BKK für Heilberufe: Fusion oder Insolvenz?

Fabian Peters

Krankenkasse BKK für Heilberufe ebenfalls kurz vor der Schließung?

19.05.2011

Der BKK für Heilberufe droht laut Berichten der „Financial Times Deutschland“ die Insolvenz. Neben der insolventen City BKK, die zum ersten Juli geschlossen wird, könnte nun der zweiten Krankenkasse innerhalb kürzester Zeit die Zahlungsunfähigkeit bevorstehen.

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Der BKK für Heilberufe bleibe noch bis Ende Mai Zeit, einen möglichen Fusionspartner zu finden, der die Krankenkasse inklusive ihrer knapp 130.000 Mitglieder übernehmen will, ansonsten drohe die Insolvenz, berichtet die „Financial Times Deutschland“. Die Branche der gesetzlichen Krankenversicherungen kommt nicht zur Ruhe. Während aktuell noch die Diskussionen um die künftige Unterbringung der knapp 170.000 City BKK-Kunden in den verbliebenen Krankenkassen laufen, wird bereits über die nächste Krankenkassen-Pleite spekuliert.

Krankenkasse such Fusionspartner um Insolvenz zu vermeiden
Die mögliche Insolvenz der BKK für Heilberufe geht aus einem vorliegenden Schreiben des Beirats der BKK für Heilberufe an die Vorstände der anderen Betriebskrankenkassen vom 9. Mai 2011 hervor, berichtet die „Financial Times Deutschland“. In der Mitteilung werde dringend nach möglichen Fusionspartnern unter den anderen Betriebskrankenkassen gesucht, um eine drohenden Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. „Unser Schwerpunkt liegt auf der Fusion“, betonte Ulrich Rosendahl, Sprecher der BKK für Heilberufe gegenüber der „Financial Times Deutschland“. Doch ob Interesse bei den anderen Betriebskrankenkassen an einer Übernahme der angeschlagenen BKK für Heilberufe besteht, ist bislang ungeklärt. Denn eine Übernahme würde den Fusionspartner erheblichen finanziell belasten. Anderseits wies Ulrich Rosendahl auch darauf hin, dass eine Übernahme für die übrigen Betriebskrankenkassen immer noch günstiger wäre als eine mögliche Insolvenz. Doch angesichts der Kapazitätsprobleme, die sich momentan bei der Unterbringung der 168.000 City BKK-Kunden in den übrigen gesetzlichen Krankenkassen ergeben, scheint die Aussicht auf eine reibungslose Übernahme der 130.000 Mitglieder der BKK für Heilberufe durch eine andere Betriebskrankenkasse eher gering.

Krankenkassen unter Druck – Zusatzbeitrag unumgänglich
So könnte der Krankenversicherungsbranche die zweite Insolvenz einer gesetzlichen Krankenkasse innerhalb kürzester Zeit bevorstehen und auch einige andere Krankenkassen geraten zunehmend unter Druck. Zusatzbeiträge, welche die meisten gesetzlichen Krankenversicherungen bis vor kurzen noch grundsätzlich ausschlossen, sind heute bereits relativ weit verbreitet und bei immer mehr Krankenkassen im Gespräch. So berichtet zum Beispiel „Welt Online“, dass auch bei der Vereinigten IKK künftig Zusatzbeiträge erhoben werden müssen. Obwohl die Krankenkasse auch aktuell noch auf ihrer Internetseite damit wirbt, weiterhin ohne Zusatzbeitrag auskommen, werden bei der Vereinigten IKK in Zukunft Zusatzbeiträge unumgänglich, schreibt „Welt Online“. Zwar hatte Klaus Brandner, SPD-Politiker und Mitglied im Verwaltungsrat der Vereinigten IKK, gegenüber dem Nachrichtenportal lediglich erklärt, dass „wenn es keine finanzielle Hilfe gibt, ein Zusatzbeitrag unvermeidlich“ ist, doch „Welt Online“ geht aufgrund von Informationen aus Kassenkreisen davon aus, dass die Zusatzbeiträge in jedem Fall kommen werden. Auch eine finanzielle Unterstützung durch die anderen Krankenkassen könnte demnach die über 1,6 Millionen Mitglieder der Vereinigten IKK nicht vor den Zusatzbeiträgen bewahren.

Zusatzbeiträge als Risikofaktor für eine Insolvenz?
Doch Zusatzbeiträge haben zum Beispiel bei der City BKK die Insolvenz maßgeblich beeinflusst. Denn nachdem die City BKK erste Zusatzbeiträge erhob, um sich aus der finanziellen Zwangslage zu befreien, verließen tausende – vor allem junge, gesunde – Mitglieder die Versicherungen und suchten sich eine neue Krankenkasse. Zurück blieben überproportional viele Alte und Kranke, die meist mehr Kosten verursachen, als durch die Versicherungsbeiträge eingenommen wird. Damit verschärften sich die finanziellen Schwierigkeiten der City BKK weiter und am Ende folgte die Insolvenz. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ein ähnliches Schicksal eine so große Krankenkasse wie die Vereinigte IKK ereilen würde. Denn die Branche hat derzeit bereits Schwierigkeiten die 168.000 ehemaligen City BKK-Mitglieder unterzubringen, bei 1,6 Millionen Menschen, die bei einer Pleite der Vereinigten IKK einen neuen Versicherungsschutz bräuchten, wäre das System der gesetzlichen Krankenversicherungen vermutlich schlichtweg überfordert und ein staatliches Eingreifen unumgänglich. (fp)