Belohnungssysteme: Sex-Entzug kann eine Drogensucht auslösen

Alfred Domke
Sexualität: Enthaltsamkeit begünstigt Anfälligkeit für Drogensucht
Sex und Drogen wirken auf das Belohnungssystem im Gehirn. Dass der Entzug von Rauschgift unangenehme Folgen hat, ist lange bekannt. US-amerikanische Forscher haben nun festgestellt, dass der Entzug von Geschlechtsverkehr ebenfalls dramatische Auswirkungen haben kann. Er begünstigt offenbar Drogensucht.

Mächtigste Droge der Welt
Manche Menschen bezeichnen Sex als die mächtigste Droge der Welt. Das Vergnügen des Geschlechtsverkehrs führt bei einigen zu einer regelrechten Sucht. Und die kann sich sehr negativ auswirken. So haben Wissenschaftler der University of Cambridge (Großbritannien) im vergangenen Jahr im Fachjournal „PLOS ONE“ berichtet, dass Sexsucht Menschen so stark belastet wie Drogensucht.

Die Forscher konnten eindeutig zeigen, dass drei Hirnregionen bei Sexsüchtigen aktiver waren als bei den gesunden Versuchsteilnehmern. Auch bei Drogensüchtigen, die Bilder ihrer Droge sehen, werden diese drei Regionen stark aktiviert.

Forscher haben in einer Studie festgestellt, dass der Entzug von Geschlechtsverkehr dramatische Auswirkungen haben kann. Er begünstigt offenbar Drogensucht. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)
Forscher haben in einer Studie festgestellt, dass der Entzug von Geschlechtsverkehr dramatische Auswirkungen haben kann. Er begünstigt offenbar Drogensucht. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Geschlechtsverkehr und Amphetamine wirken ähnlich
Der Drang zum Geschlechtsverkehr kann aber auch empfänglicher für andere – chemische – Rauschmittel machen. Dies geht aus einer Studie US-amerikanischer Wissenschaftler hervor, die kürzlich im „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht wurde.

Demnach tendieren Ratten, die sich jeden Tag paaren, dazu, in Zeiten der Abstinenz mehr nach Amphetaminen zu verlangen als jungfräuliche Ratten, berichtet die „Deutsche Welle“. Das Wissenschaftlerteam um Lauren Beloate von der Universität Mississippi im Jackson, USA, hat in der Untersuchung auch herausgefunden, was dieses Phänomen verursacht. Den Angaben zufolge wirken Geschlechtsverkehr und Amphetamine auf dieselben Areale im Gehirn.

Sex als natürliche Belohnung
Beischlaf ist für die Wissenschaftler nichts anderes als eine natürliche Belohnung: Er sorgt dafür, dass wir uns gut fühlen und dass wir die Aktivität demzufolge oft wiederholen wollen. Drogen wirken ebenfalls auf das Belohnungssystem im Gehirn und machen schnell abhängig.

Laut einem Bericht von „Science World Report“ schreibt das Forscherteam: „Sexuelle Erfahrung, gefolgt von einem Zeitraum der Abstinenz, erhöht den Belohnungswert von Amphetaminen in männlichen Ratten.“ Der tägliche Sex veränderte also das Gehirn der Tiere und machte sie anfälliger für Rauschmittel. In den Versuchen reichten schon fünf Tage Sex und sieben Tage Pause aus, um die Veränderungen im Gehirn auszulösen.

Geschlechtsverkehr als Ersatzdroge
Laut der „Deutschen Welle“ konnte in früheren Studien mit Tieren festgestellt werden, dass regelmäßige Gaben Methamphetamin zu „zwanghaftem Aufsuchen des Sexualverhaltens“ während des Rauschgiftentzugs führt. Geschlechtsverkehr wirkte für die Tiere also als Ersatzdroge. Dieser Effekt konnte jedoch nur beobachtet werden, wenn der Geschlechtsakt zuvor immer gleichzeitig mit der Drogengabe stattfand. Durch sehr hohe Dosen Crystal Meth wurden die Ratten allerdings extrem sexfaul. (ad)