Bioland: Pestizid-Abgabe und schnelles Verbot besonders gefährlicher Agrargifte gefordert

Fabian Peters
Bioland fordert Pestizid-Abgabe und Verbot von besonders gefährlichen Agrargiften
Pestizide sind seit langem als Auslöser zahlreicher Gesundheitsbeschwerden bekannt, sie sind aber noch immer ein wesentlicher Baustein der industriellen Landwirtschaft. In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Gifte verkauft und eingesetzt. Experten fordern die Politik zum Handeln auf.

Pestizide gefährden die Gesundheit
Seit langem ist bekannt, dass Pestizide der Gesundheit schaden. Sie stören den Hormonhaushalt des Körpers und können das menschliche Immunsystem schädigen. Immer wieder sind sie in verschiedenen Lebensmitteln zu finden. So wurden etwa im vergangenen Jahr Pestizide in Kinder-Früchtetees gefunden. Pestizide zerstören auch die Artenvielfalt und machen viele Bauern regelrecht abhängig von Chemiekonzernen.

Trotzdem werden immer mehr Gifte verkauft und landen auf den Äckern, berichtet der Bioland Bundesverband in einer Pressemitteilung. Demnach waren es im vergangenen Jahr in Deutschland 30 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor, nämlich 46.103 Tonnen.

Bioland fordert ein Verbot besonders gefährlicher Agrargiftstoffe. (Bild: Dusan Kostic/fotolia.com)
Bioland fordert ein Verbot besonders gefährlicher Agrargiftstoffe. (Bild: Dusan Kostic/fotolia.com)

Verursacher sollen an den Kosten beteiligt werden
„Die Empfehlung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zur Einführung einer Pestizidabgabe findet unsere volle Unterstützung. So würden erstmalig die Verursacher an den durch sie veranlassten sozialen und Umweltfolgekosten des Pestizideinsatzes beteiligt“, erklärte Jan Plagge, Präsident von Bioland, zur Vorstellung des Gutachtens „Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel in Deutschland“. Gemeint sind hier auch versteckte Kosten für Umweltschäden, Artenverlust, Brunnenschließungen oder Krankheitsbehandlungen.

Bislang schlagen sich die weder in den Lebensmittelpreisen noch in den Pestizidpreisen nieder. Denn während die Pestizid-Produzenten immer größere Gewinne einfahren, müssen Anwendungskontrollen und staatliche Rückstandsanalysen aus Steuergeldern bezahlt werden.

Mehr zum Thema:

Abgabe würde Einsatz der Gifte schnell reduzieren
Den Hutachtern zufolge würde der Pestizideinsatz durch eine Pestizidabgabe kurzfristig um 20 Prozent, langfristig um 35 Prozent sinken. „Die rund eine Milliarde Euro Einnahmen aus der Abgabe sollten zielgerichtet für Landbaumethoden verwendet werden, die den Einsatz nicht-chemischer Verfahren in Forschung und Anwendung fördern“, sagte Plagge und ergänzte: „Hier liegt ein riesiges Innovationspotential für die gesamte Landwirtschaft, sei es durch erweiterte Fruchtfolgen, Verfahren der mechanischen Unkrautbekämpfung oder der Anwendung biologischer Schädlingsbekämpfung.“ Zwar wertet Bioland das Gutachten als wichtigen Impuls für eine grundsätzliche Änderung der Pestizidpolitik in Deutschland und Europa, doch die Einführung einer Pestizidabgabe ist dabei nur ein Baustein. „Wir brauchen Antworten auf den immer weiter steigenden Pestizideinsatz. Verbote bestimmter Pestizide sind überfällig“, meinte Plagge.

Artenverlust und resistente Problemunkräuter
So müssten Totalherbizide, wie Roundup der Firma Monsanto mit dem Wirkstoff Glyphosat, das auf 40 Prozent der deutschen Äcker ausgebracht wird und für einen dramatischen Artenschwund verantwortlich ist, endlich verboten werden. Nur auf diese Weise könnten Artenverlust und resistente Problemunkräuter vermieden werden. Erst vor kurzem hatte die Krebsforschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als sehr wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Und seit April dürfen nach einem Rechtsstreit bestimmte Bayer-Pestizide Bienengefährlich genannt werden.

Politik muss Biolandbau stärker unterstützen
Wie es in der Bioland-Mitteilung heißt, müssen zum Schutz der Bienen Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid aus der Gruppe der Neonicotinoide – auch bekannt als „Bienenkiller“ – umgehend dauerhaft verboten werden. „Die Zulassungskriterien für Pestizide müssen so verändert werden, dass Pestizide keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, die Artenvielfalt und die Gewässer mehr haben“, so Plagge. Er sagte weiter: „Zulassungsbehörden sind nicht Dienstleister der chemischen Industrie, sondern müssen dem Gemeinwohl dienen.“ Außerdem muss die Politik den ökologischen Landbau als funktionierende Anbaumethode, die auf chemisch-synthetische Pestizide verzichtet, stärker unterstützen. Der Biolandbau verursacht keine versteckten Folgekosten, sondern steht für mehr Artenvielfalt, sauberes Trinkwasser und gesunde Lebensmittel. (ad)