Bessere Überlebenschancen nach Herzstillstand

Heilpraxisnet

Exzellenzcenter für Wiederbelebung nach Herzstillstand

28.07.2014

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 75.000 Menschen nach einem Herzstillstand reanimiert. Lediglich 5.000 von ihnen überleben. Am bundesweit ersten Exzellenzcenter für Herzstillstand an der Berliner Charité wollen Ärzte die Therapiestandards weiterentwickeln und diese für kleinere Kliniken umsetzbar machen. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählt die Kühltherapie, die bei Reanimierten Hirnschädigungen verhindern kann.

Bessere Chancen nach Herzstillstand durch Absenkung der Körpertemperatur
„Ein Herzstück der Behandlung ist das zügige Absenken der Körpertemperatur der Patienten und die vorsichtige Wiedererwärmung nach einigen Tagen“, berichtet Christian Storm, Leiter des Cardiac Arrest Centers auf dem Charité-Campus Virchow, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Dabei wird die Körpertemperatur des Reanimierten auf 32 bis 34 Grad Celsius heruntergekühlt, so dass eine Verlangsamung der Stoffwechselprozesse für 24 Stunden erreicht wird. „Danach wird er sehr langsam wieder erwärmt, mit 0,5 Grad pro Stunde“, erläutert Storm. „Die Zahl der Patienten, die im Koma blieben, kann durch dieses Verfahren um die Hälfte gesenkt werden.“ Dann wird mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen über weitere Therapiemaßnahmen beraten. „Viele dieser standardisierten Verfahren sind auch in kleineren Krankenhäusern umzusetzen. Das wollen wir erreichen“, so Storm. Einer Umfrage zufolge erfolgt die Temperaturabsenkung aber in vielen kleineren Krankenhäusern noch mittels Eisbeuteln. „Das kann effektiver über eine Wasser durchspülte Klebedecke geschehen oder einen mit kalten Wasser gefüllten Plastikkatheter in der Leiste.“

Im Exzellenzcenter, das zuvor die Intensivambulanz war, werden jährlich etwa 150 Patienten pro Jahr behandelt. „In einem für reanimierte Patienten spezialisierten Zentrum werden alle Teilschritte der Wiederbelebung und der darauf folgenden Behandlung aufeinander abgestimmt, standardisiert und optimiert. Insbesondere die Kardiologen und die Neurologen sind in die Mitbehandlung dieser Patienten direkt eingebunden und ein integraler Bestandteil des Zentrums“, wird Storm in einer Mitteilung der Charité zitiert. „Aber auch die Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal ist ein wesentlicher Faktor unseres Zentrums, denn nur regelmäßiges Training von klinischen Abläufen sowie ein gezieltes Fehlermanagement können langfristig die Qualität der Reanimation und Weiterbehandlung verbessern.“ (ag)

Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de