Schon minimale Feinstaub-Mengen gefährlich

Fabian Peters

Auch Feinstaub-Konzentrationen unterhalb des EU-Grenzwertes verkürzen das Leben

09.12.2013

Feinstaub ist bekannt als Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen und wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach als Ursache für eine Verkürzung der durchschnittlichen Lebenserwartung wissenschaftlich bestätigt. In der Europäischen Union (EU) gelten daher Grenzwerte für die Feinstaubbelastung der Luft, bei deren Überschreiten die öffentliche Hand zu Gegenmaßnahmen angehalten ist. Doch auch unterhalb dieser EU-Grenzwerte hat Feinstaub bereits eine lebensverkürzende Wirkung, so das Ergebnis der Studie eines internationalen Forscherteams um Dr. Rob Beelen vom Institute for Risk Assessment Sciences an der Universität Utrecht (Niederlande).

Die Wissenschaftler haben 22 bestehende europäische Studien mit insgesamt 367.251 Teilnehmern ausgewertet und die Auswirkungen einer Langzeitexposition gegenüber der Luftverschmutzung durch Feinstaub analysiert. Dabei stellten sie fest, dass insbesondere Personen, die einer erhöhten Konzentration von Feinstaubpartikeln der Größe bis zu 2,5 Mikrometern ausgesetzt waren, eine geringere Lebenserwartung hatten. Dies galt auch für Probanden, die lediglich Belastungen unterhalb der EU-Grenzwerte ausgesetzt waren, schreiben Dr. Beelen und Kollegen. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Kleine Feinstaubpartikel besonders gefährlich
Untersucht wurden im Rahmen der Studie die Auswirkungen von Feinstaubbelastung mit Partikeln der Größe bis maximal zehn Mikrometern Durchmesser. Diese wurden weiter unterteilt in Partikel mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser und die größeren Partikel. Denn die kleinen Feinstaubpartikel bringen ein besonderes hohes Gesundheitsrisiko mit sich, weil sie tief in die Lungen eindringen und auch in den Blutkreislauf übergehen können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) trägt dieser Besonderheit mit relativ strengen Grenzwerte Rechnung (zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft), während in der EU jedoch deutlich höhere Grenzwerte von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter gelten. Selbst diese 25 Mikrogramm werden jedoch in den Ballungsräumen durchaus häufiger überschritten.

Lebenserwartung verkürzt sich bei erhöhter Feinstaubbelastung
Von den knapp 368.000 berücksichtigten Teilnehmern starben 29.076 im Nachbeobachtungszeitraum von 14 Jahren an einer natürlichen Todesursache, berichten die Forscher. Unter Ausschluss der übrigen bekannten, lebensverkürzenden Risikofaktoren, wie beispielsweise dem Alkohol- und Tabakkonsum, der sozialen Stellung, vorliegendem Übergewicht, Bluthochdruck und vielem mehr, ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Feinstaubbelastung (Partikelgröße 2,5 Mikrometer) und der Wahrscheinlichkeit im Untersuchungszeitraum zu versterben, so Dr. Beelen und Kollegen weiter. Je fünf Mikrogramm Erhöhung der Feinstaubkonzentration pro Kubikmeter Luft sei die Wahrscheinlichkeit des Versterbens im Untersuchungszeitraum um sieben Prozent gestiegen. Dies galt auch bei Werten, die unterhalb einer Konzentration von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lagen, schreiben die Wissenschaftler.

WHO bewertet Luftverschmutzung als krebserregend
Letztendlich bestätigt die aktuelle Untersuchung die kritische Haltung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Feinstaubbelastungen, welche sich auch in der seit Oktober geltenden Einstufung der Luftverschmutzung als Gruppe-1-Karzinogen widerspiegelt. Die WHO war auf Basis einer Ausarbeitung der International Agency for Research on Cancer (IARC) zu dem Ergebnis gekommen, dass die krebserregende Wirkung der Luftverschmutzung für eine entsprechende Einstufung ausreichend belegt sei. Die IARC-Analyse hatte gezeigt, dass Feinstaub und Luftschadstoffe ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko verursachen. Laut Angaben der WHO erkranken jährlich 223.000 Menschen weltweit aufgrund der Luftverschmutzung an Lungenkrebs. Besonders hohen Belastungen seien die Menschen in China und Ostasien ausgesetzt. Doch die Europäische Umweltagentur konnte belegen, dass auch in der EU neun von zehn Stadtbewohnern Luftschadstoffen in Konzentrationen ausgesetzt werden, welche laut WHO als gesundheitsschädlich einzustufen sind. Die krebserregende Wirkung der Luftverschmutzung führen die Forscher der WHO auf die verschiedenen enthaltenen Karzinogene, wie beispielsweise PAK (polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe), Diesel- und andere Fahrzeugabgase, Ruß, Titandioxid, Talk oder Nitroarene, zurück. (fp)

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