Bluttest zur Diagnose von Depressionen

Fabian Peters

Depressionen lassen sich mit Hilfe von Biomarkern diagnostizieren

17.04.2012

Depressionen betreffen nicht nur Erwachsene, sondern unter Umständen auch Kinder, wobei die psychische Erkrankung hier häufig nur schwer von allgemeinen Stimmungsschwankungen zu unterschieden ist. US-Forscher haben daher verschiedene Biomarker bestimmt, die sich in einem Bluttest nachweisen lassen und eindeutige Hinweise auf eine vorliegende Depression liefern sollen.

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Ein Bluttest kann der zuverlässigen Diagnose von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen dienen, schreiben Erstautorin Kathleen Pajer von der Northwestern University in Chicago und ihre Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Translational Psychiatry“. Die US-Forscher haben eine Reihe von Biomarkern definiert, die sich im Blut nachweisen lassen und Aufschluss über eine möglicherweise bestehende Depression liefern können.

Bluttest zur Diagnose von Depressionen
Der Bluttest könnte nach Ansicht der US-Forscher schon bald die aufwendige Diagnose bei Depressionserkrankungen von Kindern und Jugendlichen ersetzten. Die schwere psychische Erkrankung ereile auch Menschen im Alter unter 25 Jahren, ist bei ihnen jedoch besonders schwer zu diagnostizieren, schreiben Pajer und Kollegen. Insgesamt sei etwa ein Prozent der Bevölkerung bereits im Alter unter 12 Jahren betroffen, so die US-Forscher weiter. Für die Heranwachsenden habe die psychische Erkrankung oft schwerwiegende Beeinträchtigungen ihrer Entwicklung zur Folge und bringe ein erhöhtes Risiko von körperlichen Erkrankungen mit sich, erklären die Wissenschaftler. Auch neigen die Betroffenen zum Drogenkonsum, haben Schwierigkeiten bei der sozialen Anpassung und unterliegen einem erhöhten Suizid-Risiko, berichten Pajer und Kollegen.

Biomarker ermöglichen objektive Diagnose von Depressionen
Bisher beruht die Diagnose von Depressionen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Heranwachsenden auf der Selbstkontrolle der Patienten und klinischer Beobachtung, was jedoch nach Ansicht der US-Forscher nur relativ unzuverlässige (subjektive) Befundmöglichkeiten bietet. Biologische Marker könnten hier einen objektive Hilfestellung bei der Diagnose bieten, doch „trotz 30 Jahren Forschung“ konnten bis heute keine eindeutigen Biomarker identifiziert werden, wie die US-Wissenschaftler in ihrem Fachartikel schreiben. Kathleen Pajer und Kollegen widmeten sich daher der Suche nach zuverlässigen biologischen Kennzeichen, die zur Diagnose von Depressionen herangezogen werden können. Dabei konzentrierten sie ihre Forschungen auf Indikatoren, die auf eine genetische Disposition und Stress als häufigste Ursachen der Depressionen hinweisen.

Auch Angststörungen anhand von Biomarkern erkennbar
Anhand von Tierversuchen und einer ersten Studie mit 14 Depressionspatienten und 14 gesunden Probanden ermittelten die US-Forscher elf Blutmarker, die auf eine Depression im Kindesalter hinweisen können. Anhand der Blutmarker könne eine zuverlässige Diagnose erfolgen, die auch eine eindeutige Abgrenzung in Richtung allgemeiner Stimmungsschwankungen – wie sie bei Jugendlichen des öfteren auftreten – ermögliche, schreiben die US-Wissenschaftler. Darüber hinaus seien 18 weitere Biomarker nachgewiesen worden, die eine Unterscheidung zwischen reinen Depression und Depression mit begleitender Angststörung erlauben, so Pajer und Kollegen weiter. Fünf der elf definierten Biomarker entstammen laut Aussage der Forscher dem vererbbaren Bereich und sechs werden in Verbindung mit chronischem Stress gebracht. Die gewonnen „Pilot-Daten deuten darauf hin, dass unser Ansatz der klinisch validen Diagnostik-Panels von Blutmarkern“ bei frühen Depressionen die Diagnosemöglichkeiten deutlich verbessert und das Potenzial hat, „individualisierte Therapie-Strategien voranzutreiben“, schreiben die US-Wissenschaftler. Erstmals sei es anhand der Biomarker möglich, die psychische Erkrankung objektiv nachzuweisen.

Weitere Studien zu den Biomarkern bei Depressionen erforderlich
Laut Studienleiterin Eva Redei von der Northwestern University, sind die entdeckten „elf Gene womöglich erst die Spitze des Eisbergs“ und es könnten unter Umständen zahlreiche weitere Biomarker identifiziert werden, die sich zur Diagnose von Depressionen eignen. In jedem Fall liefere die aktuelle Studie den Beweis, „dass es tatsächlich möglich ist, eine Depression über das Blut zu diagnostizieren“, betonte die Studienleiterin. Die Grenzen der „aktuellen Studie liegen in der relativ kleinen Stichprobengröße und der begrenzten Anzahl“ von Biomarken, so die Einschränkung der Autoren. Insgesamt haben die US-Forscher nach eigener Einschätzung jedoch „einen neuartigen Ansatz zur Identifizierung potentieller Biomarker“ für Depressionen bei Kindern und Jugendlichen aufgezeigt. In weiteren Studien müssen die Biomarker nun an „einer großen Stichprobe von Jugendlichen mit Depressionen“ getestet werden, um ihre Aussagekraft zu bestätigen, erläutert Kathleen Pajer. Die Forscher zeigten sich zuversichtlich, dass in Zukunft anhand der Biomarker ein objektiver Nachweis von Depressionen möglich wird. (fp)