Besserer Gesamtgesundheitszustand: 65-Jährige heute fitter als die Vorgängergeneration

Alfred Domke

Heute 65-Jährige sind deutlich fitter als die Vorgängergeneration

Die Menschen in Deutschland werden nicht nur immer älter, sie bleiben auch länger fit und gesund. Einer aktuellen Studie zufolge geht es heute 65-Jährigen körperlich und geistig besser als denen der Vorgängergeneration. Zudem zeigt sich in der Genration der Babyboomer eine größere Lebenszufriedenheit.

Senioren sind heute körperlich und geistig fitter

Die Lebenserwartung der Deutschen steigt und steigt. Zwar ist es nicht allen vergönnt, bis ins hohe Alter fit und gesund zu bleiben, doch viele Senioren sind heute körperlich und geistig fitter als Altersgenossen in den vergangenen Jahrzehnten. Dies zeigt sich auch in den Ergebnissen einer Studie der Universität Heidelberg.

Wer heute Mitte 60 ist, fühlt sich nicht nur jünger, sondern weist in der Regel auch einen besseren Gesamtgesundheitszustand auf als Gleichaltrige noch vor zwanzig Jahren. (Foto: Robert Kneschke/fotolia.com)

Besserer Gesamtgesundheitszustand

Wer heute Mitte 60 ist, fühlt sich nicht nur jünger, sondern weist in der Regel auch einen besseren Gesamtgesundheitszustand auf als Gleichaltrige noch vor zwanzig Jahren – hinzu kommt eine größere Lebenszufriedenheit.

Das ist eines der aktuellen Ergebnisse der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE), die 1993 am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg gestartet wurde, berichtet die Hochschule in einer Mitteilung.

Die aktuelle Untersuchungswelle im Rahmen der Studie wurde jetzt abgeschlossen. Beteiligt daran waren auch Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universität Leipzig.

Sehr breite Basis von Gesundheitsparametern

Zu den Besonderheiten der Langzeitstudie zählt, dass die Teilnehmer zwei verschiedenen Generationen – den Geburtsjahrgängen 1930 bis 1932 und 1950 bis 1952 – angehören. Damit lassen sich deren Wege ins Alter parallel verfolgen und Vergleiche ziehen.

Die Untersuchung baut dabei auf einer sehr breiten Basis von Gesundheitsparametern auf. Dazu gehören neben lebensgeschichtlichen, psychologischen und psychiatrischen auch medizinische und zahnmedizinische Aspekte.

Außerdem haben die Forscher Daten über sensorische Leistungen und Alltagskompetenzen der Teilnehmer erhoben.

Persönliche Einstellung gegenüber dem Älterwerden

„Wir haben festgestellt, dass leichte kognitive Beeinträchtigungen als Risikosyndrom für Alzheimer Demenz aktuell weniger häufig auftreten als bei Gleichaltrigen zwanzig Jahre zuvor“, erläuterte Prof. Dr. Hans-Werner Wahl vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg.

„Auch eine Verbesserung der neuropsychologischen Leistungsfähigkeit ist zu beobachten – ein Effekt, der auf einen insgesamt besseren Gesamtgesundheitszustand verweist“, so der Experte.

„Die Ergebnisse belegen, dass es den heute 65-Jährigen körperlich und geistig besser geht. Eine solch gute Verfassung in dieser Altersstufe gab es wohl historisch noch nie“, betonte Prof. Dr. Johannes Schröder, Leiter der Gerontopsychiatrischen Forschung am Universitätsklinikum Heidelberg.

Nach den Worten von Hans-Werner Wahl holt sich die Generation der sogenannten Babyboomer das, was sie benötigt, mit einer ganz anderen Zielgerichtetheit als die Vorgängergeneration.

Das hängt, so der Psychologe, nicht zuletzt mit persönlichen Einstellungen gegenüber dem Älterwerden zusammen, die mit einer größeren Lebenszufriedenheit einhergehen. Auch die wichtige Rolle von sozialen Beziehungen für „gutes Altern“ bestätigt die Studie.

Lebensqualität im mittleren und höheren Alter verbessern

Die Befunde der Interdisziplinären Längsschnittstudie dienen einem besseren Verständnis des Älterwerdens.

Sie besitzen aber auch, da sind sich die Wissenschaftler sicher, eine weitreichende Bedeutung für die Entwicklung präventiver Maßnahmen, die die Lebensqualität im mittleren und höheren Erwachsenenalter verbessern und gerontopsychiatrischen Erkrankungen vorbeugen können.

„Die ILSE-Daten unterstreichen, dass lebenslang aufgebaute kognitive Reserven und körperliche Aktivität vor allem dann relevant sind, wenn geistige und funktionale Verluste im höheren Lebensalter auftreten“, sagte Dr. Christine Sattler vom Psychologischen Institut.

„Ein anregender und aktiver Lebensstil früh im Leben zahlt sich also gewissermaßen spät im Leben aus“, so die Expertin. (ad)