Bio-Produkte: Was verbirgt sich hinter den Gütesiegeln?

Fabian Peters
Verbraucher Initiative informiert zu Bio-Gütesiegeln
Bio-Produkte liegen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern hoch im Kurs, nicht zuletzt weil die meisten Menschen sich hiervon gesundheitliche Vorteile durch die geringere Schadstoffbelastung erhoffen. Hier bieten die Bio-Lebensmittel insgesamt ähnliche Voraussetzungen. Wem darüber hinaus die umweltbewusste, nachhaltige Produktionsweise am Herzen liegt, der kann sich an den verschiedenen Gütesiegeln orientieren. Die Verbraucher Initiative erklärt, welche Bedeutung die jeweiligen Siegel haben.

Die Orientierung bei den zahlreichen verschiedenen Gütesiegeln kann durchaus Schwierigkeiten bereiten. Reicht da EU-Bio-Logo und was verbirgt sich hinter Naturland, Demeter, Bioland oder Neuland? Die Verbraucher Initiative hat hier eine Übersicht zu den verschiedenen Gütesiegeln zusammengestellt, in der die wichtigsten Kennzeichnungen erklärt werden.

Biosiegel - Bioprodukt
Das deutsche Bio-Siegel wurde 2001 eingeführt und steht für Lebensmittel aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft. (Bild: ferkelraggae/fotolia.com)

Bio-Siegel und EU-Bio-Logo
Das deutsche Bio-Siegel wurde im Jahr 2001 zur Kennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt, die aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft stammen. Laut Angaben der Verbraucher Initiative dürfen Erzeuger, Verarbeiter, Händler und Importeure das Zeichen auf die Etiketten drucken, „wenn das Produkt die EU-Anforderungen für den ökologischen Landbau erfüllt.“ Durch die EU-weit gültigen Rechtsvorschriften würden einheitliche Mindeststandards für den ökologischen Landbau garantiert. Seit dem Juli 2010 ist allerdings das neue EU-Bio-Siegel für alle verpackten Bioprodukte, die in der Europäischen Union hergestellt werden, verpflichtend vorgeschrieben. Das deutsche Bio-Siegel kann jedoch ebenso wie regionale oder private Logos weiterhin verwendet werden. Kontrolliert werden die Biobetriebe in Deutschland von staatlich zugelassenen privaten Kontrollstellen, wobei die Kontrollstellen von den Landesbehörden überwacht werden. „Das Bio-Siegel steht für eine kontrollierte Erzeugung und ökologische Produktion“, die Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs müssen beispielsweise zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Landbau stammen, berichtet die Verbraucher Initiative. Die Richtlinien der ökologischen Anbauverbände wie Bioland, Naturland und Demeter gehen jedoch deutlich über diese Regelungen hinaus.

Bioland
Erzeugnisse aus organisch-biologischer Landwirtschaft können mit dem Bioland-Label gekennzeichnet werden, wobei Bioland einer der führenden ökologischen Anbauverbände in Deutschland ist. Hier spielt zum Beispiel die Pflege des Bodens und die Erhaltung der langfristigen Bodenfruchtbarkeit ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Produktion, so die Mitteilung der Verbraucher Initiative. Die ökologische Wirtschaftsweise basiere auf einer Kreislaufwirtschaft – ohne synthetische Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger. Eine artgerechte Haltung der Tiere ist vorgeschrieben und die Lebensmittel müssen schonend verarbeitet werden. Die Richtlinien gehen damit deutlich über die gesetzlich vorgeschriebenen EU-Kriterien hinaus. „Um das Zeichen nutzen zu dürfen, müssen sämtliche Flächen und Produktionszweige der Betriebe entsprechend der gültigen Vergabekriterien bewirtschaftet werden“, berichtet die Verbraucher Initiative. Eine Kontrolle auf Einhaltung der Kriterien werde mindestens einmal im Jahr durch unabhängige Kontrollbeauftragte von Bioland durchgeführt. Zusätzlich würden einmal jährlich Kontrollen durch EG-Kontrollstellen stattfinden.

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Demeter
Mit dem Demeter-Label werden laut Angaben der Verbraucher Initiative „landwirtschaftliche Erzeugnisse aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft“ gekennzeichnet, wobei Demeter seit mehr als 80 Jahren für einen hohen ökologischen Standard hinsichtlich der Erzeugung und Verarbeitung ökologischer landwirtschaftlicher Produkte stehe. Auch hier gehen die Richtlinien weit über die gesetzlichen EU-Anforderungen hinaus. Innerhalb von maximal fünf Jahren muss die Umstellung des gesamten Betriebes erfolgen. Die Einhaltung der Kriterien werde von dem Demeter-Bund e. V. sowie von sogenannten Betriebspaten überprüft. Darüber hinaus finden einmal jährlich Kontrollen durch eine EG-Kontrollstelle statt. Insgesamt gewährleistet das Label durch unabhängige Kontrollen und die Beteiligung verschiedener Interessensgruppen in den Gremien eine hohe Glaubwürdigkeit, berichtet die Verbraucher Initiative.

Naturland
Durch das Naturland-Zeichen können Produkte aus kontrolliert ökologischem Gartenbau gekennzeichnet werden, wobei hohe ökologische Anforderungen an den Gartenbau gestellt werden, die weit über den EU-Standard hinausgehen. Bei der gartenbaulichen Produktion soll ein ganzheitlicher Ansatz gewährleistet sein, weshalb das Naturland-Zeichen erst nach einer erfolgreich abgeschlossenen Umstellungszeit von mindestens zwei Jahren durch die Anerkennungskommission vergeben wird. Die Basis der Zeichenvergabe bilde die Einhaltung der Naturland-Richtlinien für ökologischen Gartenbau und dies werde mindestens einmal jährlich bei angemeldeten oder unangemeldeten Betriebsbesuchen durch Beauftragte von Naturland kontrolliert, so die Mitteilung der Verbraucher Initiative. Hinzu kommen einmal im Jahr Kontrollen durch eine EG-Kontrollstelle.

Weitere Gütesiegel
Zahlreiche weitere Gütesiegel dienen zur Kennzeichnung bestimmter Lebensmittel, wie beispielsweise das NEULAND-Zeichen, für Fleisch und Fleischprodukte, die aus einer tiergerechten und umweltschonenden Nutztierhaltung stammen oder das Ecovin-Label, welches Wein aus ökologisch angebauten Trauben gekennzeichnet. Für Fische und Fischprodukte aus umweltgerechter Fischerei steht zum Beispiel das Marine Stewardship Council-Siegel (MSC). Insgesamt bieten die Gütesiegel durchaus eine gute Möglichkeit zur Orientierung, vorausgesetzt den Verbraucherinnen und Verbrauchern ist bekannt, was sich hinter den jeweiligen Zeichen verbirgt. (fp)