Bitter-Geschmack: Drohende Vergiftungen bei Lupinensamen

Alfred Domke
Experten warnen vor Vergiftungen durch Lupinensamen
Lupinensamen wurden in den letzten Jahren immer populärer. Die gesunden Hülsenfrüchte werden von manchen Menschen bereits als das neue Soja bezeichnet. Experten weisen nun jedoch darauf hin, dass es in der Vergangenheit des Öfteren zu Vergiftungen durch Lupinensamen gekommen ist.

Schnitzel und Eis aus Lupinen
Bei vielen Menschen, die ihren Fleischkonsum gering halten wollen oder die sich vegetarisch beziehungsweise vegan ernähren, kommen häufig Lebensmittel auf den Tisch, die aus Soja oder Milcheiweiß produziert werden. Manche Personen vertragen das aber nicht so gut. Nicht nur für sie sind Lupinen ein geeigneter Ersatz. Aus der Pflanze werden unter anderem Schnitzel, Würstchen, Mehl und Eis hergestellt. In manchen Fällen kann der Verzehr der Hülsenfrüchte aber auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Lupinen werden seit einigen Jahren vermehrt in der Lebensmittelproduktion verwendet. Bei bitterem Geschmack ist jedoch Vorsicht angebracht: Bitterlupinensamen haben schon zu manchen Vergiftungen geführt. (Bild: luismolinero/fotolia.com)

Vergiftungssymptome durch Bitterlupinensamen
Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Mitteilung berichtet, wurden dem Institut für den Zeitraum von 2010 bis 2016 von den Giftinformationszentren Daten von etwa 30 konkreten Fällen mit Vergiftungssymptomen unterschiedlichen Schweregrades, ausgelöst durch Bitterlupinensamen, übermittelt.

„Beim Kauf von unverarbeiteten Lupinensamen ist meist kaum ersichtlich, ob es sich um Bitterlupinensamen handelt, die giftige Alkaloide enthalten, oder um Süßlupinensamen, die ohne weitere Verarbeitung verzehrt werden können“, erklärte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Laut BfR kann ein bitterer Geschmack von Lupinensamen oder den aus ihnen hergestellten Erzeugnissen ein Indikator für die Anwesenheit von gesundheitlich unerwünschten Lupinenalkaloiden sein.

Auch das bitter schmeckende Einweichwasser von Lupinensamen sollte in keinem Fall verzehrt beziehungsweise zur Zubereitung von Speisen verwendet werden.

Laien sollten auf eigene Entbitterung von Lupinensamen verzichten
Die Samen von Lupinen werden seit einigen Jahren vermehrt in der Lebensmittelproduktion verwendet – zum Beispiel zur Herstellung von glutenfreien Back- und Teigwaren oder diätetischen Produkten für Milcheiweißallergiker.

Lupinenprodukte sind sehr eiweißhaltig. Lupinensamen enthalten nur wenig Fett und kein Gluten, dafür aber viele Ballaststoffe. Da die Samen zudem nahezu purinfrei sind, sind sie auch für Gicht-Patienten geeignet.

Je nach Art und Herkunft können sie aber bittere Chinolizidinalkaloide enthalten. Werden diese in einem sogenannten „Entbitterungsprozess“ nicht fachgerecht entfernt, können sie beim Menschen Vergiftungssymptome auslösen, die das Nerven-, Kreislauf- und Verdauungssystem betreffen.

„Das BfR empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern, die über keine eigene Sachkunde verfügen, auf eindeutig als Süßlupinensamen oder als bereits entbitterte Bitterlupinensamen ausgewiesene Erzeugnisse zurückzugreifen und auf die eigene Entbitterung von Lupinensamen zu verzichten“, so Hensel. (ad)