Bietet Sport Schutz vor Demenz?

Alexander Stindt

Ärzte in den USA empfehlen Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung Sport zu treiben

Eine neue Richtlinie für Ärzte in den USA besagt, dass Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zweimal in der Woche körperlich trainieren sollten. Durch das Training wird das Gedächtnis und das Denken verbessert. Ältere Menschen sollten also Sport treiben, statt sich Medikamente verschreiben zu lassen, wenn sie Probleme mit ihrem Gedächtnis haben.

Die Experten der American Academy of Neurology stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung körperliche Übungen zweimal in der Woche durchführen sollten, um so ihr Denken und ihr Gedächtnis zu verbessern. Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Neurology“.

Sport und Bewegung kann das Denken und das Gedächtnis verbessern. Gerade ältere Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung sollten deswegen auf ausreichende sportliche Betätigung achten. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Sportliche Betätigung hilft Körper und Geist

Es hat sich bereits vor längerer Zeit gezeigt, dass regelmäßige körperliche Betätigung positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Jetzt können wir sagen, dass Sport auch bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung helfen kann, das Gedächtnis zu verbessern, erläutert Autor Dr. Ronald Petersen. Was gut für das Herz ist, könnte auch gut für das Gehirn sein, dachten sich die Experten und untersuchten die Auswirkungen von Sport auf das Denken und das Gedächtnis.

Was sind leichte kognitive Beeinträchtigungen?

Eine leichte kognitive Beeinträchtigung ist ein Zwischenstadium zwischen dem normalen kognitiven Verfall des Alterns und dem starken kognitiven Verfall bei Demenz. Auftretende Symptome können beispielsweise Probleme mit Gedächtnis, Sprache, Denken und Urteilsvermögen umfassen, welche stärker sind als bei normalen altersbedingten Veränderungen. Im Allgemeinen sind diese Veränderungen nicht schwerwiegend genug, um das tägliche Leben und die üblichen Aktivitäten signifikant zu beeinträchtigen, sagen die Forscher. Leichte kognitive Beeinträchtigungen können jedoch das Risiko erhöhen, dass Betroffene später an Demenz erkranken, welche durch Alzheimer oder andere neurologische Erkrankungen verursacht wird.

Bereits zwei Trainingseinheiten pro Woche schützen vor dem geistigen Abbau

Die aktualisierten Empfehlungen zu leichten kognitiven Beeinträchtigungen wurden nach Überprüfung aller verfügbaren Studien entwickelt. Untersuchungen über einen Zeitraum von sechs Monaten zeigten, dass Trainingseinheiten zweimal in der Woche Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung bei der Bewältigung ihrer Symptome helfen können.

Im besten Fall sollten Sie 150 Minuten sportliche Übungen pro Woche durchführen

Dr. Petersen ermutigt Menschen zu Durchführung von Aerobic-Übungen. Aber auch zügiges Gehen und Joggen habe positive Auswirkungen. Egal für welche sportlichen Übungen Sie sich entscheiden, versuchen Sie 150 Minuten pro Woche mit sportlichen Übungen zu verbringen. Beispielsweise fünf Workouts, welche 30 Minuten andauern oder drei Workouts, welche 50 Minuten andauern. Das Maß an Anstrengung sollte dabei genug sein, um etwas ins Schwitzen zu kommen, rät der Experte. Körperliches Training kann die Geschwindigkeit verlangsamen, mit der aus der leichten kognitiven Beeinträchtigung schließlich Demenz wird.

Kann kognitives Training die kognitiven Funktionen verbessern?

Auch sogenanntes kognitives Training scheint Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zu helfen. Ein solches kognitives Training verwendet repetitive Gedächtnis- und Argumentationsübungen, erklären die Forscher. Es gebe schwache Hinweise darauf, dass kognitives Training die kognitiven Funktionen verbessern kann, sagen die Autoren. Die Experten empfahlen keine Ernährungsumstellung oder die Verwendung von Medikamenten. Es gibt keine Medikamente für leichte kognitive Beeinträchtigungen, welche von der U.S. Food and Drug Administration zugelassen sind, erläutern die Mediziner.

Wie verbreitet sind kognitive Störungen?

Mehr als sechs Prozent der Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren auf der ganzen Welt haben leichte kognitive Störungen, berichten die Wissenschaftler in einer Pressemitteilung der American Academy of Neurology. Umso älter die Menschen werden, umso häufiger werde dieses Problem. Im Alter über 85 Jahren leiden schon mehr als 37 Prozent an leichten kognitiven Störungen. Bei solch einer Prävalenz könne die Entdeckung von Faktoren des Lebensstils, welche die Rate der kognitiven Beeinträchtigung verlangsamen, einen großen Unterschied für Individuen und die Gesellschaft machen, sagt Dr. Petersen.

Der Prozess des Alterns kann verzögert werden

„Wir müssen das Altern nicht als einen passiven Prozess betrachten, wir können etwas gegen den Verlauf des Alterns tun“, fügt der Experte hinzu. Wenn also normalerweise im Alter von 72 Jahren eine kognitive Beeinträchtigung eintreten würde, kann dies durch körperliches Training verzögert werden. So tritt die kognitive Beeinträchtigung beispielsweise erst im Alter von 75 oder 78 Jahren auf. Dies ist ein erheblicher Unterschied. (as)