Biografie über den Begründer der Osteopathie

Thorsten Fischer

Carol Trowbridge: Andrew Taylor Still 1828- 1917. Eine Biografie über den Begründer der Osteopathie

Wer im normalen Buchhandel Literatur über Osteopathie sucht, der findet meist Bücher über die Osteopathie, die von Osteopathen oder Journalisten verfasst wurden. Mit dem vorliegenden Buch hat eine Mitarbeiterin des Nationalen Still Osteopathie Museums in Kirksville, wo Andrew Taylor Still die Osteopathie ausübte und seine Schule, die American School of Osteopathy (ASO), gründete, gründlich recherchiert und die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Im ersten Teil des Buches schildert Trowbridge die Umstände, in die Still hineingeboren wurde: Den Bürgerkrieg, die technische Entwicklung, die damals weit verbreitete Heroische Medizin und die Evolutionstheorien von Herbert Spencer und die Phrenologie. Dabei wird sichtbar, wieviel Quellen unabhängig von der Osteopathie Trowbridge studiert haben muss. Und es erweist sich hier vielleicht als Vorteil, dass Trowbridge keine Osteopathin ist.

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Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um Still und seine Entwicklung hin zur Osteopathie. Kleine Ausflüge erklären kurz Methoden und Konzepte, die Still beeinflusst haben könnten, wie die Ideen von Lamarck, die erwähnte Phrenologie und vor allem das Evolutionskonzept von Spencer. Trowbridge hat durch ihre Arbeitsstelle natürlich Zugang zu ungewöhnlich vielen alten Osteopathie- Papieren, aber sie hat auch neue Informationsquellen aufgetan und offensichtlich einzelne Menschen interviewt. Dadurch ist dieses Buch nicht nur für Osteopathen oder Osteopathieschüler interessant, sondern auch für Laien und Interessierte relevant.

Die Autorin hat auf etwa 300 Seiten ein eindrucksvolles Bild vom Begründer und vor allem der Begründung der Osteopathie und ihren Inhalten vorgelegt. Sichtbar wird, wieviele Inhalte gerade in den USA von der urspünglich von Still angedachten Osteopathie verloren gegangen sind. Die Osteopathie hat neben Behandlungen von Asthma oder Durchfall auch geringes Sehvermögen oder Geburtshilfe in ihrem Behandlungsspektrum gehabt. Heutzutage sind hauptsächlich Störungen des äusseren Bewegungsapparates wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Schulterschmerzen Indikationen, weswegen Osteopathen aufgesucht werden.

Es bleibt zu hoffen, dass das Buch von Carol Trowbridge auch über osteopathische Kreise hinaus Verbreitung findet, damit das Konzept hinter der Osteopathie im öffentlichen Bewusstsein bekannter und akzeptierter wird. Nach dem Lesen des vorliegenden Buches über den Begründer der Osteopathie kann man erkennen, dass Andrew Taylor Still das sicherlich auch gewollt hätte. (tf)