Bei Flussblindheit soll Tierarznei helfen

Heilpraxisnet

Arznei aus der Tiermedizin gegen menschliche Flussblindheit

10.12.2014

Menschen, die unter Flussblindheit (Onchozerkose) leiden, soll künftig ein Mittel aus der Tiermedizin helfen. Weltweit sind von der Wurmkrankheit, die durch Kriebelmücken übertragen wird, über 20 Millionen Menschen betroffen. Viele von ihnen gehören zu den Ärmsten der Armen in Afrika.

Weltweit über 20 Millionen Menschen betroffen
Von der Flussblindheit (Onchozerkose) sind weltweit mehr als 20 Millionen Menschen betroffen. Vor allem in den tropischen Gegenden Afrikas und Amerikas ist die Wurmkrankheit verbreitet. Übertragen wird sie durch blutsaugende Kriebelmücken. Einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge haben die Initiative Medikamente für Vernachlässigte Krankheiten (DNDI) und der Pharmakonzern Bayer am Dienstag in Berlin einen Kooperationsvertrag über die Entwicklung eines Medikaments unterzeichnet, das die Krankheit vollständig heilen soll.

Bis zu 50 Zentimeter lange Würmer wachsen im Körper
Dafür wollen die Forscher ein Mittel weiterentwickeln, das das Unternehmen bereits für die Behandlung von Hunden und Katzen produziert. Auch die Universität Bonn ist an der Forschung beteiligt. Die Flussblindheit tritt vor allem in Afrika auf. Den Angaben zufolge gehören die Betroffenen zu den Ärmsten der Armen, von denen viele in schwer zugängliche Gegenden leben. Bei Menschen, die an der Flussblindheit erkranken, treten Symptome nicht sofort, sondern erst nach etwa sechs bis zwölf Monaten auf. Dabei wachsen im Körper Würmer heran, die bis zu 50 Zentimeter lang werden können und für die Dauer ihres Lebens – bis zu 17 Jahre – winzige Fadenwürmer, sogenannte Mikrofilarien, streuen.

Symptome treten erst nach Monaten auf
Die Beschwerden, die bei der Krankheit auftreten, werden zum einen durch die Mikrofilarien hervorgerufen, aber auch durch die Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems auf die Invasion dieser Parasiten. Symptome sind unter anderem ein Juckender Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen, Knoten unter der Haut, Hautverdickung, Gefäßentzündungen und Augenprobleme, wie etwa eine Augenentzündung oder Bindehautentzündung. Das Auge kann dabei so sehr geschädigt werden, dass es zu einer Erblindung kommt.

Entwicklung des Mittels wird noch Jahre dauern
Wie es heißt, soll das neue Medikament nicht nur die Fadenwürmer bekämpfen, sondern auch die erwachsenen Würmer abtöten. „Sollte das wirklich funktionieren, dann wäre das fantastisch“, sagte Ulrike Loos, Sprecherin der Christoffel Blindenmission gegenüber der dpa. Die Wirkstoffe, die bislang eingesetzt würden, hätten zwar die Fadenwürmer erfolgreich zerstört, allerdings ohne den erwachsenen Wurm abzutöten. Betroffene mussten deshalb jahrelang immer wieder behandelt werden. „Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung bis zu neun Jahre in Anspruch nehmen wird“, erläuterte DNDI-Geschäftsführer Bernard Pécoul.

Medikament soll zum Selbstkostenpreis abgegeben werden
Für das neue Mittel, das einfach in der Anwendung sein soll, sind klinische Studien geplant. Voraussichtlich werden diese im Kongo stattfinden, wo in einigen Gebieten laut DNDI rund 40 Prozent der Bevölkerung unter Flussblindheit leiden. Nach eigenen Angaben ist DNDI eine Non-Profit-Organisation, die sich auf Forschung an Medikamenten gegen die am meisten vernachlässigten Krankheiten konzentriert. Die Kosten für die Entwicklung der Arznei tragen DNDI (30 bis 40 Millionen Euro) und Bayer HealthCare (rund fünf Millionen Euro für die Forschung plus Kosten für die Zulassung). Wie es heißt, will Bayer das Medikament später in Zusammenarbeit mit den Regierungen der betroffenen Entwicklungsländer quasi zum Selbstkostenpreis abgeben. Ursprünglich stammt der Wirkstoff Emodepsid vom japanischen Pharmaunternehmen Astellas. Bayer hatte die Rechte daran für die Tiermedizin erworben, darf sie jetzt aber nach eigenen Angaben auch für das neue Mittel verwenden. (ad)

Bild: FotoHiero / pixelio.de