Bio-Lebensmitteln vermehrt zurück gerufen

Heilpraxisnet

Alnatura und Rapunzel rufen Bio-Nahrungsmittel zurück

30.01.2015

Nachdem der Bionahrungs-Händler Alnatura erst vor wenigen Monaten einen Vier-Korn-Brei für Säuglinge und Kleinkinder sowie kurze Zeit später einen Hirsebrei mit Reis wegen Spuren von Tropanalkaloiden zurückgerufen hat, ist nun ein Sesammus (Tahin) wegen Salmonellen betroffen. Zunächst einhaltete der Rückruf nur Tahin-Gläser mit einem bestimmten Mindesthaltbarkeitsdatum. Mittlerweile hat Alnatura aber vorsorglich alle Chargen des Produkts vom Verkauf ausgeschlossen. Auch in einem Glas Sesammus von Rapunzel Naturkost jüngst wurden Salmonellen entdeckt. Das Produkt wurde ebenfalls zurückgerufen. Die Ursachen für die Verunreinigung der Lebensmittel ist derzeit noch unklar.

Bio-Nahrungsmittel haben kein höheres Risiko für Verunreinigungen
Wie die Online-Ausgabe der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ berichtet, würde auch Kunden auffallen, dass sich die Lebensmittelrückrufe bei Alnatura in den vergangenen Monaten häuften. „Liebes Alnatura-Team, leider haben sich die Rückrufaktionen bei Euch in letzter Zeit ganz schön gehäuft… woran kann das liegen?", habe eine Kundin in einem Kommentar geschrieben. Ob der Bionahrungsmittel-Händler einen Imageschaden durch die verunreinigten Lebensmittel befürchten muss, bleibt abzuwarten.

„Das ist ein ganz dummer Zufall", erklärte die Alnatura-Presseprecherin Stefanie Neumann gegenüber der Zeitung. Es bestünde kein sachlicher Zusammenhang zwischen den Fällen. „Im Grunde ist es eher ein Zeichen für Qualität, wenn Alnatura Produkte zurückruft.“ Auch Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt Entwarnung gegenüber der Zeitung: „Es kann sein, dass Hersteller mit höherer Rückrufrate einfach häufiger oder besser kontrollieren." Es sei ein weitverbreiteter Irrtum, dass Bio-Produkte grundsätzlich gesünder seien als konventionell angebaute und produzierte Lebensmittel. Für Bio-Nahrungsmittel würden lediglich bestimmte Regeln hinsichtlich der Produktion gelten. Es sei aber jeder Hersteller von Lebensmitteln dazu verpflichtet, seine Produkte sicher herzustellen. „Und Fehler passieren können bei jedem."

Quelle der Salmonellen in Bio-Nahrungsmittel von Alnatura noch unklar
Wie die Alnatura-Sprecherin berichtet, sei die Ursache für die Salmonellen in dem Tahin-Glas noch unklar. Ein Vermutung betreffe den Kot freifliegender Vögel auf dem Feld. Da das Sesammus aber während seiner Herstellung mehrfach auf über 90 Grad Celsius erhitzt werde, müssten dabei alle Keime abgetötet worden sein. „Unser Qualitätsmanagement arbeitet gemeinsam mit Laboren und den Behörden unter Hochdruck daran, die Ursache zu finden."

Im Sesammus von Rapunzel Naturkost wurden ebenfalls kürzlich Salmonellen entdeckt. Auch hier wurde das Produkt zurückgerufen. „Wir möchten Sie bitten, sollten Sie Tahin (braun) zuhause haben, dieses in Ihrem Bio-Fachgeschäft vor Ort zurück zu geben“, schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite. „Wir leiten verschiedenste Maßnahmen in die Wege, um eine noch höhere Prozesssicherheit zu gewährleisten. Jede einzelne Prozessstufe von der Rohware bis zum Endprodukt wird bei den anstehenden Testproduktionen analytisch begleitet, so kann jede nur erdenklich mögliche Eintragungsquelle ausgeschlossen werden.“ Man wollte alles tun, um die Quelle der Salmonellen schnellst möglich zu identifizieren.

Warum es in so kurzem Abstand bei zwei Bio-Nahrungsmittel-Herstellern zu einem Salmonellen-Fund gekommen ist, kann derzeit niemand mit Gewissheit sagen. „Die Lieferanten auf dem Bio-Lebensmittelmarkt sind begrenzt“, spekuliert die Rapunzel-Sprecherin Gila Kriegisch gegenüber der Zeitung.

Joyce Moewius vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft betont, dass Bio-Produkte kein erhöhtes Risiko für Verunreinigungen und Fehler im Produktionsprozess haben. „Wenn sich Salmonellen in Produkten finden, wie zuletzt im Tahin, ist das unabhängig von Bio-Produkten", berichtet sie. Es könnten genauso andere Produkte betroffen sein.

Salmonellen können Magen-Darm-Erkrankungen verursachen. Die Beschwerden beginnen meist plötzlich mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen.

Getreide kann durch natürliche Pflanzenstoffen verunreinigt sein
Im Fall der Tropanalkaloide, die im vergangenen Jahr in zwei Breisorten von Alnatura nachgewiesen wurden, ist die Sachlage etwas anders, da es sich laut BfR um „natürliche Inhaltsstoffe bestimmter Pflanzen" wie beispielsweise Tollkirsche handelt. Sie können bereits in geringer Dosierung Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem und die Herzfrequenz haben. Ist das Getreide damit belastet, können auch die Lebensmittel, die daraus hergestellt werden, Tropanalkaloide enthalten. „Diese Stoffe hat es schon immer im Getreide gegeben, aber jetzt können wir sie nachweisen", berichtet Neumann. Zukünftig werde man die Bauern besser schulen. (ag)

Bild: Gabi Eder / pixelio.de

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