Beim Tennisarm helfen Spritzen nicht

Astrid Goldmayer

Tennisarm: Kortison, Hyaluronsäure und Botulinumtoxin auf dem Prüfstand

04.10.2012

Eine gängige Behandlungsmethode bei Epicondylitis radialis humeri, dem sogenannten „Tennisarm“, ist das Spritzen von Kortison, Hyaluronsäure, Botulinumtoxin und anderen Wirkstoffen. Forscher der Uniklinik Kopenhagen haben 17 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit knapp 1.400 Patienten ausgewertet, um die Wirksamkeit der Spitzen zu untersuchen. Ihr Fazit: Die Behandlung entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.

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Tennisarm wird durch Überbeanspruchung ausgelöst
Unter einem Tennisarm wird ein schmerzhafter Reizzustand der Sehnenansätze der Muskeln des Unterarms, die an den beiden Knochenvorsprüngen oberhalb des Gelenks am Oberarmknochen ansetzen, verstanden. Ursache ist eine Überbeanspruchung der Unterarmmuskulatur, die entweder durch starke Überbeanspruchung oder durch ständige Wiederholungen der Überlastung ausgelöst wird. Häufig ist eine einseitige Beanspruchung wie beispielsweise bei der Nutzung der Computermaus, falsche Körperhaltung, ungünstige Haltung im Schlaf, beispielsweise wenn der Arm stark gebeugt als Kopfstütze eingesetzt wird, oder bei Schlägersportarten wie Golf oder Tennis Ursache der Erkrankung. Ebenso kann eine andere Grunderkrankung wie Fibromyalgie Auslöser des Reizzustandes der Muskulatur sein.

Therapie mit Spritzen bei Tennisarm nicht empfehlenswert
Laut Dr. Thøger Persson Krogh von der Uniklinik Kopenhagen und seinem Team gehört Epicondylitis radialis humeri, umgangssprachlich als Tennisarm bezeichnet, zu jenen Erkrankungen, deren gängige Behandlungsmethoden bislang ihren wissenschaftlichen Wirksamkeitsbeweis schuldig blieben. Die Wissenschaftler bestätigten mit ihrer Auswertung eine bereits im Jahr 2002 im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Studie, die zu einem ähnlichen Ergebnis kam. Damals wurden Patientendaten aus Allgemeinarztpraxen analysiert. In 80 Prozent der Fälle ließen die Beschwerden nach einem Jahr von selbst nach.

Für die jetzt im Fachblatt „The American Journal of Sports Medicine“ veröffentlichte Untersuchung, werteten die dänischen Forscher 17 randomisierte kontrollierte Studien mit knapp 1.400 Patienten aus und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Injektionsbehandlung mit den untersuchten Wirkstoffen ist bei „Tennisarm“ nicht empfehlenswert.

Kortison nicht wirksam bei Tennisarm?
In der Metaanalyse wurden acht unterschiedliche gängige Behandlungsmethoden für „Tennisarm“ unter die Lupe genommen. Die Forscher untersuchten die Wirkung von Botulinumtoxin, auch bekannt unter dem Handelsnamen Botox, Sklerosierungstherapie, Glukokortikoiden, autologem Blut, plättchenreichem Plasma (PRP) sowie Hyaluronsäure, Polidocanol und Glykosaminoglykanpolysulfat. Das Ergebnis der dänischen Forscher: Nach einem Nachbeobachtungszeitraum der Patienten von durchschnittlich 32 Wochen waren Kortikoidspritzen nicht wirksamer als Placebo gegen die Schmerzen. Ähnlich verhielt es sich mit Polidocanol sowie dem Knorpelschutz mit Glykosaminoglykanpolysulfat. Botulinumtoxin schnitt etwas besser als das Placebo ab, führte jedoch zu kurzfristigen Lähmungen in den Fingern, so dass die dänischen Forscher das Mittel als nicht praxistauglich bewerteten.

Eigenbluttherapie hilft bei Tennisarm
Eine deutlich höhere Wirksamkeit gegenüber dem Placebo zeigte die Eigenbluttherapie. Auch die Sklerosierungs- oder Proliferationstherapie, bei der eine zuckerhaltige Lösung unter die Haut injiziert wird, sowie Spritzen mit Hyaluronsäure halfen besser als das Placebo. Krogh und Kollegen monierten jedoch, dass die in die Untersuchung einbezogenen Studien nur zum Teil aussagekräftig waren, da einige aufgrund geringer Probandenzahlen nicht die Cochrane-Standards für ein geringes Verzerrungsrisiko erfüllten. Zudem konnten nur zwei Autorenteams nachweisen, dass sie firmenunabhängig sind.

Positives Ergebnis der Metaanalyse war, dass keiner der Patienten aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen oder ähnlichem eine Behandlung abbrechen musste. Zu den unangenehmsten Therapieeffekten gehörten Schmerzen an der Einstichstelle sowie in seltenen Fällen Hautatrophien oder Pigmentstörungen nach der Injektion von Kortison. (ag)

Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de