Belastung an Straßen: Erhöht Luftverschmutzung das Alzheimer-Risiko?

Alfred Domke

Erhöhtes Risiko: Fördert Luftverschmutzung Alzheimer?

Es ist seit langem bekannt, dass Luftverschmutzung eine gesundheitliche Gefahr darstellt und bei hoher Belastung unter anderem Krebs verursachen kann. In den vergangen Jahren wiesen Studien zudem darauf hin, dass es möglicherweise durch schmutzige Luft zu Hirnschäden kommen könne. Forscher wollen nun untersuchen, ob eine schlechte Luftqualität auch die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit beeinflussen kann.

Gesundheitliche Folgen der Luftverschmutzung

Wie eine internationales Forscherteam vor Jahren im Fachmagazin „Nature“ berichtete, sterben allein in Deutschland jedes Jahr rund 35.000 Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von jährlich weltweit etwa sieben Millionen Toten aus. Dass Feinstaubbelastung die Lunge schädigen und das Risiko unter anderem für Krebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt erhöhen kann, ist lange bekannt. In den vergangenen Jahren gab es in Studien zudem Hinweise darauf, dass Luftverschmutzung das Demenz-Risiko deutlich steigern kann. Wissenschaftler aus Deutschland und den Niederlanden wollen nun in einem Forschungsprojekt herausfinden, ob schlechte Luftqualität auch die Entwicklung von Alzheimer beeinflussen kann.

In einem neuen Forschungsprojekt wollen Wissenschaftler herausfinden, ob eine schlechte Luftqualität in der Nähe von vielbefahrenen Straßen die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit beeinflussen kann. (Bild: Gina Sanders/fotolia.com)

Genaue Ursachen von Alzheimer weiterhin unklar

In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an Demenz, der Großteil von ihnen hat Alzheimer. Die Erkrankung ist nicht heilbar.

Obwohl schon über 100 Jahre geforscht wird, ist noch immer unklar, was die genauen Auslöser der Krankheit sind.

Mittlerweile wurden von Wissenschaftlern jedoch eine Reihe von Faktoren identifiziert, die bei der Entstehung und Entwicklung von Demenz eine Rolle spielen.

So berichteten britische Forscher, dass ein Drittel der Demenz-Fälle verhindert werden könnte, wenn von Kindheit an bestimmte Risikofaktoren eliminiert werden. Die neun von den Wissenschaftlern identifizierten Risikofaktoren für Demenz sind:

Hörverlust im mittleren Lebensalter, mangelnde Bildung im Jugendalter, Rauchen, Depressionen, Bewegungsmangel, soziale Isolation, Bluthochdruck, Adipositas und Typ 2-Diabetes.

Luftverschmutzung als eine mögliche Alzheimer-Ursache wurde von den britischen Experten allerdings nicht genannt.

Einfluss von schlechter Luftqualität auf Alzheimer-Entwicklung
Doch aktuelle Beobachtungsstudien zeigen jetzt, dass Menschen, die in der Nähe von vielbefahrenen Straßen leben, ein erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen haben.

Dr. Roel Schins vom IUF – Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf will nun gemeinsam mit seinem niederländischen Projektpartner Prof. Dr. Flemming Cassee (RIVM Bilthoven/NL) herausfinden, ob eine schlechte Luftqualität in der Nähe von vielbefahrenen Straßen die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit beeinflussen kann.

„Sollte eine schlechte Luftqualität tatsächlich den Krankheitsprozess auslösen oder beschleunigen, könnte der Gesetzgeber eingreifen“, so Dr. Roel Schins in einer Mitteilung.

„Deshalb wollen wir herausfinden, welche Bestandteile der verkehrsbedingten Luftverschmutzung zu möglichen kognitiven Beeinträchtigungen führen können.“

Sind Feinstaubpartikel oder eher gasförmige Bestandteile gefährlich?

Den Angaben zufolge möchte Dr. Roel Schins mit einem Mausmodell erforschen, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und einem erhöhten Alzheimer-Risiko gibt.

Dazu werden die Auswirkungen unterschiedlicher Bestandteile der Außenluft an einer vielbefahrenen Straße auf das Nagerhirn im Vergleich zu sauberer Luft untersucht.

So könnte festgestellt werden, ob die Feinstaubpartikel oder eher gasförmige Bestandteile besonders schädlich sind. (ad)