Beim Stickstoffdünger erst durch die Hölle gehen?

Sebastian
Erst durch die Hölle? Stickstoffbelastung früher eindämmen
Stickstoffdünger können bekanntlich Fluch und Segen gleichzeitig sein: Ein Segen für die Menschheit, deren wachsende Bevölkerungszahl ernährt werden muss. Ein Fluch für die Umwelt bei Missbrauch und überhöhtem Einsatz. Luft- und Wasserverschmutzung können dann auftreten, wenn Stickstoffdünger nicht effizient genug ausgenutzt werden und Überschüsse im Grundwasser, in Flüssen oder als Emissionen in der Luft verbleiben.
Wissenschaftler der amerikanischen Universität Princeton haben die zugrunde liegenden Zusammenhänge nun in einem globalen Maßstab analysiert. Ihr Ziel war es herauszufinden, wie sich die Effizienz verbessern lässt. Nur 40 Prozent des eingesetzten Stickstoffs werde wirklich von den Pflanzen ausgenutzt, 60 Prozent gelange in die Umwelt. Während in den entwickelten Regionen der Erde die vorhandene Technologie helfe, Ressourcen gezielter einzusetzen, gingen weniger entwickelte Regionen häufig zunächst durch eine umweltschädigende Phase. Während in der EU entsprechende Richtlinien und Beschränkungen dazu beigetragen haben, die schädigenden Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren, hätten in China und Indien subventionierte Düngemittel genau das Gegenteil bewirkt.

EU spricht umstrittenes Unkrautmittel frei.

Die Frage ist also: muss der Weg zwingend erst „durch die Hölle“ führen, oder gibt es einen direkten Weg zu einem effizienteren Einsatz von Stickstoffdüngern? Die Wissenschaftler halten das Ziel für erreichbar, vor allem wenn es gelänge, die effiziente Stickstoffdüngung im Rahmen der neuen Nachhaltigkeitsziele als Indikator zu etablieren. Mehr Investitionen in Forschung und Know-how-Transfer seien Maßnahmen, die Farmern dabei helfen könnten, neue Technologien zur effizienteren Nutzung von Düngemitteln anzunehmen. In Afrika südlich der Sahara mache es durchaus Sinn, Düngemittel zu subventionieren, da sie dort für die Farmer oftmals unerschwinglich seien. Ein vermehrter Einsatz könnte die Ernährungssicherung fördern, die so dringend vonnöten ist. Ziel sollte dabei aber sein, das umweltschädigende Entwicklungsstadium, durch das China und Indien gerade gehen, „einfach“ zu überspringen.

Ein gutes Beispiel für das Überspringen von Entwicklungsschritten gibt es bereits: Das Festnetz-Telefon ist seit der Existenz von Mobiltelefonen in vielen weniger entwickelten Regionen der Welt überflüssig und wird wohl nie mehr installiert werden. Vielleicht ist ein Pendant auch mit dem Einsatz moderner Düngertechnologie zu schaffen. (Friederike Heidenhof, aid)

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