Bewegung im Büro für eine bessere Gesundheit

Heilpraxisnet

Verbesserte Sitzdynamik, Stehmeetings und andere Bewegungstipps für Büro

02.02.2015

Sitzen als Gesundheitsrisiko? Bei der Arbeit im Büro, in der Schule, zu Hause vor dem Computer, abends vor dem Fernseher oder beim Autofahren – einen Großteil ihres Alltags verbringen viele Deutsche im Sitzen, was für die Gesundheit kritische Folgen haben kann. Zahlreiche Studien belegen, dass mit langen Sitzzeiten Gesundheitsrisiken, wie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems einhergehen.

Durch Sitzzeiten von acht oder mehr Stunden pro Tag, erhöht sich das Risiko verschiedener Erkrankungen, so die Mitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“ unter Berufung auf die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM). Dieser Wert sei jedoch bei vielen Bürobeschäftigten schnell erreicht, weshalb hier für Ausgleich zu sorgen ist, erläutert der DGAUM-Experte Michael Nasterlack gegenüber der „dpa“. Keinesfalls sollten die Beschäftigten zu lange in einer Sitzposition verharren, so Nasterlack weiter. Hier könne Jede/r für sich etwas tun, um möglichen Gesundheitsrisiken vorzubeugen.

Regelmäßig Aufstehen
Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin empfiehlt einige einfache Maßnahmen, um etwas Bewegung in den Büro-Alltag zu bringen und gesundheitliche Schäden durch das lange Sitzen zu vermeiden. Mindestens einmal pro Stunde sollten die Mitarbeiter aufstehen und sich bewegen. Hier helfe es zum Beispiel den Drucker so im Büro aufzustellen, dass die Beschäftigten aufstehen müssen, um ausgedruckte Blätter abzuholen. Des Weiteren sei es gut für den Rücken, während des Telefonierens aufzustehen. Auch könnten Meetings an entsprechenden Stehtischen oder -pulten statt an Konferenztischen abgehalten werden.

Dynamisches Sitzen und Streckübungen
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist laut Aussage der Experten die Sitzdynamik, Hier empfehle die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) den Berufstätigen zum Beispiel gelegentlich mit dem Becken vor- und zurückzuwippen oder das Gewicht von einer Gesäßhälfte auf die andere verlagern, berichtet die „dpa“. Darüber hinaus seien regelmäßige Streckübungen jede zweite Stunde angebracht. Das Dehnen soll dabei Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems, die durch monotone Arbeitsbewegungen beziehungsweise falsche Körperhaltungen entstehen, vorbeugen. Beispielsweise rate der TÜV Rheinland hin und wieder die Wirbelsäule lang zu machen und den Nacken zu strecken. Wer Schwierigkeiten habe, die Übung umzusetzen, könne sich vorstellen eine Krone auf dem Kopf zu balancieren, so die Mitteilung der „dpa“.

Stehpulte und höhenverstellbare Schreibtische
Nicht zuletzt spielt auch das Mobiliar im Büro eine entscheidende Rolle bei der täglichen Bewegung. Hier seien Sondermöbel wie ein höhenverstellbarer Schreibtisch oder ein Stehpult gut geeignet, um die Beschäftigten häufiger zum Aufstehen zu bewegen, berichtet die „dpa“. Allerdings haben Arbeitnehmer normalerweise keinen Anspruch auf die Anschaffung dieser Sondermöbel durch die Arbeitgeber, so der DGAUM-Experte Nasterlack gegenüber der „dpa“. Anders sei die Situation bei Personen mit körperlichen Behinderungen wie beispielsweise einer steifen Hüfte, die derartige Sondermöbel erforderlich machen. Zudem hätten Arbeitnehmer einen Anspruch auf den Austausch ergonomisch offensichtlich ungeeigneter Möbel. Dies sei zum Beispiel gegeben, wenn die täglich mehrstündige Arbeit am Computer auf einem ungepolsterten Holzstuhl verrichten werden muss.

Sitzen macht krank
Auch die Deutsche Krankenversicherung (DKV) hat in ihrem aktuellen Report „Wie gesund lebt Deutschland?“ 2015 auf die Risiken der langen Sitzzeiten hingewiesen. So sei Dauersitzen neben allgemeinem Bewegungsmangel mittlerweile als ein eigenständiger Risikofaktor für die Gesundheit anerkannt. Heute würden die Deutschen im Durchschnitt siebeneinhalb Stunden pro Tag sitzen, die Gruppe der jungen Erwachsenen sogar neun Stunden, berichtet die DKV. „ Wir sind ein Volk der Sitzenbleiber geworden“, so Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV, weiter. Das dauerhafte Sitzen habe dabei „weitreichende Folgen für den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel und macht die Menschen krank.“ (fp)

Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de