Bereits Jugendliche haben eine Fettleber

Fabian Peters

Übergewicht begünstigt Fettleber schon bei Jugendlichen

15.11.2012

Ungesunde Ernährung und Übergewicht sind weit verbreitete Risikofaktoren für die Entwicklung einer Fettleber, so die Gastro-Liga in Gießen anlässlich des 13. Deutschen Lebertags am 20. November. Dabei seien keineswegs nur Erwachsene gefährdet. Auch dicke Jugendliche unterliegen im späteren Lebensverlauf einem erhöhten Risiko für Erkrankungen, die auf einer Fettleber beruhen, berichtet Professor Dr. Peter Galle, Mitglied des Vorstands der Gastro-Liga.

Die Kombination aus Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung begünstigt bei vielen übergewichtigen Menschen die Entwicklung einer Fettleber beziehungsweise die Einlagerung von über 50 Prozent Fett in das Organ Leber. Den Angaben der Experten zufolge leiden rund die Hälfte der Übergewichtigen in Deutschland an einer Fettleber, wobei auch Heranwachsenden vermehrt betroffen seien. Um das Risiko für Kinder und Jugendliche zu reduzieren, sollten Eltern laut Professor Dr. Peter Galle daher frühzeitig gegensteuern und auf eine gesunde Ernährung sowie ausreichend Bewegung der Kinder achten. Die Motivierung zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten und zum Zurücklegen von mehr Wegen mit dem Fahrrad, seien hier als positive Ansätze zu nennen. Auch ist auf eine möglichst ausgewogene Ernährung zu achten.

Fettleber durch Bewegungsmangel und extrem kalorienreiche Ernährung
Zwar ist die Fettleber in der Regel reversibel, doch droht den Betroffenen die Entwicklung weiterer Lebererkrankungen, wie beispielsweise einer Fettleberhepatitis, einer Leberzirrhose oder gar Leberkrebs. Auch unterliegen die Fettleber-Patienten einem erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko, berichtet die Gastro-Liga. Bereits in der Schule sollte gesunde Ernährung und viel Bewegung daher ein Thema sein, erläuterte Professor Dr. Peter Galle. Heutzutage sei es jedoch leichter, sich ungesund zu ernähren als auf gesunde Lebensmittel zu achten, bemängelte der Mediziner. Industriell verarbeitete und unmittelbar zum Verzehr geeignete extrem kalorienhaltigen Lebensmittel, seien meist billiger und schneller auf dem Tisch als gesunde ausgewogenen Kost aus Salat, Gemüse oder Obst.

Diabetes erhöht das Risiko einer Fettleber
Übergewicht erhöht sowohl direkt als auch indirekt die Gefahr einer Fettleber. So wird bei Übergewicht nicht nur unmittelbar die Einlagerung von Fett in dem Organ begünstigt, sondern es steigt auch das Diabetes-Risiko. Diabetes gilt ebenfalls als maßgeblicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Fettleber. Nach Einschätzung der Experten leiden rund 50 Prozent der Diabetiker an einer Fettleber. Die wachsende Verbreitung der Gewichtsprobleme bei Heranwachsenden wird auch vor diesem Hintergrund von den Medizinern äußerst kritisch beurteilt.

Arterienverkalkung bei Kindern und Jugendlichen durch Übergewicht?
Die Gesundheitsrisiken durch Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen bekräftigen auch mehrere Studien, die auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie in Düsseldorf präsentiert wurden, so die gestrige Mitteilung der Deutschen Röntgengesellschaft in Berlin. Kinderradiologen konnten „Anhand von Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagader zeigen, dass bei Fettleibigkeit schon im Kindesalter an den Blutgefäßen krankhafte Veränderungen – Arteriosklerose oder umgangssprachlich Arterienverkalkung – entstehen“, berichtet die Deutsche Röntgengesellschaft. Den Angaben der Gesellschaft zufolge ist jedes siebte Kind in Deutschland übergewichtig, etwa jedes fünfzehnte gilt als fettleibig (adipös).

Risikofaktoren bei Umstellung des Lebensstils reversibel
Die Experten der Deutschen Röntgengesellschaft erläuterten, das „Arterienverkalkung der häufigste Verursacher von Herzinfarkten und Schlaganfällen im Erwachsenenalter“ ist. Die schädlichen Verkalkungen der Arterien entstehen vor allem, „wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen, beispielsweise Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder eine Zuckerkrankheit“, so die Mitteilung der Röntgengesellschaft. Bei stark übergewichtigen Kindern seien derartige Risikofaktoren häufig bereits in frühen Jahren zu beobachten. Einzig erfreuliche Nachricht ist den Medizinern zufolge, dass die Risikofaktoren oftmals reversibel sind, Abnehmerfolge sich demnach auch im Zustand der Gefäßwände widerspiegeln. (fp)