Berlin: Darmkeime nicht Todesursache des Frühchens

Fabian Peters

Krankenhauskeime nicht Ursache für den Tod des Babys an der Berliner Charité. Nach dem Todesfall eines herzkranken Frühchens, das von der Charité zur Operation in das Deutsche Herzzentrum in Berlin überwiesen worden war, kam zunächst der Verdacht auf, dass eine Infektion mit sogenannten Serratia-Keime den Tod des Babys herbeigeführt haben könnte. Dieser Verdacht hat sich laut Angaben der Staatsanwaltschaft im Zuge der gerichtsmedizinischen Untersuchungen jedoch nicht bestätigt.

31.10.2012

Das herzkranke Baby war zwar mit dem Serratia-Keim infiziert, doch nach Angaben der Staatsanwaltschaft Berlin ist aufgrund der Obduktionsergebnisse davon auszugehen, dass der Darmkeim nicht den Tod des Kindes verursacht hat. Todesursache war vielmehr die "vorausgegangene hochkomplizierte und riskante Operation", berichtete die Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Allerdings stünden "weitere Untersuchungen zum Tod des Kindes noch aus und auch die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung seien noch nicht abgeschlossen".

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Frühchen verstarb nach OP eines natürlichen Todes
Anfang Oktober war das herzkranke Baby nach einer Operation im Deutschen Herzzentrum in Berlin verstorben. Das Frühchen hatte sich zuvor nachweislich mit Serratia-Bakterien infiziert. Zwischenzeitig herrschte zunächst erhebliche Aufregung, weil die Leiche des Kindes nicht aufzufinden und somit eine gerichtsmedizinische Untersuchung unmöglich war. Das Kind wurde bereits am 12. Oktober bestattet und musste am 29. Oktober für die Obduktion wieder exhumiert werden. Die gerichtsmedizinische Untersuchung hat nun Klarheit zur Todesursache des schwer herzkranken Säuglings gebracht. Demnach war die Infektion mit den Darmkeimen nicht Grund für den Tod des Kindes, sondern das Baby „ist nach einer hochkomplizierten und riskanten Operation eines natürlichen Todes gestorben“, so die Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Darmkeime nicht Ursache für den Tod des Säuglings
Der Vorstandsvorsitzende der Charité Universitätsmedizin Berlin, Karl Max Einhäupl, hatte bereits am vergangenen Freitag einen Zusammenhang zwischen dem Tod des Säuglings und der Infektion mit Serratia-Bakterien ausgeschlossen. Der Säugling habe an einem schweren Herzfehler gelitten und seine geringen Überlebenschancen sollten durch die Operation verbessert werden. Zwar verlief die Operation an sich erfolgreich, doch im Anschluss verschlechterte sich der Zustand des Kindes dramatisch. Die lebenserhaltende Herz-Lungen-Maschine wurde daher im Einvernehmen mit den Eltern abgestellt. Ein Zusammenhang des Todesfalls mit der anschließend festgestellten Serratia-Infektion konnte nun sicher ausgeschlossen werden.

Mehr als 20 Babys mit Keimen infiziert
Allerdings sind die Infektionen mehrerer Patienten mit den durchaus gefährlichen Krankenhauskeimen nicht von der Hand zu weisen. Mehr als zwanzig Babys sind betroffen, zeigen jedoch laut Angaben der Kliniken derzeit einen stabilen Gesundheitszustand. Für Frühchen mit einem Gewicht von 1.500 Gramm oder weniger können Serratia-Infektionen ein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen. Daher ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin aufgrund der Infektionen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Derweil geht die Suche nach möglichen Infektionsquellen an der Berliner Charité und dem Deutschen Herzzentrum weiter. Ob und wie sich die Kinder auf den Frühchen-Intensivstationen des Klinikums infiziert haben könnten, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Politik drängt auf Aufklärung
Auch von Seiten der Politik wächst der Druck auf die Verantwortlichen der Berliner Charité zu einer umfassenden Aufklärung der Infektionen. Die Wissenschaftssenatorin Berlins, Sandra Scheeres (SPD), bat um eine Sondersitzung des Aufsichtsrates, bei der die Charité-Führung Rede und Antwort stehen soll. Vorgesehen ist ein Termin voraussichtlich Mitte November. Ob bis dahin schon neue Details zu möglichen Infektionswegen innerhalb des Klinikums verkündet werden können, bleibt jedoch ungewiss.

Krankenhauskeime auf Frühchen-Stationen ein erhebliches Risiko
Tatsächlich waren Infektionen mit sogenannten Krankenhauskeimen in den vergangenen Jahren auf Frühchen-Stationen häufiger ein Problem. So wurden beispielsweise im Klinikum Bremen-Mitte wiederholt Infektionen von Frühchen mit multiresistenten Erregern der Gattung Klebsiella festgestellt, die bei mehreren Kindern den Tod zur Folge hatten. Über Monate konnte das Klinikum trotzt umfassender Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sowie mehrfacher Station-Schließungen die Infektionsquelle nicht identifizieren und beseitigen. Die Ausbreitung derartiger Erreger in den Kliniken und insbesondere auf den Frühchen-Stationen ist demnach immer ein äußerst ernstzunehmendes Problem. (fp)