Bipolare Störung oft mit Depression verwechselt

Heilpraxisnet

Bipolare Störung wird häufig mit Depression verwechselt: Fehldiagnose führt zu Behandlungsfehlern

10.12.2014

In der Bundesrepublik leiden ca. 800 000 Menschen an einer bipolaren Störung. Die bipolare Störung fälschlicherweise für eine Depression gehalten, weil nur die depressiven Phasen sozial auffällig sind. Die hypomanische Phase, der überschwängliche Teil der Krankheit, der durch Kreativität, Arbeitswut, übersteigertes Selbstbewusstsein und Exzentrik gekennzeichnet ist, entgeht den behandelnden Ärzten dagegen meist auch deshalb, weil die Symptome der Betroffenen sozial nicht übermäßig ausgeprägt sind und deshalb in dieser Phase unauffällig bleiben. Das kann weitreichende Konsequenzen haben, da sich das Krankheitsbild verschlimmert, wenn die bipolare Störung nicht als solche erkannt und entsprechend behandelt wird.

Manie Gen verantwortlich
Verantwortlich für diese Gefühlsschwankungen ist laut Aussage von Wissenschaftlern der Universität Bonn und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit auf molekularer Ebene das Manie-Gen „NCAN“. Den Berichten der Forscher zufolge durchlaufen Menschen mit einer bipolaren Störung eine ständige Achterbahn der Gefühle. „In depressiven Phasen leiden sie unter sehr gedrückter Stimmung, vermindertem Antrieb und häufig auch unter Suizidgedanken“, während in den „manischen Episoden Rastlosigkeit, Euphorie und Größenwahn“ typische Merkmale sind, so Professor Dr. Andreas Zimmer, Direktor des Instituts für Molekulare Psychiatrie, und Professor Dr. Markus M. Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik von der Universität Bonn. Gemeinsam mit den Experten um Prof. Dr. Marcella Rietschel vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim konnten die Forscher in ihrer umfassenden Studie nachweisen, „auf welche Weise das NCAN-Gen an der Entwicklung der Manie beteiligt ist.“ Zwar war laut Prof. Nöthen schon früher bekannt, dass „das NCAN-Gen wesentlich Einfluss auf die Entwicklung einer bipolaren Störung hat“, doch der funktionelle Zusammenhang blieb bisher unklar.

Erhöhte Suizidgefahr in depressiver Phase
Wird die bipolare Störung nicht erkannt und nur die Depression behandelt, kann sich das fatal auswirken. Die Phasen treten in immer kürzeren Abständen immer heftiger auf und es entstehen vermehrt Suizidgedanken, die nicht selten einen Suizidversuch des Patienten zur Folge haben. Auf immerhin ein Drittel der Betroffenen trifft das zu. Hemingway, Schumann und Woolf sind berühmte Beispiele dafür. Der einzige Ausweg ist eine exakte Diagnose, obwohl auch dann noch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass depressive Phasen auftreten. Letztlich hilft nur eine schnelle und richtige Behandlung der Erkrankung, nur dann kann die Anzahl der Ausbrüche deutlich gesenkt werden. Die beschwerdefreien Zeiträume zwischen den Phasen werden länger und ein Drittel der Betroffenen kann sogar gänzlich ohne Beschwerden leben. (jp)

Bild: Petra Bork / pixelio.de