Bisphenol: Weichmacher wandern direkt ins Blut

Nina Reese

Französische Forscher zeigen, wie leicht BPA in den Körper gelangt

15.06.2013

In vielen Produkten aus Plastik ist die giftige Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthalten – das ist schon länger bekannt. Doch eine aktuelle Studie zeigt nun, wie leicht der krebserregende Stoff in den Körper gelangt und was er dort für Schäden anrichten kann – denn wie das französische Forscherteam aktuell im „Environmental Health Perspectives“ schreibt, kann „BPA schnell und effizient über die unter der Zunge liegenden stark durchbluteten Mundschleimhäute resorbiert werden.“

Hundertfach erhöhter Wert bei Aufnahme über Mund
Demnach gelangt Bisphenol A direkt vom Mund ins Blut. Wie die Forscher schreiben, hatten Versuche mit Hunden gezeigt, dass die Konzentration von Bisphenol A im Blut einen fast um das Hundertfache erhöhten Wert aufwies, sobald die Chemikalie über die unter der Zunge liegenden stark durchbluteten Mundschleimhäute und nicht über den Verdauungstrakt absorbiert wurde. Die Hunde waren als Versuchstiere ausgewählt worden, weil die Mundschleimhaut der Tiere in ihrer Beschaffenheit der des Menschen stark ähnelt, wobei die Forscher explizit darauf hinweisen, dass „alle tierischen Verfahren in Übereinstimmung mit den anerkannten Standards der humanen Tierhaltung durchgeführt wurden“.

BPA birgt enorme Gesundheitsrisiken
Der so genannte „Weichmacher“ gilt als sehr gefährlich, denn "durch ihn können unter anderem Nerven geschädigt und sogar Krebs ausgelöst werden", neue Studien deuten zudem auf einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten BPA-Spiegel im Blut und Diabetes, Herz-Kreislaufproblemen, fehlender Libido oder auch Fettleibigkeit hin. Besonders problematisch: "Bisphenol A kommt in vielen Kunststoffprodukten des täglichen Lebens wie zum Beispiel Plastikflaschen oder der Innenbeschichtung von Konservendosen vor, aber auch in der Druckfarbe auf Kassenbons und Fahrkarten und häufig sogar in abgepackten Lebensmitteln".

BPA in Babyflaschen bereits verboten
Experten warnen immer wieder vor den gesundheitlichen Risiken durch die Chemikalie, denn verschiedenen Studien zufolge ist es möglich, dass bereits kleine Mengen über die Haut in den Organismus gelangen und dort Schäden anrichten können. Als erste Reaktion auf diese Erkenntnisse gab daher der „Ständige Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit“ der EU im November 2010 das Verbot für Produktion und Verkauf von Babyflaschen aus Polycarbonat, welche BPA enthalten, bekannt – welches seit dem 1. März 2011 auch in Deutschland in Kraft ist. Frankreich allerdings ist bei diesem Thema schon einen weiteren Schritt voraus: Denn hier ist die Chemikalie ab Anfang 2015 in allen Lebensmittelverpackungen verboten, in denen, die an Kleinkinder unter drei Jahren adressiert sind, bereits seit Anfang 2013. (nr)

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Bild: Rike / pixelio.de