BKK verärgert über AOK-Chef

Fabian Peters

Nach Pleite der BKK für Heilberufe giften die Betriebskrankenkassen gegen die AOK

03.11.2011

Die zweite gesetzliche Krankenkasse ist pleite und muss zum Jahresende ihren Betrieb einstellen. Nachdem die City BKK bereits zum ersten Juli geschlossen wurde, hat das Bundesversicherungsamt (BVA) jüngst auch die Schließung der seit langem angeschlagenen BKK für Heilberufe bekannt gegeben.

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Wegen erheblicher wirtschaftlicher Problemen und deutlich rückläufiger Mitgliederzahlen müsse die BKK für Heilberufe zum Jahresende geschlossen werden, so die Mitteilung des BVA. Mehr als hunderttausend Versicherte brauchen daher ab Beginn des kommenden Jahres eine neue Krankenversicherung. Ein Szenario wie bei der Übernahme der City BKK-Versicherten dürfe sich hier nicht wiederholen, betonte nicht nur das BVA sondern auch der Bundesgesundheitsminister, Daniel Bahr (FDP). Der Vorsitzende des Geschäftsführenden Vorstandes beim AOK-Bundesverband, Jürgen Graalmann, kommentiert diesbezüglich leicht ironisch, er sei dankbar, „dass es inzwischen einen Wettbewerb gibt, wer die Versicherten der BKK für Heilberufe am herzlichsten Willkommen heißt.“ Die Verantwortlichen des BKK-Systems empören sich hingegen wegen einer anderen Äußerung des AOK-Chefs. Graalmann hatte kritisiert, dass seiner Ansicht nach die Versorgerkassen wie die AOK die „Aufräumarbeiten“ für die Fehler im BKK-System übernehmen müssen.

BKK für Heilberufe schließt zum Jahresende
Diesen Vorwurf des AOK-Chefs wollte bei den Betriebskrankenkassen niemand auf sich sitzen lassen und so giftete Raimund Nossek, Vize-Vorstand des BKK Landesverbands Mitte, in Richtung Graalmanns, dass sich hier eine Krankenkasse versuche zu profilieren, die den Versicherten der City BKK bei der Suche nach einer Krankenversicherung „als erste die Tür gewiesen hat.“ Die Anschuldigungen des AOK-Chefs sind für die Verantwortlichen der Betriebskrankenkassen völlig unberechtigt, da das BKK-System sämtliche Kosten für die Schließung der BKK für Heilberufe trage. Die übrigen Betriebskrankenkassen werde hier mit Folgekosten in Höhe von 53 Millionen Euro belastet, die AOK müsse indes keinen finanziellen Beitrag leisten, sondern sich lediglich nicht gegen die Aufnahme der Versicherten verwehren. Abwimmelungsversuche wie sie die ehemaligen Versicherten der City BKK auf der Suche nach einer neuen Krankenversicherung erlebten, dürfen sich bei den Versicherten der BKK für Heilberufe keinesfalls wiederholen, so auch die Forderung des Bundesversicherungsamts und aus den Reihen der Politik.

In Richtung der Versicherte der BKK für Heilberufe erklärten die Verantwortlichen der Betriebskrankenkassen, dass diese sich keine Sorgen um ihre medizinische Versorgung machen müssen, da sämtliche bis zum Schließungstermin erbrachten Leistungen auch von der Krankenkasse übernommen werden. Ab dem ersten Januar 2012 dürfen Ärzte und Kliniken die Versicherungskarte der BKK für Heilberuf ohnehin nicht mehr akzeptieren. So sei ausgeschlossen, dass die Versicherten möglicherweise auf Behandlungskosten sitzen bleiben. Generell werde die Vergütung einer Leistung von der Krankenversicherung getragen, bei der ein Patient zum Zeitpunkt der Leistungserbringung beziehungsweise der Behandlung versichert ist. (fp)