Bestimmte Brustimplantate können das Krebsrisiko um das 14-fache erhöhen

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen die Verbindung zwischen Brustimplantaten und Krebs
In der heutigen Gesellschaft versuchen viele Frauen möglichst dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Dazu gehört beispielsweise, dass Betroffene möglichst schlank sind und trotzde weibliche Rundungen haben. Oft lassen sich Frauen dabei auch operativ unterstützen, teilweise mit ernsthaften gesundheitlichen Folgen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Frauen mit einigen Arten von Brustimplantaten bis zu 14-mal häufiger an einer seltenen Form von Krebs erkranken.

Die Wissenschaftler der australischen Macquarie University stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass bestimmte Arten von Brustimplantaten das Krebsrisiko massiv erhöhen können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „American Plastic and Reconstructive Surgery“.

Immer mehr junge Frauen lassen sich ihre Brüste vergrößern. Die dabei verwendeten Implantate können allerdings die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung erhöhen. (Bild: auremar/fotolia.com)

Forscher versuchen die Risiken durch Brustimplantate besser zu verstehen
Es gibt eine Erhöhung der Krebsfälle in Australien, welche im Zusammenhang mit den verwendeten Brustimplantaten zu stehen scheint. Die Mediziner verglichen 55 Fälle von Brustkrebs im Zeitraum von 2007 bis August 2016 mit den Verkaufsdaten von drei führenden Herstellern von Brustimplantaten. So wollten die Experten die Risiken besser verstehen, welche durch die unterschiedlichen Produkte ausgelöst werden können.

Implantat-Typen mit stärker strukturierter Oberfläche sind besonders gefährlich
Scheinbar erhöhen Implantate mit einer stärker strukturierten Oberfläche deutlich das Risiko ein sogenanntes anaplastisch-großzellige Lymphom (ALCL) zu entwickeln, erläutern die Autoren. Von den drei untersuchten strukturierten Implantaten, führten sogenannte Biocell Implantate zu dem höchsten Risiko für ALCL. Etwa eins von 3.800 solcher Brustimplantate scheint mit einer Krebserkrankung verbunden zu sein, mutmaßen die Wissenschaftler.

Implantate und ihre Auswirkungen auf das Krebsrisiko
Das erhöhte Risiko betrug bei den stark strukturierten Implantaten etwa das 14-fache des Risikos von sogenannten Silitex texturierten Implantaten. Die Wahrscheinlichkeit durch solche Implantate Krebs zu entwickeln, lag bei einem Verhältnis von eins zu 60.000, erläutern die Autoren. Silimed-Polyurethan-Implantate haben ein etwa um das 10-fache erhöhtes Risiko für die Entwicklung von ALCL, verglichen mit Siltex Implantaten. Diese Implantate sind allerdings erst seit einer kürzeren Zeit in Australien verfügbar und dadurch könnte das Risikoprofil beeinflusst worden sein, erklären die Forscher.

90 Prozent der neu eingesetzten Brutimplantate in Australien haben eine texturierte Oberfläche
Alle vier aufgezeichneten Brustkrebs-Todesfälle in Australien und Neuseeland, die eindeutig in Zusammenhang mit Brustimplantaten gerbracht werden konnten, waren mit Biocell Implantaten verbunden, berichten die Wissenschaftler. Diese Implantate mit texturierter Oberfläche werden bei etwa 90 Prozent der geschätzten 40.000 jährlich in Australien durchgeführten Brustimplantationen verwendet, erläutert Autor Anand Deva.

Vergrößerte Oberfläche kann zu erhöhter Bakterienkontamination führen
Ein Grund für das erhöhte Risiko durch Biocell- und Silimed-Implantate könnte die vergrößerte Oberfläche sein. Durch die größere Fläche kann eine erhöhte Bakterienkontamination auf der Oberfläche verursacht werden, mutmaßen die Wissenschaftler. Die strukturierten Implantate bieten den Bakterien die ideale Oberfläche, um zu riesigen Mengen heranzuwachsen, wenn sie nicht ausreichend kontrolliert werden. Durch eine Beseitigung der Bakterien und eine Reduzierung der Kontamination bei texturierten Implantaten könnte demnach auch das Risiko von ALCL vermindert werden.

Frauen mit Brustimplantaten sollten sich regelmäßig untersuchen lassen
Plastische Chirurgen und Patienten haben eine Vielzahl von Gründen für die Auswahl eines strukturierten Implantats. Patienten wird empfohlen, dass sie sich gründlich über mögliche Risiken von ihrem plastischen Chirurgen aufklären lassen sollten, bevor sie eine Entscheidung treffen, sagen die Wissenschaftler. Die Experten raten außerdem dazu, dass Frauen mit Brustimplantaten sich regelmäßig untersuchen lassen sollten. Wenn Betroffene Schwellungen bemerken, sollten sie dringend einen Arzt aufsuchen. (as)