Pangasius-Fischfilets: Täuschung der Verbraucher

Heilpraxisnet

Bei Pangasius-Fischfilets werden Käufer getäuscht

03.10.2014

Jeder Deutsche isst im Durchschnitt 15 Kilogramm Fisch im Jahr. In den letzten Jahren wurde dabei Pangasius immer beliebter. Der Jahresbericht des Hamburger Hygiene-Instituts zeigt nun, dass Verbraucher beim Kauf dieses Fisches oft getäuscht werden. Fast die Hälfte der untersuchten Pangasius-Filets wurde mit Wasser gestreckt.

Fisch wurde in den vergangenen Jahren immer beliebter
Angesichts der Skandale um Gammelfleisch, BSE und Co. hat Fisch in den letzten Jahrzehnten in Deutschland eine beachtliche Renaissance erfahren. Eine Rolle spielen dabei gesundheitliche Gründe. Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) werden wöchentlich zwei Fischmahlzeiten empfohlen, unter anderem wegen dem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren. In verschiedenen Studien kamen zudem Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass vor allem fettreicher Fisch Diabetes und Herzleiden vorbeugen kann. Statistisch betrachtet, isst jeder Deutsche im Jahr rund 15 Kilogramm Fisch. Dabei wurde bei den Verbrauchern hierzulande in den vergangenen Jahren Pangasius immer beliebter.

„Erhebliche Mengen fischfremden Wassers“
Insbesondere in Form von tiefgekühlten, grätenfreien Filets hat der Fisch von Vietnam aus Europa erobert, wie die „Welt“ schreibt. Demnach wird die jährliche Gesamtproduktion auf mehr als eine Million Tonnen geschätzt. Kunden sollten jedoch beim Pangasius-Kauf besonders gut hinschauen, da sie in vielen Fällen schlicht über den Tisch gezogen werden. Angaben des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt zufolge wurde das Fischfleisch in zehn von 19 untersuchten Packungen mit Wasser gestreckt, der Fischanteil am Produkt also künstlich gesenkt. Wie die „Welt“ schreibt, hätten die Filets zum Teil „erhebliche Mengen fischfremden Wassers“ enthalten, was sich auch durch eine „sehr weiche, schwammige Konsistenz“ der Filets bemerkbar gemacht habe. Diese Behandlung sei zwar nicht verboten, doch die Ware müsse entsprechend gekennzeichnet werden. Meist werde dies aber unterlassen. „In keinem Fall wurden die tatsächlichen Mengen an Fischfleisch deklariert“, so das Institut in seinem Jahresbericht 2013.

Keine Gesundheitsgefahr – Aber Täuschung
Die städtische Einrichtung beschreibt darin auf gut 60 Seiten, welche Produkte mit Vorsicht zu genießen sind und wo Gesundheits- und Umweltgefahren lauern. Über 1,2 Millionen Laboranalysen und Begutachtungen, Beratungen und Impfungen hat das Hygiene-Institut 2013 durchgeführt. Mit acht Prozent der untersuchten Lebensmittel wurde insgesamt jedes zwölfte beanstandet. Auch wenn dies weniger als in den Jahren zuvor ist, habe sich die Lage gegenüber den Vorjahren nicht wirklich verändert, was einer Institutssprecherin zufolge daran liegt, dass die Statistiken neuerdings einfach anders erhoben werden. Lebensmittel würden nur selten als ernsthaft gesundheitsgefährdend eingestuft. Allerdings stellt man laut den Hygieneexperten bei knapp der Hälfte der beanstandeten Lebensmittel eine Verbrauchertäuschung fest – wie etwa beim Pangasius.

Pferde- als Rindfleisch deklariert
„Der Jahresbericht verdeutlicht, dass sich die Hamburgerinnen und Hamburger zwar – beispielsweise im Bereich der Lebensmittelsicherheit – keine Sorgen machen müssen, aber amtliche Kontrollen die persönliche Aufmerksamkeit und Sensibilität nicht ersetzen können“, so Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, laut „Welt“. Die Deklarierung von Pferde- als Rindfleisch im Jahr 2013 war ein besonders krasses Beispiel. In der Hansestadt wurden im Rahmen dieses europaweiten Skandals 29 Proben untersucht, bei denen es sich nach Angaben des Hygiene-Instituts überwiegend um Fertiggerichte und Fleischerzeugnisse in Fertigpackungen, die laut Verpackung ausschließlich Rindfleisch enthalten sollten, handelte. Dabei wurde in vier Produkten (jeweils einmal Cannelloni, Lasagne, Burger und Corned Beef) Pferdefleisch nachgewiesen. Auch dies sei gesundheitlich nicht grundsätzlich bedenklich, viele Verbraucher finden es aber eklig. Bei Pferdefleisch sei dem Institut zufolge zudem die Herkunft äußerst wichtig, da Tiere für die Lebensmittelproduktion strengeren Auflagen unterlägen, als etwa Nutz- oder Rennpferde, deren Fleisch Menschen nicht verzehren sollten. Wie es heißt, sei das im Pferderennsport häufig eingesetzte Tierarzneimittel Phenylbutazon jedoch in keiner Probe nachgewiesen worden.

Zusätze in Wasserpfeifen-Tabak und Arzneimittelrückstände
Der Bericht beschäftigt sich auch mit Wasserpfeifen, den sogenannten Shishas. An solchen hat der Hamburger Studie zufolge fast die Hälfte der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren schon einmal gezogen. Der dafür verwendete Tabak enthält Feuchthaltemittel wie Glycerin, das die Rauchbildung bewirkt und das Verbrennen des Tabaks verzögert. Laut dem Bericht sei bei 77 von 98 Proben der eigentlich auf fünf Prozent beschränkte Feuchtmittelgehalt überschritten worden, zum Teil lag er bei mehr als 50 Prozent. Dies könne unter anderem den Kehlkopf schädigen und Reizungen der Nasenschleimhaut bewirken. Besorgniserregend sind zudem Funde von Arzneimittelresten in öffentlichen Gewässern. So wurden Diclofenac, Antiepileptika, Betablocker, Ibuprofen, Lipidsenker und Antibiotika teilweise in Konzentrationen gefunden, die Umweltqualitätsnormen überschreiten. Wie es bei der „Welt“ heißt, seien Menschen eher nicht gefährdet, solange sie nicht aus Flüssen trinken. (ad)

Bild: w.r.wagner / pixelio.de