Überforderung bei der Arbeit gedeutet oder als Folge der Konflikte in der Familie.

Depression nicht immer zu verhindern
Laut Prof. Hegerl sei es schwieriger einer Depression vorzubeugen, als man sich das vorstellt. So sagte er dpa gegenüber: „Allein wenn man Stress reduziert, kann man das, wenn man eine Veranlagung hat, nicht immer verhindern. Das passiert auch oft beim Urlaubsantritt oder in der Rente, wenn man eigentlich keinen manifesten Stress hat. Und Leute, die in Hochleistungsbereichen arbeiten, die werden nicht häufiger depressiv als Leute, die das nicht machen. Menschen mit Teilzeitbeschäftigung werden offensichtlich nach Statistik eher depressiv als Leute, die Vollzeit beschäftigt sind.“

Gute Behandlungsmöglichkeiten
Der Experte erklärte auch, dass es gute Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen gebe. Zum einen gebe es Antidepressiva, die weder süchtig machen würden, noch die Persönlichkeit veränderten. Oft müsse man dabei jedoch etwa zwei Wochen warten, bis man die positiven Effekte merkt. Andererseits gebe es Psychotherapien und nach Meinung des Professors habe insbesondere das Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie seine Wirksamkeit in guten Studien ausreichend belegt. Dabei gehe es um das Hier und Jetzt, beispielsweise um die Tagesstrukturierung.

Kongress in Leipzig
Auf die Frage, wie hoch die Gefahr eines Rückfalls sei, erläuterte Hegerl: „Wenn man eine Depression hat, heißt das, dass man wahrscheinlich eine Veranlagung dafür hat. Wenn man die Veranlagung hat, hat man ein erhöhtes Risiko, später erneut depressiv zu werden. Deswegen ist es wichtig, nach der ersten Episode möglichst viel zu lernen: Dass man Frühzeichen erkennt, dass man weiß, was man dagegen tun kann.“ Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe veranstaltet in Kooperation mit dem Deutschen Bündnis gegen Depression und der Deutschen Depressionsliga am kommenden Sonntag in Leipzig den 2. Deutschen Patientenkongress Depression, um Betroffenen zu helfen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Es werden 1.500 Teilnehmer erwartet. (ad)

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Bild: Petra Bork / pixelio.de