Blutdruck: Welche Maßnahmen helfen gegen schwer einstellbaren Bluthochdruck?

Alfred Domke

Versorgung von Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck

Laut Gesundheitsexperten leiden rund 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in der westlichen Welt an Bluthochdruck. Viele Betroffene nehmen Medikamente, um den Blutdruck zu senken. Doch in manchen Fällen zeigen diese kaum Wirkung. Die Versorgung von Patienten mit schwer einstellbarer Hypertonie stellt eine große Herausforderung für Mediziner dar.

Risikofaktor Nummer Eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Der Deutschen Hochdruckliga e. V. DHL® zufolge leiden etwa 30 Prozent der Erwachsenen weltweit an Bluthochdruck. Unbehandelte Hypertonie ist Risikofaktor Nummer Eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit für viele Todesfälle durch Herzinfarkt oder Schlaganfall verantwortlich. Doch selbst bei medizinischer Behandlung erreichen manche Patienten keine guten Werte. Nach Schätzungen zählen bis zu 20 Prozent zu den sogenannten schwer einstellbaren Hypertonikern. Ihre Versorgung stellt für Mediziner eine große Herausforderung dar.

Etwa 30 Prozent der Erwachsenen in der westlichen Welt leiden an Bluthochdruck. Bis zu 20 Prozent zählen zu den sogenannten schwer einstellbaren Hypertonikern. Diese Patienten stellen für Mediziner eine große Herausforderung dar. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Wie hoch der Blutdruck sein darf

Bluthochdruck wird von den Patienten lange nicht gespürt und fällt häufig erst auf, wenn er Organschäden verursacht hat. Er wird daher – wie auch andere Erkrankungen – als „stiller Killer“ bezeichnet.

Doch wie hoch darf der Blutdruck tatsächlich sein? Hypertonie wird durch einen systolischen Blutdruck von über 140 mmHg und einen diastolischen Blutdruck von mehr als 90 mmHg definiert.

Manche Experten meinen zwar mittlerweile, dass 120 statt 140 das neue Blutdruck-Ziel sein soll, doch die Hochdruckliga spricht sich weiterhin für moderate Zielwerte aus.

Bei manchen Patienten reichen einfache Mittel nicht aus

Da neben Übergewicht beziehungsweise Adipositas auch zu wenig Bewegung, eine ungesunde, zu salzhaltige Ernährung, Tabak- sowie erhöhter Alkoholkonsum und Stress als Risikofaktoren gelten, wird Betroffenen in der Regel geraten, diese Risiken zu minimieren, um den Blutdruck zu senken.

Reicht ein gesünderer Lebensstil nicht aus, verschreiben Ärzte dem Patienten blutdrucksenkende Arzneien. Doch auch mit diesen werden in manchen Fällen keine guten Werte erreicht.

„Von schwer einstellbarer oder auch therapieresistenter Hypertonie sprechen Ärzte, wenn Patienten keine guten Blutdruckwerte erreichen, trotz Veränderung ihres Lebensstils und einer Therapie mit drei Blutdrucksenkern verschiedener Substanzklassen“, erklärt die DHL® in einer Mitteilung.

Schwer einstellbare Hypertonie-Patienten

Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein:

„Die 10 bis 20 Prozent schwer einstellbarer Hypertonie-Patienten, von denen wir ausgehen müssen, stellen ein relevantes Problem in der Allgemein- und Internistischen Praxis dar“, sagt Professor Dr. med. Walter Zidek, Klinikdirektor an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.

„Die Ursachen dafür, dass Bluthochdruckpatienten schwer einstellbar sind, sind sehr unterschiedlich und nicht immer einfach zu diagnostizieren“, so der Mediziner.

„Ohne ein klares Konzept für die Diagnostik und Versorgung kann es zu einer Über- oder Fehlbehandlung kommen, die enorme Ressourcen bindet, ohne zu einer Lösung zu führen“, erläutert Zidek.

Neue diagnostische oder therapeutische Herangehensweisen

Treten Schwierigkeiten in der Hochdruckbehandlung auf, benötigt es manchmal statt eines Wechsels oder der Hinzunahme weiterer Blutdruckmedikamente neue diagnostische oder therapeutische Herangehensweisen.

„Hier ist eine systematische und rationale Suche nach den Ursachen wichtig“, so der Experte. Ein großer Teil der schwer einstellbaren Patienten hat Probleme mit der Adhärenz, also mit der Einnahmetreue bezüglich der verordneten Medikamente.

„Oft ist es in der Praxis nicht einfach, diese Patienten auszumachen und auch nicht leicht, ihre Haltung zur Medikation zu verändern“, erklärt Professor Zidek. Eine weitere Ursache kann in einer nicht ausreichenden ärztlichen Behandlung liegen.

„In der Praxis ist eines der häufigsten Defizite in der Behandlung der schwer einstellbaren Patienten, die Rolle der Kochsalz-Elimination durch eine entsprechende diuretische, also entwässernde Therapie zu unterschätzen“, erläutert der Fachmann.

Darüber hinaus kann ebenso eine Nierenerkrankung oder eine endokrinologische Erkrankung einem schwer einstellbaren Bluthochdruck zugrunde liegen.

Auch eine Begleiterkrankung wie Niereninsuffizienz, das metabolische Syndrom oder eine obstruktive Schlafapnoe erschweren die Behandlung.

Auf einer gemeinsamen Tagung der DHL® und der Deutschen Diabetes Gesellschaft am 10. und 11. November in Mannheim wird unter anderem über den Umgang mit diesen schwer zu behandelnden Patienten debattiert werden. (ad)