Bisherige WHO-Strategie zur Eliminierung der Tuberkulose vor dem Scheitern?

Fabian Peters

Tuberkulosefälle leicht rückläufig, aber weiterhin mehr als 10 Millionen Neuinfektionen

Bis zum Jahr 2035 soll Tuberkulose weltweit eliminiert sein, so der Plan der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der jetzt veröffentlichte Welt-Tuberkulose-Bericht 2017 verdeutlicht, welche Erfolge auf diesem Weg bereits erzielt wurden und wo die Probleme bei der Bekämpfung der Tuberkulose liegen. Denn immer noch erkranken jährlich mehr als 10 Millionen Menschen an der Infektionskrankheit und über 1,6 Millionen versterben an den Folgen der Tuberkulose.

Bereits bis zum Jahr 2030 sollen die Tuberkulose-Todesfälle um 90 Prozent sinken und die Neuinfektionen um 80 Prozent zurückgehen. Doch „insgesamt zeigt das jüngste Bild eine immer noch hohe Krankheitslast und Fortschritte, die nicht schnell genug sind, um die Ziele zu erreichen oder die Versorgungslücken zu schließen“, mahnt die WHO. Wenn die Bemühungen nicht deutlich intensiviert werden, droht der Kampf gegen Tuberkulose zu scheitern.

Die Zahl der Tuberkulose-Infektionen geht leicht zurück, doch droht die Strategie der WHO zur Eliminierung der Infektionskrankheit zu scheitern. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Tuberkulose die tödlichste Infektionskrankheit

Weiterhin liegt Tuberkulose weltweit auf Platz neun der Todesursache und sie bleibt die häufigste Todesursache durch einen einzigen infektiösen Erreger. Im Jahr 2016 waren laut Angaben der WHO schätzungsweise 1,3 Millionen Tuberkulose-Todesfälle unter HIV-negativen Menschen zu verzeichnen (gegenüber 1,7 Millionen im Jahr 2000) und weitere 374.000 Todesfälle unter HIV-positiven Menschen. Insgesamt seien im Jahr 2016 schätzungsweise 10,4 Millionen Menschen an Tuberkulose erkrankt, wobei 90 Prozent Erwachsene waren.

Lücken bei der Diagnose und Therapie

Laut Angaben der WHO könnten die meisten TBC-Todesfälle durch eine frühzeitige Diagnose und angemessene Behandlung verhindert werden. „Millionen von Menschen werden jedes Jahr diagnostiziert und erfolgreich gegen Tuberkulose behandelt, wodurch Millionen von Todesfällen (53 Millionen im Zeitraum 2000 bis 2016) vermieden werden“, berichtet die WHO. Die Erfolgsrate bei den Behandlungen liege bei rund 83 Prozent, aber weiterhin gebe es noch große Lücken in der Erkennung und dem Zugang zur Therapie.

Resistente Erreger ein erhebliches Problem

Des Weiteren ist die arzneimittelresistente Tuberkulose laut Angaben der WHO eine wachsende Bedrohung. Hier verzeichnet der Report einen leichten Anstieg der gemeldeten Fallzahlen. Die Behandlungserfolgsraten liegen bei diesen Erkrankungen wesentlich niedriger und erreichen lediglich 54 Prozent. Geschätzt waren laut Angaben der WHO im Jahr 2016 rund 600.000 neue Infektionen mit arzneimittelresistenter Tuberkulose zu verzeichnen.

Mehr als die Hälfte der Infektionen in fünf Ländern

Regional betrachtet traten 56 Prozent aller Tuberkulose-Infektionen in fünf Ländern weltweit auf: Indien, Indonesien, China, den Philippinen und Pakistan. Hier waren gleichzeitig auch über 50 Prozent der Infektionen mit arzneimittelresistenten Erregern festzustellen. Zwar sinkt die Zahl der Neuerkrankungen durchschnittlich um rund zwei Prozent pro Jahr, doch bis zum Jahr 2020 müsste dieser Wert auf vier bis fünf Prozent pro Jahr verbessert werden, um die ersten Meilensteine der Strategie zu erreichen, so die Mitteilung der WHO.

Unzureichender Fortschritt im Kampf gegen Tuberkulose

„Wie kann es sein, dass die tödlichste Infektionskrankheit der Welt zwar heilbar ist, aber im vergangenen Jahr fast 1,7 Millionen Menschen daran gestorben sind“, so die kritische Frage der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ zu den Daten des WHO-Reports. Zudem werde bei vier von fünf Menschen mit resistenter Tuberkulose die Krankheit nicht diagnostiziert, und nur die Hälfte der Betroffene werde geheilt. Obwohl zwei neuere Medikamente zur Behandlung von resistenter Tuberkulose seit fünf Jahren erhältlich seien und helfen könnten. Allerdings erhalten weniger als fünf Prozent der Menschen, die diese Medikamente benötigen, sie tatsächlich, bemängelt die Hilfsorganisation. Insbesondere die Länder mit vielen Tuberkulosepatienten müssen sich laut „Ärzte ohne Grenzen“ der Herausforderung stellen und den Zugang zu Diagnose und Behandlung deutlich zu verbessern. Dies betreffe auch neue Behandlungsformen für resistente Tuberkulose. (fp)