Blutegeltherapie

Heilpraxisnet

Naturheilkunde: Blutegeltherapie

(05.08.2010) Darstellungen aus dem alten Indien bezeugen die Anwendung der Blutegeltherapie bereits 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung. 300 Jahre später beschreiben in Europa die Griechen die Blutsaugermedizin und so geht es weiter über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Den überlieferten Höhepunkt erreichte die Methode im 18. Jahrhundert, wo der verschwenderische Umgang mit den Blutegeln Todesopfer gefordert haben soll und als „Vampirismus“ bezeichnet wurde. Zunächst von Vertretern der Naturheilkunde als Methode der klassischen Ausleitungsverfahren im 20. Jahrhundert wiederbelebt, bedient sich heute insbesondere auch die plastische Chirurgie der nützlichen Blutsauger. Was ist dran an dieser blutigen Methode, die sich über Jahrtausende nicht ersetzen zu lassen scheint?

Blutegeltherapie:
Der Blutegel: Ein blutsaugender Ringelwurm
Der Behandlungsablauf: Schmerzfrei und blutig
Wirkung der Blutegeltherapie
Blutegeltherapie Anwendungsgebiete
Blutegeltherapie Gegenanzeigen
Blutegel als Wergwerfprodukte

Mehr zum Thema:

Der Blutegel: Ein blutsaugender Ringelwurm

Der Blutegel (wissenschaftl. Hirudo) ist ein europäischer Ringelwurm, der in natürlicher Umgebung das heimatliche Süßwasser bestenfalls verlässt, um Eier in die Erde zu legen, wird zu medizinischen Zwecken in sogenannten Blutegelfarmen naturnah aufgezüchtet. I.d.R. hungert ein Blutegel bis zu acht Monaten, bevor er an Heilpraktiker und Ärzte verkauft wird.

Die in der Medizin bevorzugte Gattung Hirudo medicinalis wird ca. 2-4 cm lang und liebt das Blut von Mensch und Tier gleichermaßen. Als Beiß- und Saugwerkzeug dienen dem Egel drei Kiefer, die mit scharfen Zähnen besetzt sind. Nach einem Biss hinterlässt er eine Wunde in Form eines dreistrahligen Sterns, der auch als Narbe bestehen bleiben kann.

Der Behandlungsablauf: Schmerzfrei und blutig

Für eine Behandlung werden 1-12 Blutegel gesetzt. Dazu wird jedes Tier mit dem Kopf nach vorn in ein Laborröhrchen gesteckt und auf den gewünschten Hautbereich des Patienten gestülpt. Da der Hirudo ziemlich geruchsempfindlich ist, sollten Ausdünstungen von Alkohol und Medikamenten sowie das Auftragen von Duft- und Parfümstoffen vermieden werden, damit er die Mahlzeit nicht ausschlägt. Der Biss ist wenig schmerzhaft und das rhythmische Blutsaugen kaum spürbar. Nach 10 bis 40 Minuten und 5-8ml Blut sind die Egel satt und fallen einfach ab. Die Blutung jedoch sickert noch bis zu 20 Stunden nach, was einen gewichtigen Anteil der Wirkung einer Blutegelbehandlung ausmacht. Wie bei einem sanften Aderlass gehen dabei 30-50ml Blut verloren.

Wirkung der Blutegeltherapie

Die Wirkstoffe: Die heilsame Mixtur wird in den Halsdrüsen produziert. Grund für das lange Nachbluten der Wunde und die Heilwirkungen sind zahlreiche Wirkstoffe im Egelspeichel, den das Tier in den Halsdrüsen produziert und während des Saugens absondert. So wirkt beispielsweise das enthaltene Hirudin blutgerinnungshemmend und antithrombotisch, die Egline hemmen Entzündungen, während das Histamin lokale Gefäßkrämpfe löst. Der Blutverlust hat eine (einem Aderlass entsprechende) entstauende, entzündungshemmende und blutverdünnende Wirkung, Stoffwechselschlacken und Körpergifte werden ausgeleitet, der Lymphstrom beschleunigt. Inzwischen werden die bekannten Wirkstoffe auch gentechnologisch hergestellt.

Blutegeltherapie Anwendungsgebiete

Die Anwendungsgebiete: Blutegeltherapie in Naturheilkunde und Hochschulmedizin: Die Fähigkeit des Speichelgemisches, v.a. eine bessere Fließfähigkeit des Blutes herbeizuführen erklärt auch die häufigsten Einsatzbereiche der Blutegeltherapie.

In der Naturheilkunde werden Blutegel denn auch insbesondere bei Fülle-, Stauungs- und Schmerzzuständen eingesetzt. Dazu gehören Bluthochdruck, Tinnitus, Thrombosen, Krampfadern, Venenentzündungen und Hämorrhoiden genau wie Gelenks- und Weichteilrheuma, akuter Gichtanfall und das akute Glaukom. Aber auch bei chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Nasennebenhöhlenentzündung) oder des Mittelohrs (Otitis media) gilt dir Therapie als hilfreich. Zur Behandlung weiterer chronischen Erkrankungen nutzen Heilpraktiker und naturheilkundige Ärzte die Wirkung der Blutsauger als Umstimmungstherapie, um die Selbstheilungskräfte durch Steigerung der Reaktionsfähigkeit des Körpers anzufachen.

In der evidenzbasierten Medizin beschränkt sich der Einsatz der Blutegel weitgehend auf die Plastische Chirurgie, wo der Wurmspeichel nach Transplantationen von Fingern, Ohren oder Haut die Wundheilung optimieren und eine Abstoßung des neuen Gewebes verhindern soll.

Blutegeltherapie Gegenanzeigen

Die Gegenanzeigen: Achtung bei Blutgerinnungsstörungen: Aufgrund seiner Wirkungsweise sollte bei gestörter Blutgerinnung durch Medikamente oder Lebererkrankungen, einige Tage vor und nach operativen Eingriffen, bei bestehendem Diabetes mellitus, arterieller Verschlusskrankheit (pAVk) und Hautinfektionen im Bereich des Behandlungsareals aufgrund von zu erwartender Komplikationen auf eine Blutegeltherapie unbedingt verzichtet werden.

Blutegel als Wergwerfprodukte

Der Wermutstropfen: Blutegel als Wergwerfprodukte: Mit den Errungenschaften der modernen Medizin und ihren Hygienestandards verschwand die Blutegeltherapie zeitweise von der Bildfläche, nicht zuletzt, weil sie in Verdacht geriet, Krankheiten zu verbreiten. Heute wird jeder Blutegel nur einmal verwendet und danach sofort in Alkohol getötet. Bis vor einigen Jahren hat Deutschlands bedeutendster Blutegelfarmer ZAUG, um die medizinische Leistung der Tiere zu würdigen, diese von den Therapeuten zurückgenommen. Abgeschottet von den noch „jungfräulichen“ Artgenossen wurde den Egeln ein angemessener Lebensraum für die Rentenzeit geboten. Die Fa. ZAUG schloss ihren Rententeich im Jahre 2006, nachdem die Rücknahme der Blutegel behördlich verboten wurde.

Übrigens werden neben gezüchteten auch importierte Blutegel verwendet. Letztere werden vor ihrem Einsatz mindestens 32 Wochen in Quarantäne gehalten. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktiker)

Zum Weiterlesen

Studie zur Wirksamkeit der Blutegeltherapie bei Gelenksarthrosen von der Carl und Veronica Carstens-Stiftung (Natur & Medizin)