Biorhythmus: Zeitliche Verlagerungen der Mahlzeiten kann die innere Uhr zurückstellen

Alexander Stindt
Essen zu anderen Uhrzeiten beeinflusst die innere Uhr
Viele Menschen haben Probleme nach längeren Flügen und leiden unter einm Jetlag. Ähnliche Schwierigkeiten treten auch bei Schichtarbeitern auf, wenn der Körper sich an die wechselnden Arbeitszeiten anpassen muss. Forscher fanden heraus, dass eine Verlagerungen der Mahlzeiten auch die interne Uhr des Körpers beeinflussen kann.

Die Wissenschaftler der University of Surrey in England stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die interne Uhr des menschlichen Körpers durch eine Verlagerung der zu sich genommenen Mahlzeiten beeinflusst werden kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Current Biology“.

Sogenannter Jetlag oder ständig wechselnde Schichten auf der Arbeit können dazu führen, dass Menschen sich müde, erschöpft und kraftlos fühlen. Der Körper muss sich erst an die neue Zeitzone oder die neuen Arbeitszeiten anpassen. Mediziner fanden heraus, dass Veränderungen der Zeit der Mahlzeiten zu einer leichteren Anpassung beitragen können. (Bild: Jeanette Dietl/fotolia.com)

Was ist die biologische Uhr des Körpers?
Die biologische Uhr des Körpers (zirkadianer Rhythmus) wird von einer sogenannten Master-Uhr gesteuert, welche im menschlichen Gehirn vorhanden ist und als suprachiasmatischer Kern bezeichnet wird, erläutern die Wissenschaftler.

Was bewirken die sogenannten Peripherie-Uhren?
Verschiedene andere Uhren im menschlichen Körper werden als Peripherie-Uhren bezeichnet. Unter diesen verstehen wir im Wesentlichen Moleküle in Zellen, welche auf Signale von der Hauptuhr reagieren, erläutern die Experten. Damit helfen sie, bestimmte metabolische Funktionen in jenen Zellenbereich des Körpers zu kontrollieren. Beispielsweise können diese Uhren in der Leber und Bauchspeicheldrüse den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Dadurch kann es, wenn Peripherie-Uhren nicht mit der Master-Uhr synchron sind, zu Problemen mit dem Stoffwechsel einer Person kommen.

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Licht und Melatonin haben wenig direkte Wirkung auf die metabolischen Rhythmen
Forscher wussten bereits, dass der Einfluss von Licht zur richtigen Zeit oder die Verwendung von Melatonin-Ergänzungen dabei helfen können, die Master-Uhr im Gehirn an neue Zeitzonen anzupassen, sagte Autor Jonathan Johnston von der University of Surrey. Aber Licht und Melatonin haben wohl wenig direkte Wirkung auf die metabolischen Rhythmen, die von den peripheren Uhren des Körpers gesteuert werden, fügt der Experte hinzu. Mit anderen Worten ausgedrückt: Obwohl eine Person ihre innere Master-Uhr an eine neue Zeitzone anpassen kann, indem sie sich zur richtigen Zeit Licht aussetzt, werden dadurch nicht alle Uhren im Körper der Person sofort angepasst, sagen die Wissenschaftler.

Die Zeit der Mahlzeiten hat großen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel
Die peripheren Uhren, welche den Blutzuckerspiegel kontrollieren, beeinflussen auch, wie viel Zucker aus dem Blut genommen wird und wie viel wieder in das Blut freigesetzt wird. Die Art und Weise, wie der Körper eine Mahlzeit verarbeitet, variiert über den Tag, so Johnston. Wenn eine Person beispielsweise spät in der Nacht isst, erhöhe sich der Blutzuckerspiegel und bleibe auch eine längere Zeit erhöht. Dieser Effekt kann ebenso in der entgegengesetzten Richtung funktionieren. Wenn wir die Tageszeit ändern, zu der wir unsere Mahlzeiten zu uns nehmen, dann verschiebt dies auch den sogenannten zirkadianen Rhythmus des Blutzuckerspiegels, erläutern die Wissenschaftler.

Mediziner überwachten den Schlaf von Probanden über einen Zeitraum von 13 Tagen
Um die Auswirkungen des Timings der Mahlzeiten auf den zirkadianen Rhythmus zu studieren, untersuchten die Forscher zehn gesunde Männer über einen Zeitraum von 13 Tagen. So wollten sie beobachten, wie die Probanden auf verschiedene Ernährungspläne reagierten. Die Männer trugen dabei Monitore, um Daten über ihren Schlaf zu sammeln, sagen die Forscher.



Wann wurden die Mahlzeiten in dem Versuch zu sich genommen?
Während der ersten drei Tage der Studie erhielten die Männer das Frühstück 30 Minuten nach dem Aufwachen, gefolgt vom Mittagessen fünf Stunden später und Abendessen fünf Stunden danach. Alle Mahlzeiten hatten dabei die gleiche Anzahl an Kalorien und die gleichen Mengen an Kohlenhydraten, Fett und Protein, erklären die Autoren der Studie.

Probanden mussten 37 Stunden Schlafentzug über sich ergehen lassen
Nach drei Tagen dieser Art der Ernährung wurden die Teilnehmer gebeten, 37 Stunden lang nicht zu schlafen. Während dieser Zeit wurden die Lichter im Labor dunkel gehalten, so dass die Männer nicht die Lichtveränderungen erlebten, welche ihren biologischen Uhren die Zeit signalisieren könnten. Krankenschwestern weckten die Probanden, wenn diese zu dösen begannen, sagt Johnston.

Nach dem Schlafentzug begann der zweite Essensplan
Nach diesem Zeitraum begannen die Wissenschaftler mit einem neuen Essensplan. Diesmal durften die Teilnehmer innerhalb von fünf Stunden nach dem Aufwachen nichts essen, erklären die Wissenschaftler. Dieser Essensplan wurde für einen Zeitraum von sechs Tagen verwendet, dann wiederholte sich die 37 Stunden Periode des Schlafentzugs.

Verschobener Essensplan führt zu Veränderungen der Rhythmen des Blutzuckerspiegels
Nachdem der Essensplan um fünf Stunden verschoben wurde, waren auch die Rhythmen ihres Blutzuckerspiegels um 5 Stunden verschoben, erläutert Autor Johnston. Die Forscher fanden heraus, dass sich neben den festgestellten Veränderungen im Rhythmus des Blutzuckerspiegels viele andere Bestandteile der zirkadianen Rhythmen der Männer nicht änderten. Zum Beispiel gab es keine Veränderungen bei den normalen Anstiegen und Senkungen von Melatonin (das Schlaf-Hormon) oder Cortisol (das Stress-Hormon).

Passen Sie sich durch die Zeit ihrer Mahlzeiten leichter an neue Zeitzonen oder Arbeitspläne an
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die beobachteten Änderungen nach dem späten Essensplan auf Veränderungen der peripheren Uhren zurückzuführen waren und nicht auf die sogenannte Masteruhr, welche die Hormonfreigabe steuert, sagen die Autoren. Die neuen Erkenntnisse lassen dasrauf schließen, dass man sich an eine neue Zeitzone oder einen anderen Arbeitsplan anpassen kann, wenn man die Zeit seiner Mahlzeiten verändert. (as)