Gute Therapien für junge Erwachsene mit Krebs

Heilpraxisnet

Neue Stiftung für besseres Betreuungsangebot von jungen Erwachsenen mit Krebs

19.11.2014

Wenn junge Menschen an Krebs erkranken, leiden sie besonders lange an den Folgen der Behandlung. Denn Krebspatienten zwischen 15 und 39 Jahren befinden sich häufig noch in der Ausbildung, wollen möglicherweise bald Kinder bekommen und haben sich meist wenig mit dem Tod auseinandergesetzt. Die Erkrankung reißt sie aus ihrem Leben und stellt ihre Lebensplanung häufig völlig auf den Kopf. Die deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs will gezielt junge Patienten mit speziellen Angeboten, "die auf diese Altersgruppe zugeschnitten sind, unterstützen". Denn oftmals gibt es "trotz Erkrankung einen Weg, den Kinderwunsch zu erfüllen und beruflich Fuß zu fassen."

Kinderwunsch von jungen Erwachsenen ist trotz Krebs häufig erfüllbar
Etwa drei Prozent aller neu diagnostizierten Krebserkrankungen betreffen junge Erwachsene zwischen 15 und 39 Jahre. Diese Seltenheit führt dazu, dass die Betroffenen häufig nicht ausreichend in ihren besonderen Belangen beraten werden, denn sie befinden sich einer ganz anderen Lebenssituation als ältere Patienten. „Bei jungen Erwachsenen kommt die Diagnose ‚Krebs‘ zu einer Zeit, in der Gedanken an Krankheit, Sterben und Tod normalerweise keinen Platz haben“, erläutert Karolin Behringer von der Onkologischen Ambulanz des Universitätsklinikums Köln und Leiterin der Arbeitsgruppe „Survivorship“ in der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG).

Die Langzeittoxizität intensiver Therapien ist für Menschen, die als junge Patienten eine Krebstherapie erhalten haben, ein sehr großes Problem. „Junge Menschen mit Krebs sind ‚Langzeit-Überlebende‘, und sie sind neben an Krebs erkrankten Kindern am längsten mit den negativen Folgen der Anti-Tumor-Therapien konfrontiert“, erläutert Professor Volker Diehl, Gründer der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung. Insbesondere die Folgen für die Sexualität und den Kinderwunsch seien häufig dramatisch. Es gebe jedoch Möglichkeiten die Fruchtbarkeit zu bewahren, sofern rechtzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen würden. „Wir verfügen über eine Reihe von Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit zu erhalten, beispielsweise die Kryokonservierung, also das Einfrieren von Eizellen. Entsprechende Informationen sollten ein wesentlicher Inhalt des Arzt-Patienten-Gesprächs sein. Nur dann können fertilitätserhaltende Maßnahmen frühzeitig eingeleitet werden“, berichtet Behringer.

Stiftung will junge Erwachsene mit Krebs durch altersgruppenspezifische Angebote unterstützen
Die Stiftung möchte passgenaue Angebot für die jungen Patienten schaffen wie etwa Internetchats, in denen man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann. Auch Programme, die bei der Rückkehr ins Berufsleben unterstützen und Armut vorbeugen, könnten eine große Hilfe für die jungen Patienten sein.

„Um den Patientinnen und Patienten wirklich gerecht zu werden, brauchen wir ein Netzwerk besonderer ‚kompetenter Anlaufstellen‘ in Deutschland, in denen pädiatrische Onkologen und Erwachsenenonkologen, aber auch andere Berufsgruppen wie beispielsweise Psychologen oder Sozialarbeiter eng miteinander kooperieren“, erläutert Diehl. Diese Anlaufstellen könnten zudem von Hausärzten genutzt werden, die häufig von Patienten nach einer länger zurückliegenden erfolgreichen Krebsbehandlung wegen der Spätfolgen aufgesucht werden. „Hier bedarf es einer intensiven Schulung von Allgemeinmedizinern durch die Tumorzentren und Fachgesellschaften“, betont der Experte.

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