Bessere Krebs-Früherkennung: Lungenkrebs durch Atemluft diagnostizierbar?

Alfred Domke
Diagnose mit Atemluft: Neuer Test zur Früherkennung von Lungenkrebs
Lungenkrebs wird laut Gesundheitsexperten noch immer unterschätzt. Da davon ausgegangen wird, dass etwa 85 Prozent der Erkrankungen im Zusammenhang mit Tabakkonsum stehen, wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, das Rauchen aufzugeben. Von großer Bedeutung ist auch die Früherkennung der Krankheit. Hier könnte künftig ein neuer Atemtest helfen.

Lungenkrebs wird oft erst spät entdeckt
Lungenkrebs ist die häufigste Krebs-Todesursache in Europa. Diese Erkrankung ist auch deshalb so gefährlich, weil sie meist erst spät erkannt wird, denn Lungenkrebs-Symptome werden oft nicht bemerkt. Experten gehen davon aus, dass etwa 85 Prozent der Erkrankungen im Zusammenhang mit Tabakkonsum stehen. Die meisten Lungenkrebspatienten sterben fünf Jahre, nachdem die Erkrankung bei ihnen diagnostiziert wurde. Ein neuer Test zur Früherkennung könnte das Diagnoseverfahren vereinfachen.

Ein einfacher Atemtest könnte in Zukunft dazu beitragen, Lungenkrebs schon im Frühstadium zu erkennen. Die neue Methode habe laut den Entwicklern eine derart hohe Trefferquote, dass sie im Klinikalltag zur Früherkennung angewendet werden könnte. (Bild: Firma V/fotolia.com)

Erkrankung im frühen Stadium erkennen
„Tief einatmen – und wieder ausatmen“ – so könnte ein Test auf Lungenkrebs in Zukunft aussehen. Forscher des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben ein Verfahren entwickelt, das die Erkrankung bereits im frühen Stadium erkennen kann.

Wie es in einer Mitteilung des Instituts heißt, untersuchten sie dazu Atemproben auf Spuren von RNA-Molekülen, die durch Krebswachstum verändert sind.

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In einer Untersuchung an gesunden Probanden und Krebspatienten konnte der Atemtest den Gesundheitsstatus von 98 Prozent der Teilnehmer korrekt bestimmen. Er soll nun so weiterentwickelt werden, dass er für die Lungenkrebsdiagnose eingesetzt werden kann.

Präziser als Untersuchungen im Computertomografen
In den USA werden Hochrisikogruppen, wie etwa starke Raucher, routinemäßig im Computertomografen untersucht. Dabei können jedoch Patienten fälschlich als krank eingestuft werden.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung haben nun gemeinsam mit Kooperationspartnern einen Atemtest entwickelt, der deutlich präziser ist.

Bei ihrer Untersuchung lag der Test mit der Diagnose Lungenkrebs in neun von zehn Fällen richtig. Damit habe die Methode eine derart hohe Trefferquote, dass sie im Klinikalltag zur Früherkennung angewendet werden könnte.

Unterschiede zwischen entarteten und gesunden Zellen
Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, haben die Forscher RNA-Moleküle analysiert, die vom Lungengewebe in die Atemluft abgegeben werden und die sich zwischen gesunden Probanden und Lungenkrebspatienten unterscheiden.

Im Gegensatz zur DNA ist die RNA nämlich nicht in jeder Zelle gleich. Aus einem DNA-Abschnitt können mehrere RNA-Varianten, und damit auch unterschiedliche Proteine entstehen. In gesunden Zellen liegen solche Varianten in einem bestimmten Verhältnis vor.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass das GATA6- und das NKX2-Gen RNA-Varianten bilden, die sich hinsichtlich ihrer Menge zwischen entarteten und gesunden Zellen unterscheiden. Die Krebszellen gleichen dabei Lungenzellen im Embryonalstadium.

In der Fachzeitschrift „EMBO Molecular Medicine“ berichteten sie über ihre Ergebnisse.

Atemluft-Analyse könnte die Erkennung von Lungenkrebs vereinfachen
Die Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sie die RNA-Moleküle isolieren können. Diese kommen im Atem nicht nur in geringen Mengen, sondern häufig auch in kleine Teile zerstückelt vor.

Anschließend untersuchten sie die Zusammensetzung der RNA bei Probanden mit und ohne Lungenkrebs und berechneten aus diesen Daten ein Modell zur Diagnose der Erkrankung.

In einem Test an 138 Probanden mit bekanntem Gesundheitszustand konnte der Test 98 Prozent der Patienten mit Lungenkrebs identifizieren. Bei 90 Prozent der entdeckten Auffälligkeiten handelte es sich tatsächlich um Krebs.

„Die Atemluft-Analyse könnte die Erkennung von Lungenkrebs in frühen Stadien einfacher und zuverlässiger machen, sie wird die herkömmlichen Verfahren aber nicht völlig ersetzen können“, sagte Guillermo Barreto, Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim.

„Er kann jedoch ergänzend eingesetzt werden, um frühe Krebsstadien besser zu erkennen und die falsch-positive Diagnosen zu reduzieren.“ Der Atemlufttest soll nun weiterentwickelt werden. (ad)