Betrug: Bloggerin zu 275.000 Euro Geldstrafe wegen erfundener Krebskrankheit verurteilt

Fabian Peters

Gericht verurteilt Gesundheits-Bloggerin zur Zahlung von 275.000 Euro

Manche Menschen geben ein Leid vor, um Zuwendung zu bekommen. Solche leiden an einer psychischen Krankheit. Es gibt aber sogar Menschen, die geben eine schwere Erkrankung vor, um das Geld der anderen Menschen aus der Tasche zu ziehen. Sie spielen dabei mit der Empathie des Gegenübers. So geschehen in Australien. Der Fall sorgte für Aufregung und landete vor Gericht.

In Australien wurde eine junge Bloggerin verurteilt, weil sie eine Krebserkrankung erfunden hat, die sie nach eigenen Angaben mit einer speziellen natürlichen Therapie heilen konnte. Annabelle Natalie Gibson war jedoch nachweislich nie an Krebs erkrankt und hat das vorgespielte Leiden offenbar nur genutzt, um sich selbst zu bereichern.

Hunderttausende Euro soll „Belle“ Gibson mit dem Verkauf von Büchern und Gesundheitsapps verdient haben, indem sie eine Krebserkrankung und ihre anschließende Heilung erfand. Nun wurde die junge Frau vor dem australischen Bundesgerichtshof (Federal Court of Australia) zu einer Strafe von umgerechnet rund 275.000 Euro verurteilt. Das Gericht folgte in den meisten Punkten den Vorwürfen des Direktors für Verbraucherangelegenheiten in Victoria, der die Klage eingereicht hatte. Die Bloggerin war niemals an Krebs erkrankt und hat zudem die eingenommen Gelder nicht als Spenden weitergeleitet, wie ursprünglich versprochen, so das Urteil des Gerichts.

Eine junge Bloggerin aus Australien wurde wegen einer erfunden Krebserkrankung zur Zahlung von umgerechnet rund 275.000 Euro Strafe verurteilt. (Bild: stockpics/fotolia.com)

Hirntumor erfunden, um Bücher zu verkaufen?

Die Bundesrichterin Debbie Mortimer erklärte in ihrem Urteil, dass die Angeklagte in den meisten, aber nicht in allen Punkten schuldig zu sprechen sei. Die 25-Jährigen habe nachweislich in Bezug auf die Erkrankung an einem Hirntumor gelogen und sich anschließend durch den Verkauf von Büchern und Apps bereichert. Von den eingenommen Geldern habe sie nur einen geringen Bruchteil an gemeinnützige Organisationen gespendet, obwohl sie ursprünglich zusicherte, einen Großteil des Geldes weiterzuleiten. Insgesamt muss die Bloggerin nun 410.000 australische Dollar (rund 273.000 Euro) Strafe zahlen.

Täuschung der Verbaucher

Ob die Angeklagte selber von vornherein wusste, dass sie gesund ist, oder ob sie sich die Erkrankung an einen Hirntumor tatsächlich eingebildet hat, sei nicht abschließend zu klären, so das Gericht in dem jetzt veröffentlichten Urteil. „Es scheint zumindest in mancher Hinsicht offen, ob Frau Gibson eine Reihe von Wahnvorstellungen zu ihrem Gesundheitszustand erlitten hat“, so die Richterin Debbie Mortimer. In jedem Fall habe sie jedoch die Verbraucherinnen und Verbraucher getäuscht und eine Krebsheilung durch Maßnahmen wie eine gesunde Ernährung und ayurvedische Medizin vorgegaukelt. Mit Büchern und Apps zu diesen Methoden habe sie sich anschließend persönlich bereichert, ohne einen Großteil des Geldes wie zugesagt zu spenden. (fp)